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Das Leben der letzten jüdischen Familie Olfens

Vor 120 Jahren wurde Olfens vielleicht bedeutendster Sohn geboren - in seiner Heimat ist er aber weitgehend in Vergessenheit geraten. Dr. Albert Simons war Arzt und einer der anerkanntesten Krebsforscher seiner Zeit. Außerdem war seine Familie die letzte jüdische Familie, die Olfen verließ. Unsere Bilder erzählen die Lebensstationen der Familie Simons.
11.11.2014
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Im 19. Jahrhundert gab es in Olfen eine große jüdische Gemeinde. Weil viele von ihnen als Kaufleute tätig waren und ihre Geschäfte vergrößern wollten, zogen sie im 20. Jahrhundert nach und nach weg. Die letzte noch verbliebene Familie waren Aaron und Therese Simons. Ihre beiden Söhne, Albert (geboren 1894) und Erich (geboren 1896), wurden beide in Olfen geboren und gingen auch hier zur Schule. Albert wurde Arzt, Erich Rechtsanwalt und Notar. Der Familie gehörten unter anderem das Haus am Markt, in dem sich die Parfümerie Dömer (früher Worms) befindet, und das Haus nebenan, in dem sich heute die Eisdiele befindet. Seit 1816 waren die Häuser im Besitz der Familie.© Foto: Theo Wolters
Im Jahr 1928 zog die Familie Simons von Olfen nach Münster. Sie wohnten in der Nähe des Prinzipalmarkts. Der Vater starb dort 1933. Im selben Jahr gelangten die Nazis an die Macht und untersagten es Erich Simons, weiter als Notar zu arbeiten.© Archivfoto: Heiner Witte
Albert Simons hatte nach der Schule - unter anderem die Rektoratsschule in Olfen (Foto) - Medizin in Heidelberg studiert.© Foto: Geschichte der Juden in Olfen / Lit-Verlag
Schon während seines Studiums büßte Albert Simons seine Hörfähigkeit immer mehr ein, als junger Arzt zog er sich eine Infektion zu. Die Folge war, dass er den Mittelfinger der rechten Hand verlor und komplett taub wurde. In der Folge widmete er sich der Strahlen- und Krebsforschung.© Foto: Geschichte der Juden in Olfen / Lit-Verlag
Albert Simons wurde Assistenzarzt an der renommierten Berliner Charité in der Röntgenabteilung des Krebsforschungsinstitutes. Er machte sich international einen Namen. 1929 habilitierte Simons an der Universität Berlin, erwarb also den Professorentitel. Die Machtübernahme der Nazis am 30. Januar 1933 bedeutete für den jüdischen Arzt einen harten Schnitt. Albert Simons verlor seine Stellung an der Uni und am Krankenhaus.© Foto: dpa
1938 entschloss er sich, nach Palästina - ins heutige Israel - auszuwandern. Trotz seiner Taubheit lernte Simons schnell die hebräische Sprache. Er arbeitete im Krankenhaus in Tel Aviv (Foto) und wurde zum Professor der hebräischen Universität ernannt. Seine Forschungen, mit denen er die Strahlenforschung voran brachte, kosteten ihn letztlich das Leben: Ständig den radioaktiven Strahlen ausgesetzt, erkrankte Simons selbst an Krebs und starb schließlich am 5. Dezember 1955 im Alter von 59 Jahren in Tel Aviv. Im New Yorker Nachruf heißt es: "Sehr schnell gelang es ihm in Tel Aviv, das Vertrauen der Kollegen zu erwerben und seinen Namen weit über die Grenzen des Landes bekannt zu machen."© Foto: dpa
Alberts Familie überlebte den NS-Terror nicht. Im Mai 1943 wurden seine Mutter, sein jüngerer Bruder Erich und dessen Kinder in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo Therese zwei Monate später starb. Das Foto zeigt Überlebende des Konzentrationslagers Theresienstadt.© Foto: dpa
Im September 1944 wurden Erich Simons und seine Familie ins Vernichtungslager Auschwitz verlegt.© Foto: dpa
Erich, seine Ehefrau Elfriede und die erst elf Jahre alte Tochter Lore (l.) wurden sofort vergast. Ihr 18-jähriger Sohn Ernst (r.) wurde zunächst zum Arbeitseinsatz bestimmt. Als die Rote Armee sich im Januar 1945 dem KZ näherte, schickten die Nazis ihn auf einen Todesmarsch nach Dachau. Den überlebte er, wurde aber nach der Ankunft am 9. Januar 1945 ermordet.© Foto: Geschichte der Juden in Olfen / Lit-Verlag
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