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Ölpreise auf Talfahrt

New York/London/Wien (dpa) Die Furcht vor einer weltweiten Rezession hat die Ölpreise am Donnerstag erneut auf Talfahrt geschickt. Erstmals seit dreieinhalb Jahren wurde wieder die Marke von 50 Dollar unterschritten.

Ölpreise auf Talfahrt

Der US-Ölpreis ist vorübergehend unter die Marke von 50 Dollar gesunken.

Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Dezember-Auslieferung fiel im Nachmittagshandel zeitweise auf bis zu 49,91 Dollar. Dies ist der niedrigste Stand seit Mai 2005. Zuletzt stieg der WTI-Preis wieder etwas und notierte bei 50,63 Dollar. Das waren 2,99 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Im Juli hatte der Preis für US-Öl noch ein Rekordhoch von knapp unter 150 Dollar erreicht.

An der Rohstoffbörse in London gaben die Preise ebenfalls kräftig nach. Ein Fass der Nordseesorte Brent sank auf bis zu 48,20 Dollar. Auch hier wurde der niedrigste Preis seit Mai 2005 verzeichnet. Zuletzt kostete ein Barrel Brent mit 49,01 Dollar 2,70 Dollar weniger als am Vortag.

Allerdings erwarten Experten bereits in wenigen Jahren eine Verknappung des Rohstoffs, was steigende Preise zur Folge hätte. Die Erdölreserven seien im vergangenen Jahr erstmals trotz gestiegener Suchanstrengungen nicht weiter gewachsen, teilte die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover mit. Auch konnte die Erdölförderung erstmals seit 2003 nicht gesteigert werden und blieb unter Vorjahresniveau. «Erdöl wird der erste Energierohstoff sein, bei dem eine echte Verknappung durch die Endlichkeit der Ressource spürbar wird», erklärte BGR-Präsident Hans-Joachim Kümpel. Das schon lange prophezeite Maximum der Erdölförderung könne bereits 2020 erreicht sein.

Den aktuellen Preisrutsch führten Analysten vor allem auf enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA zurück. So waren die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe nach Zahlen vom Donnerstag in der abgelaufenen Woche auf den höchsten Stand seit 16 Jahren geklettert. Im aussagekräftigeren Vier-Wochen-Schnitt stieg die Zahl sogar auf den höchsten Wert seit 1983. Die Daten deuteten auf eine anhaltend schwache Entwicklung am US-Arbeitsmarkt und mithin eine sinkende Nachfrage nach Ölprodukten hin, hieß es.

Die jüngsten Daten zu den US-Ölreserven werten Fachleute ebenfalls als Hinweis für den Rückgang der Nachfrage nach Rohöl. In der größten Volkswirtschaft der Welt waren die Lagerbestände an Rohöl und Benzin zuletzt gestiegen. Hinzu kämen die Probleme der Autoindustrie.

Vor dem Hintergrund der rasanten Talfahrt am Ölmarkt verdichten sich die Hinweise auf eine weitere Kürzung der Fördermenge durch die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC). Der amtierende OPEC- Präsident Chakib Khelil hatte zuletzt gesagt, dass die Mitgliedsstaaten des Kartells keine andere Wahl hätten, als weitere Fördermengenkürzungen umzusetzen. Nur so könne der Ölpreis künftig in der Spanne zwischen 70 und 90 Dollar pro Barrel gehalten werden. Für DekaBank-Rohstoffexpertin Dora Borbély ist eine offizielle Quotendrosselung bis Ende des Jahres um insgesamt zwei Millionen Barrel pro Tag «durchaus realistisch».

Auch der Preis für OPEC-Rohöl ist weiter gesunken. Ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells habe am Mittwoch 45,89 Dollar gekostet, teilte das OPEC-Sekretariat am Donnerstag in Wien mit. Das waren 0,66 Dollar weniger als am Dienstag. Die OPEC berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten der Mitgliedsländer.

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