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Darum finden sich immer weniger Pflegefamilien

Kinderschicksale im Kreis Coesfeld

In ihren Familien herrschte Gewalt, manchmal waren sie einfach nur unerwünscht: Manche Kinder im Kreis Coesfeld erleben traurige Schicksale - und finden in Pflegefamilien ein neues Zuhause. Doch die zu finden, wird immer schwieriger.

OLFEN

, 03.05.2015

Um für Kinder eine Dauerpflegefamilie zu finden, arbeitet der Kreis mit Einrichtungen wie der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland zusammen. „Die Suche nach geeigneten Pflegefamilien ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden“, sagt Rosali Witthake. „Die Lebensentwürfe haben sich geändert.“ Viele Frauen seien heute bei der ersten Schwangerschaft älter als noch vor einigen Jahren. Noch ein Pflegekind in die Familie aufzunehmen, kommt für viele dann nicht mehr infrage. 

Andere Lebensentwürfe

Zudem würden viele nach einer oft kurzen Familienphase in den Beruf zurückzukehren. „Wir haben im Kreis Coesfeld die höchste U3-Nachfrage in NRW“, ergänzt Johanna Dülker vom Kreis. Zeit für ein Pflegekind bleibt da nicht. Nach Einschätzung der Evangelischen Jugendhilfe halten aber auch die gewachsene Zahl von Trennungen oder wirtschaftliche Gründe (Arbeitslosigkeit) Menschen davon ab, ein Pflegekind aufzunehmen. Um dennoch Pflegeeltern zu finden, ist nach übereinstimmender Meinung von Jugendhilfe und Kreisjugendamt eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit wichtig.

Aus vielen Gesprächen weiß Rosali Witthake allerdings, dass interessierte Paare oder auch Alleinerziehende meist konkrete Vorstellungen haben. „In den meisten Fällen möchten potenzielle Pflegeeltern ein sehr junges Kind aufnehmen.“ Bei aller Begeisterung würden viele potenzielle Pflegefamilien zunächst nicht daran denken, dass sie sich mit einem Pflegekind ein Stück weit öffentlich machen.

Besuch in Familien

„Mindestens einmal im Monat kommen wir in die Familien“, sagt Martina Gehring. In den Gesprächen gehe es um Fragen wie Umgangskontakte mit leiblichen Eltern, um die Integration des Pflegekindes in der neuen Familie und viele Details mehr. Damit werde das engste Familienleben aktenkundig und somit auch ein Stück weit öffentlich – ohne an irgendeiner Stelle veröffentlicht zu werden.

Neben der umfassenden und auch zeitintensiven Vorbereitung, den späteren Besuchen und Gesprächen gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt, den Pflegeeltern zu beachten haben. Pflegekinder sind in der Regel gerade in den ersten Wochen und Monaten sehr angepasst, freuen sich über die neu gefundene Ordnung und ein Leben ohne Gewalt. „Wenn sie sich sicherer und angekommen fühlen, werden sie plötzlich aufsässig und renitent“, sagt Rosali Witthake.

Negative Erfahrungen der Kinder

Zu erklären sei dieses Verhalten mit den vielfältigen negativen Erfahrungen der Kinder. „Das geben sie an die Pflegeeltern weiter“, erklärt die Fachfrau das „Übertragungsphänomen“. Evangelische Jugendhilfe und Kreisjugendamt stellen deshalb die große Leistung von Pflegeeltern heraus. Bedeutet sie für die Kinder eine neue Perspektive nach einer nicht selten sehr langer Leidenszeit. 

Pflegekinder und Familien im Kreis Coesfeld
34 Kinder und Jugendliche musste der Kreis Coesfeld im vergangenen Jahr in Obhut nehmen.
Die überwiegende Zahl (30) fand eine vorübergehende Heimat im Kinderheim Dülmen oder im Martinistift Nottuln. Vier Kinder brachte der Kreis bei Bereitschaftspflegefamilien unter.

Bevor ein Kind in eine Pflegefamilie geht, gibt es intensive Gespräche der Träger wie der Evangelischen Jugendhilfe mit den potenziellen Pflegeeltern. Damit soll insbesondere ein weiterer Abbruch für das Kind verhindert werden.
Im Kreis Coesfeld gibt es auch Bereitschaftspflegefamilien, die spontan ein Pflegekind bei sich aufnehmen.

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