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Das sagen Olfens neue Feuerwehr-Chefs

Im Doppel-Interview

Thomas Michels und Markus Pöter - so heißen die beiden neuen Chefs der Freiwilligen Feuerwehr Olfen. In einem großen Doppel-Interview haben wir erfahren, welche Ziele die beiden Stadtbrandinspektoren haben, wie es mit dem Nachwuchs weitergeht und wie die Zusammenarbeit mit der Stadt funktioniert.

OLFEN

, 11.01.2017
Das sagen Olfens neue Feuerwehr-Chefs

Thomas Michels (58, r.), neuer Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Olfen, und sein Stellvertreter Markus Pöter (39) setzen auf demokratische Strukturen.

Thomas Michels (58) und Markus Pöter (39) bilden die neue Führung der Freiwilligen Feuerwehr Olfen. Beide sind seit rund 20 Jahren in führender Tätigkeit bei der Feuerwehr. Michels ist als Nachfolger von Franz Hüning neuer Leiter der Feuerwehr und Pöter der stellvertretende Leiter.

 

Die beiden Stadtbrandinspektoren über...

...mögliche Nachwuchsprobleme der Olfener Feuerwehr

...die Strukturen der Olfener Feuerwehr

...Veränderungen am Arbeitsplatz eines Feuerwehrmannes

...die Zusammenarbeit mit der Stadt Olfen

...die Zukunft der Olfener Feuerwehr

 

Was hat Sie beide einst bewogen, in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten?

Michels: Das hatte eine technische Komponente. Mich hat die Technik, die die Feuerwehr hat, interessiert. Gereizt hat mich auch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Und die Vielfalt an Herausforderungen, mit denen man konfrontiert wird.Pöter: Mein Vater war auch schon in der Feuerwehr. Das Thema Feuerwehr hat mich immer schon fasziniert. Über die Aktivitäten wird man dann auch an die Feuerwehr gebunden.

 

Wie viele Menschen sind in der Freiwilligen Feuerwehr?

Michels: Wenn wir die Ehrenabteilung mitzählen, sind wir in Olfen und Vinnum 120 Leute.

 

Hat die Feuerwehr Olfen Nachwuchsprobleme?

Michels: Nein. Der Schlüssel, um sicherzustellen, dass die Feuerwehr auch zahlenmäßig stark ist, geht nur über eine attraktive und aktive Jugendfeuerwehr. Nur darüber sind wir in der Lage, den Stand zu halten. Das ist eine unserer Hauptaufgaben.

 

Wie wollen Sie das schaffen?

Michels: Das geht heutzutage nicht mehr über gemeinsame Spielabende. Das Alternativfreizeitangebot, das Jugendliche haben, ist immens groß. Da kommt dann bei uns der Teamgedanke zum Tragen. Dazu gehört, dass man zum Teil seinen Urlaub investiert, um Freizeiten mit den Jugendlichen zu machen. Da gehören Ausflüge zu Zielen, die ziehen.Pöter: Das will auch vorbereitet sein. Für jede Stunde Dienstabend muss man vorher zwei Stunden Vorbereitung einplanen.

 

Aufgaben zu delegieren ist dabei wohl wichtig ...

Pöter: Das ist eine der Hauptaufgaben (lächelt).Michels: Wenn wir das Team definieren, dann besteht das Team aus der Stadtverwaltung mit dem Bürgermeister, aus dem Rat der Stadt, aus den Abteilungen der Feuerwehr mit Gerätewarten und so weiter. Unsere Aufgabe ist zwischen den einzelnen Bereichen die Kommunikation und Information sicherzustellen.

 

Das klingt alles nach basisdemokratischen Strukturen. Können Sie als neues Führungsduo auf gewachsenen Strukturen aufbauen?

Michels: Ja. Früher konnte vielleicht eine Einzelperson eine Feuerwehr führen. Aber die Vielfalt der Aufgaben und Gesetzesvorlagen ist nur noch im Team zu bewältigen.

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Weil Sie berufstätig sind ...

Michels: Ich bin Kraftfahrzeugmeister.Pöter: Ich bin Sachverständiger für Brandschutz.Michels: Wir haben beide den Vorteil, dass wir selbstständig und von da her in der Lage sind, uns unsere Zeit einteilen zu können. Gleichwohl wären wir jeweils nicht in der Lage, die Feuerwehr Olfen alleine zu führen. Wir müssen uns auf so wichtige Leute wie den Gerätewart und den Jugendwart verlassen können und auch darauf verlassen können, dass uns ein Teil der Bürotätigkeit vom Ordnungsamt abgenommen wird.

 

Die Übernahme der Aufgabe der Wehrführung ist ja wahrscheinlich von langer Hand vorbereitet gewesen. Gab es einen Punkt, an dem Sie gesagt haben „Das mache ich nicht“?

Michels und Pöter (unisono): Nein.

 

Lag es daran, dass Sie wussten, dass Sie sich auf Ihre Truppe verlassen können?

Michels: Wenn man in der Feuerwehr Vertrauen zueinander hat und auf der politischen Ebene die Zusammenarbeit deutlich erkennbar ist, dann macht das Spaß.

 

Das ist eine Ausgangsposition, die besser nicht sein kann, oder?

Pöter: Ja, jetzt müssen wir was daraus machen.

 

Wo wird Ihre Handschrift erkennbar sein?

Pöter: Wir versuchen, alle mitzunehmen. Das hat im Zweifel der Feuerwehrmannanwärter im Sinne der Basisdemokratie genau so viel zu sagen wie der Hauptbrandmeister. Man soll nicht als kleines Licht untergehen. Hier will sich auch der Feuermannanwärter verstanden fühlen. Das ist auch der Schlüssel dafür, dass hier so viele junge Leute sind. Wir wollen auch dazu beitragen, dass die, die da sind, auch bleiben. Das Schlimmste wäre, wenn wir zehn Jahre lang jemanden ausbilden, der dann alle Lehrgänge hat und dann sagt: Ich gehe.

Haben Sie als Wehrführung eigentlich die Chance, Talente zu sehen, zu entdecken und zu fördern?

Michels: Wir kennen schon noch jeden Einzelnen persönlich und können dessen Befähigung und Engagement für die Feuerwehr einschätzen.

 

Der Arbeitsplatz eines Feuerwehrmannes hat sich in den letzten Jahren verändert ...

Michels: Früher war die Anforderung, dass er alles können muss. Jetzt tendiert man zu Spezialisierungen. Stichwort: ABC-Züge, Information und Kommunikation. Jetzt gerade ändert sich die gesamte Fahrzeugtechnik, weil altersbedingt Fahrzeuge erneuert werden müssen. Die gesamte Kommunikationstechnik ändert sich von Analogfunk auf Digitalfunk. Klar: Jeder Einzelne hat ein Basiswissen. Aber zunehmend greifen auch Spezialausbildungen, die bei entsprechenden Einsätzen auch notwendig sind.

 

Sie haben es gerade angedeutet, dass sich vieles ändert. Wie ist denn die Freiwillige Feuerwehr Olfen fahrzeugmäßig ausgestattet?

Michels: Wir erfüllen nicht nur ein Mindestmaß, sondern haben guten Durchschnitt.

 

Wird das auch in Zukunft so sein? Gibt die Politik das Geld dafür?

Michels: Da ist die Zusammenarbeit mit der Stadt fruchtbar. Verwaltung und Rat prüfen, ob unsere Anliegen berechtigt sind. In der Regel können wir das, was wir vorhaben, auch umsetzen. Vielleicht nicht sofort, aber dann vielleicht im nächsten Jahr.Pöter: Wir mussten natürlich auch lernen, dass Ausschreibungsverfahren notwendig sind und dass vom Vorhaben, ein Fahrzeug zu beschaffen, bis zum Zeitpunkt, wo es auf dem Hof steht, eine gewisse Zeit vergeht.

Wie ist denn das Verhältnis zwischen Feuerwehr und Bürgern?

Pöter: Das hat sich die Erwartungshaltung gegenüber der Feuerwehr ein Stück weit erhöht. Man betrachtet das mehr als Dienstleistung, statt es als Hilfe von Bürgern für Bürger zu betrachten. Manchmal ist es schlichtweg auch Unwissen, dass man es mit einer Freiwilligen Feuerwehr zu tun hat, die nachts um 3 Uhr aufgestanden ist, um den Keller leer zu pumpen, und morgens wieder arbeiten geht.

 

Zählen Sie doch mal auf, was die Freiwillige Feuerwehr Olfen alles zu tun hat.

Michels: Im Umweltschutz, indem wir in Gewässern ausgelaufenes Öl abtrennen. Im klassischen Brandschutz. In technischen Hilfeleistungen. Das fängt beim Türen aufmachen in Wohnungen mit hilflosen Personen für den Rettungsdienst an und hört beim Verkehrsunfall auf. Und auch bei den First Respondern (Ersthelfer, die den Rettungsdienst unterstützen, Anm. d. Red.). Nicht zu vergessen: Wir unterstützen andere Vereine. Zum Beispiel den Kitt beim Karnevalsumzug oder durch die Begleitung des Martinszuges. Olfen stellt auch Kräfte ab, wenn überörtliche Hilfe, etwa an der Elbe, nötig ist.

 

Die Freiwillige Feuerwehr Olfen ist im Kreis Coesfeld Teil eines großen Ganzen ...

Michels: Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Feuerwehren des Kreises Coesfeld ist einwandfrei und absolut kollegial.

 

Das Feuerwehrgerätehaus in Olfen ist funktional und aus Laiensicht gut ausgestattet. In Vinnum besteht aber Bedarf. Die Politik stellt 700.000 Euro für das Feuerwehrgerätehaus Vinnum zur Verfügung ...

Michels: Für einen Neubau an anderer Stelle. Im Moment wird das Gebäude auch zum Teil von anderen Vereinen genutzt. Man hat Umbau und Modernisierung auf der einen und Neubau auf der anderen Seite geprüft. Mit dem Neubau ist man für die Zukunft offen. Es wird ein funktionaler Bau, wo Aufenthaltsräume und die Fahrzeuge untergebracht sind. Das ist nach unserer Einschätzung der richtige Weg.

 

Alles zusammengenommen, scheint die Freiwillige Feuerwehr Olfen gut für die Zukunft gerüstet zu sein.

Michels: Unter der Prämisse, dass es uns gelingt, die Jugendfeuerwehr weiter am Laufen zu halten, ja.Pöter: Natürlich haben wir das Ziel, das Ganze auch weiterzuentwickeln. Wir arbeiten derzeit im Feuerwehrhaus Olfen an einem Führungsraum, um bei größeren Ereignissen wie Unwettern oder ähnlichen Lagen, mit Führungskräften von außen einen Stab bilden zu können und schnell handlungsfähig zu sein.