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Obama präsentiert Biden: Partner für den Wandel

Washington (dpa) Unmittelbar vor dem Nominierungsparteitag der US-Demokraten haben Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und sein frisch gekürter Vize-Kandidat Joe Biden neuen Kampfesmut und Angriffsfreude demonstriert.

Obama präsentiert Biden: Partner für den Wandel

Barack Obama will zusammen mit Joseph Biden den Kampf ums Weiße Haus gewinnen.

Gemeinsam mit Biden werde er verhindern, dass mit dem Republikaner John McCain die «katastrophale Politik» von US-Präsident George W. Bush fortgesetzt werde, sagte Obama vor Zehntausenden jubelnden Anhängern in Springfield (US-Bundesstaat Illinois) am Samstag. «Das ist der Kämpfer, den ich an meiner Seite haben will», sagte der schwarze Senator über den 65 Jahre alten Senator aus dem kleinen Bundesstaat Delaware beim ersten Auftritt der beiden als Kandidaten-Gespann. Obama hatte in der Nacht zuvor seine Vize-Wahl bekanntgegeben. Der Parteitag der Demokraten beginnt an diesem Montag in Denver (US-Bundesstaat Colorado).

Auch Biden schoss sich auf McCain ein: «Diese Zeiten brauchen mehr als einen guten Soldaten. Sie brauchen einen weisen Führer, einen Führer der auch etwas leisten kann», meinte der Vize-Kandidat. McCain, ein hochdekorierter Veteran des Vietnamkrieges, habe «zu 95 Prozent die verfehlte Politik» Bushs mitgetragen. Der Senator aus Arizona verstehe nicht die Not einfacher Leute und deren besorgte Diskussionen am Küchentisch, sagte der 65-Jährige. «Der macht sich eher Sorgen, an welchem seiner sieben Küchentische er sitzen soll», erklärte Biden. McCain hatte unlängst eine Reporterfrage nicht beantworten können, wie viele Immobilien er besitzt.

Biden sei «ein Führer, der in der Lage ist, einzuspringen und Präsident zu sein», sagte Obama in Springfield, wo er vor 19 Monaten seine eigene Kandidatur bekanntgegeben hatte. Vor allem seine Biografie beweise, das sein Vize-Kandidat ein Mann von Charakter, Stärke und Durchsetzungsfähigkeit sei. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, habe er sein Stottern als Kind besiegt, den Unfalltod von Frau und Kind überwinden müssen, seine zwei Söhne zunächst allein großgezogen und einen lebensbedrohlichen Gehirntumor überstanden. Jahrzehntelang habe Biden «den Wechsel nach Washington gebracht, ohne dass Washington ihn verändert hat». Biden, der seit 1973 Delaware im Senat vertritt, sei «ein wirklicher Staatsmann mit starker Urteilskraft» und großer außenpolitischer Erfahrung.

Obama leistete sich bei der Präsentation seines «running mate» einen peinlichen Versprecher: «Hier stelle ich Euch den nächsten Präsidenten...», sagte Obama, als er Biden vorstellen wollte. Erst dann korrigierte er: «... den nächsten Vizepräsidenten der USA». Fast alle großen Fernsehanstalten übertrugen die Veranstaltung. Biden nannte Obama einmal versehentlich «Barack Amerika».

Obama hatte am frühen Morgen seine Entscheidung zugunsten Bidens seinen Anhängern per E-Mail und SMS bekanntgegeben. Der 65-Jährige ist für seine rhetorischen Fähigkeiten berühmt und gefürchtet. Der Vorsitzende des Auswärtigen Senatsausschusses ist ein gewiefter Wahlkämpfer. Zweimal, 1988 und in diesem Jahr, nahm er vergeblich Anlauf, selbst Kandidat seiner Partei für die Präsidentenwahl zu werden. Senatorin Hillary Clinton pries Biden in einer ersten Stellungnahme als einen «außergewöhnlich starken, erfahrenen Führer», der dem öffentlichen Wohl seit langem zutiefst verpflichtet sei.

Das Wahlkampflager McCains nutzte die Entscheidung für Biden zu einem neuen Angriff auf Obama. «Es gibt keinen schärferen Kritiker an Barack Obamas fehlender Erfahrung als Joe Biden», meinte der Sprecher McCains, Ben Porritt. Biden habe im Wahlkampf insbesondere Obamas außenpolitische Vorstellungen kritisiert, wie etwa einen zu überhasteten Abzug aus dem Irak. In Umfragen zur Präsidentenwahl am 4. November liegen Obama und McCain dichtauf. Der ursprüngliche Vorsprung Obamas ist in den vergangenen Wochen geschrumpft.

Zum Nominierungsparteitag der Demokraten in Denver werden an diesem Montag über 50 000 Gäste erwartet, darunter 15 000 Medienvertreter. Als Höhepunkt des viertägigen Ereignisses gilt der Donnerstagabend, wenn Obama vor 76 000 Anhängern im Football-Stadion der Stadt die Nominierung zum Kandidaten offiziell annehmen wird. An diesem 28. August hatte vor genau 45 Jahren der Bürgerrechtler Martin Luther King seine berühmte Rede «Ich habe einen Traum» über die Rassengleichheit in den USA gehalten.

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