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Wie Laetitia mit ihren Augen sprechen kann

Kinderheilstätte in Nordkirchen

Manche Kinder in der Kinderheilstätte können nicht sprechen. Aber sie haben trotzdem etwas zu sagen. Deshalb gibt‘s jetzt einen neuen Fachdienst.

Nordkirchen

, 13.06.2018
Wie Laetitia mit ihren Augen sprechen kann

Die achtjährige Laetitia bedient den Bildschirm, der an ihrem Rollstuhl befestigt ist, mit den Augen. So kann sie sprechen. Ein Beispiel für „Unterstützende Kommunikation“. Einen Fachdienst dazu gibt es jetzt an der Kinderheilstätte in Nordkirchen. © Marie Rademacher

Laetitia kneift konzentriert die Augen zusammen und fixiert den kleinen Bildschirm, der an ihrem Rollstuhl festgemacht ist. Die achtjährige Bewohnerin der Kinderheilstätte kann aufgrund ihrer schweren Behinderung nicht sprechen. Zumindest nicht auf die Art, wie andere Menschen das tun. Dank ihres kleinen Computers – „Talker“ genannt – hat sie aber eine andere Möglichkeit zur Kommunikation gefunden.

„Da unten“, erklärt Maike Freiberg, die hinter Leatitia steht und auf den Bildschirm deutet, „ist eine Augensteuerung, die erkennt, wo Leaetitia draufguckt. Und wenn sie darauf länger verharrt, wird es ausgelöst.“ Mit einer Hand auf dem Arm des Mädchens schaut Maike Freiberg ihm dann ins Gesicht – und fragt, ob sie helfen kann. Nein, gibt die gut gelaunte Laetitia zu verstehen, und lässt mit ihren Augen den Computer sprechen. „Ich kann das alleine“, sagt das Gerät, das dem Mächen eine Stimme gibt, – und Laetitia zeigt ein selbstbewusstes Lachen.

Teil von Selbstbestimmung

Genau darum geht es bei ihrer Arbeit, erklären Maike Freiberg und Elisabeth Gründken, die beiden Mitarbeiterinnen im Fachdienst „Unterstützende Kommunikation“ (UK), den es seit April für die Kinder in der Kinderheilstätte gibt. Das zu sagen, was man meint, will oder braucht, ist ein großer Teil der Selbstbestimmung – und der Mitbestimmung innerhalb von Gruppen.

Ein Beispiel, wie das funktionieren kann, zeigt auch der 17-jährige Kevin, der genauso wie Laetitia auf einen Rollstuhl angewiesen ist und wegen einer komplexen Behinderung nicht spricht. Mit einem durch Infrarot mit einem Mixer verbundnen Tastknopf bringt er das Küchengerät zum Laufen. „Solche Hilfen sind toll, wenn zum Beispiel eine Gruppe zusammen kocht. Dann muss Kevin nicht nur im Rollstuhl daneben sitzen, sondern kann aktiv mitmachen“, erklärt Elisabeth Gründken. Auch das ist Teil von Kommunikation.

Wie Laetitia mit ihren Augen sprechen kann

Den Fachdienst für „Unterstützende Kommunikation“ gibt es seit dem April an der Kinderheilstätte in Nordkirchen. Die Guse-Stiftung aus Lünen hat den Dienst mit einer Spende in Höhe von 5000 Euro unterstützt. © Marie Rademacher

Ein Set aus sogenannten „Sprechenden Tasten“ im Wert von 5000 Euro hat die Lüner Guse-Stiftung der Kinderheilstätte jetzt für den Fachdienst UK gespendet. Es sei nämlich so, erklärt Tanja Praca vom Sozialmarketing der Einrichtung, dass es sonst keine Mittel für Anschaffungen dieser Art gebe. Der Fachdienst wird außerdem von der Aktion Mensch finanziell unterstützt.

Trotzdem was zu sagen

Kevin und Laetitia sind nur zwei Kinder der Heilstätte, die vom Konzept und von der technischen Ausstattung des neuen Fachbereichs profitieren. Es gibt aber viele, denen es genauso geht, wie Norbert Heßling, der Leiter der an die Kinderheilstätte angegliederten Maximilian-Kolbe-Schule erklärt. „Wir haben hier viele Kinder, die aufgrund ihrer Behinderung nicht sprechen können“, sagt er. „Sie haben aber trotzdem viel zu sagen“, fährt er fort – und bringt auf den Punkt, wie wertvoll UK im Alltag der Kinderheilstätte ist.

Laetitia zum Beispiel hat ihren Talker immer bei sich. „Das ist in etwa so wie bei einer Brille, einem Hörgerät oder einem Rollstuhl: Der Talker ist ein Hilfsmittel und wurde von der Krankenkasse bezahlt“, erklärt Maike Freiberg. Rund ein Jahr hat sie mit dem Mädchen daran gearbeitet, das Gerät zu bedienen. „Laetitia kann sich dadurch in ganz vielen Kommunikationssituationen einbringen und immer mit ihrem Gegenüber in Kontakt treten“, sagt sie weiter. Und wie zum Beweis kneift Laetitia zum Abschied noch mal die Augen zusammen, fixiert ihren Bildschirm und sagt: „Tschüss.“

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