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OGS-Ausbau könnte für Eltern teuer werden

rnOffener Ganztag

Für den Ausbau der OGS gibt es ab dem kommenden Schuljahr mehr Fördergelder vom Land. Doch die Pläne der Bundesregierung sind noch ehrgeiziger - für Eltern könnte es deshalb teurer werden.

NRW

, 28.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Solange es die Ganztagsschule in NRW gibt, solange gibt es auch den Streit um ihren Ausbau. Immer hieß es, es fehlten Plätze und Geld – doch bis 2025 soll es trotzdem einen Rechtsanspruch für alle Grundschulkinder geben. So will es die Große Koalition in Berlin. Wie das finanziell und räumlich erfüllt werden soll, wird die Kommunen in den kommenden Jahren stark beschäftigen. Selbst die Landesregierung „tappt in völliger Dunkelheit“, wie NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) warnt.

Dabei ist der Bedarf nach einem Ausbau der Ganztagsangebote gegeben, sagt Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW. Die Dortmunder Stadteltern bestätigen das. „Wir sind natürlich für Ausbau und Rechtsanspruch“, sagt Vorsitzende Anke Staar. „Die Frage ist nur, woher die Ressourcen kommen.“ Der Bedarf jedenfalls sei in Dortmund deutlich höher als das Angebot, wobei beides sehr ungleichmäßig verteilt sei.


550 neue OGS-Plätze in Dortmund

Im neuen Schuljahr stehen laut Verwaltung weitere 550 OGS-Plätze zur Verfügung. Insgesamt erhöht sich damit die Zahl auf 11.125. Stadtweit sind damit etwa 55 Prozent der Grundschüler im Ganztag untergebracht. „Wartelisten gibt es trotzdem noch an einzelnen Schulen in fast allen Stadtteilen“, so Stadtsprecherin Anke Widow.

Zu den Plänen der Regierung sagt Schuldezernentin Daniela Schneckenburger: „Ein Rechtsanspruch ist grundsätzlich zu begrüßen, weil er mehr Sicherheit für die Eltern bedeuten würde. Zur Umsetzung müssen jedoch die notwendigen Fragen geklärt werden: Der Bund muss den Rechtsanspruch mit der ausreichenden Finanzierung unterlegen. Die Ausgestaltung muss so sein, dass die Kommunen zur Umsetzung in die Lage versetzt werden, und es müssen Qualitätsstandards gesetzt werden.“

Schulministerin: Zwei Milliarden Euro werden nicht reichen

Zwei Milliarden will der Bund zur Verfügung stellen. Da seien viele Fragen offen, sagt Schulministerin Gebauer. Zudem sei unklar, ob der Rechtsanspruch Plätze im offenen oder gebundenen Ganztag garantieren solle. „Ich fürchte, dass am Ende, wenn all diese Fragen beantwortet sind, die angekündigten zwei Milliarden Euro bei Weitem nicht ausreichen werden“, sagt Gebauer.

Zuletzt hatte die Landesregierung die Förderung der Ganztagsschule zum kommenden Schuljahr erhöht – „landesseitig“ um 26,7 Millionen Euro auf 480,73 Millionen Euro. Die Zahl der Plätze in ganz NRW steige damit um 8000 auf 315.600 Plätze ab August.

Eltern rechnen mit höheren Beiträgen

Das Wort „landesseitig“ verrät es: Nur das Land erhöht die Förderung um 6 Prozent, jedoch ist das Land nur einer der Geldgeber. Den Rest der Kosten tragen die Kommunen, und die holen sich einen Teil über Beiträge von den Eltern wieder. „Wir rechnen mit einer Beitragserhöhung“, sagt Anke Staar.

Wobei die OGS nach Ansicht der Stadteltern eigentlich komplett kostenfrei sein müsste. Dezernentin Schneckenburger sieht den Bund in der Finanzierungsverantwortung. „Zum Thema Elternbeiträge lässt sich heute noch nichts sagen.“

Ganze Schule soll genutzt werden

Beim Raumbedarf sieht Anke Staar kein großes Problem. Die Ostenbergschule beispielsweise habe das vorbildlich gelöst. Sie verfüge nur über einen einzigen Betreuungsraum. „Die Schüler nutzen die Angebote in oder von ihren Klassenräumen aus.“ Wenn viele Kinder angemeldet sind, biete es sich an, die gesamte Schule zu nutzen.

Das sieht auch das „Dortmunder OGS Konzept“ vor. Derzeit untersucht der Fachbereich Schule die Grundschulen, um räumlichen Fehlbedarf zu ermitteln. In diesem Schuljahr wurden an 22 Schulen Begehungen durchgeführt, um durch kleinere Maßnahmen und Ausstattungen die Qualität zu steigern. Aktuell sind Erweiterungen der OGS-Bereiche an der Brechtener Grundschule und an der Holte-Grundschule in Lütgendortmund geplant. Nach den Sommerferien sollen die Erweiterungen bereitstehen. An der Erich-Kästner-Grundschule in Brackel soll das Dachgeschoss des Altbaus ausgebaut werden.

766 Euro Förderung pro Schüler

Die jährliche Förderung des Landes besteht aus zwei Säulen: einer Betreuungspauschale von 7500 Euro pro Schule im offenen Ganztag. Bei Förderschulen erhöht sich die Summe auf 8500 Euro. Weit größer ist die Fördersumme pro Kind – im aktuellen Schuljahr sind das 766 Euro pro Schüler oder 1529 Euro für Kinder mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung. Zusätzlich werden 0,2 Lehrerstellen pro 25 Schüler zugewiesen.

Dortmund erhält im aktuellen Schuljahr laut Bezirksregierung Arnsberg 13.206.280 Euro Förderung für die 86 OGS-Grundschulen mit insgesamt 10.570 Plätzen. Darin enthalten sind 1665 Plätze mit erweitertem Betreuungsbedarf und höherer Förderung. Der Fördertopf für weitere Bedarfe beschert der Stadt noch einmal 96.000 Euro im Programm „Schule von Acht bis Eins“.

Zusätzliche Millionen für die Sekundarstufe I

Für die Angebote in der Sekundarstufe I hat das Land über das Programm „Geld oder Stelle“ zusätzlich über 10,5 Millionen Euro bereitgestellt. Die Schulen können entscheiden, ob sie Lehrerstellen oder Geldmittel beantragen. Dortmund erhält aus diesem Topf aktuell 1.720.300 Euro.

Neben den zwei Milliarden Euro verspricht die Große Koalition, bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Flexibilität zu achten, bedarfsgerecht vorzugehen und die Vielfalt der bestehenden Betreuungsmöglichkeiten zu berücksichten. Die Kommune erwartet laut Stadt eine klare, gemeinsame Vereinbarung für Qualitätsstandards und ausreichende Planungs- und Umsetzungszeiträume.