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Feuerwehr im Großeinsatz

Übung

Es ist halb acht am Donnerstagabend. Neben der Schützenhalle kippt ein Baugerüst um, es schlägt ein Leck in einen Tanklastwagen. Giftige, ätzende Flüssigkeit strömt unaufhaltsam aus dem Behälter. Zum Glück: In Wirklichkeit ist es nur Wasser. Und das Szenario eine Übung.

OLFEN

von Von Edith Möller

, 15.10.2010
Feuerwehr im Großeinsatz

Für den Einsatz bereit: Eine Schutzmaske ist Pflicht.

Die Feuerwehren aus Olfen, Vinnum und Lüdinghausen sowie das DRK Lüdinghausen sind alarmiert und treffen nur wenige Minuten später am Einsatzort auf dem Gelände der Olfener Schützenhalle ein. Der Übungswagen für Gefahrenstoffe stellt die Feuerwehr Selm. Die Blaulichter der zwölf Fahrzeuge blitzen in der Dämmerung. Menschen liegen um den Tanklastwagen herum, zuerst unklar, wie viele. Doch die Feuerwehrleute dürfen sich den Verletzten nicht ohne Schutzkleidung nähern. Zunächst aus sicherer Entfernung agieren sie Hand in Hand – ohne Schutzanzug sind 50 Meter Abstand vorgeschrieben. Was für den Laien chaotisch aussieht, ist strategisch durchdachte Zusammenarbeit. Knapp 60 Leute wimmeln umher, jeder hat zu tun. Bei Einsatzleiter Markus Pöter fließen alle Informationen zusammen. Er kommuniziert mit Hauptbrandmeister Dirk Riches aus Lüdinghausen und den drei Abschnittsleitern Gefahrenabwehr, Dekontamination und DRK-Rettungsdienst.   Einige Kameraden zwängen sich in ihre Schutzanzüge, einer hilft dem anderen. Schon das Anziehen kostet Kraft, die Anstrengung ist deutlich in den Gesichtern zu lesen.

Kurze Zeit später ist der erste Kamerad vollständig in seinem grünen Schutzanzug „verpackt“ und rettet den ersten Verletzten aus der Gefahr. Jedes der vier Opfer durchläuft den "schwarzen" und "weißen" Bereich: zwei Säuberungsbereiche, in denen sie zuerst mit Wasser und anschließend mit Seifenlauge gereinigt werden. Gleichzeitig sperren andere Helfer das ganze Gebiet ab, damit keine Unbefugten das gefährliche Gelände betreten. Dann taucht völlig verstört der 15-jährige Sören auf, der ein Opfer mimt. Immer wieder ruft er: "Da sind noch zwei, da hinten." Feuerwehrkameraden eilen zu ihnen und werden von den Ersthelfern versorgt – wie auch Sören, der unter Schock steht. Zwei weitere Kameraden, von der Lüdinghauser Feuerwehr, haben sich in grüne Schutzkleidung gezwängt, in die sie ohne Hilfe nicht alleine rein und auch nicht heraus kämen. Sie haben nur eine halbe Stunde Sauerstoff und können bis zu zwei Liter Wasser in dieser Zeit verlieren.

Die Kleidung macht Stress, doch die Konzentration liegt bei dem Leck. Einer versucht, Holzkeile in unterschiedlichen Größen in das Leck zu pressen – erfolglos. In 50 Metern Entfernung suchen Kameraden über das Internet und in Büchern fieberhaft nach dem gefährlichen Stoff. Ein anderes Werkzeug muss her: Ein Spezialkissen, das aussieht wie ein übergroßes Pflaster, schnallen die Feuerwehrmänner um den Tank, das Pflaster direkt aufs Leck, aus dem noch immer Flüssigkeit spritzt. Druckluft wird in das Kissen gepumpt. Es bläst sich auf, nach und nach wird der Strahl aus dem Leck kleiner, bis nur noch einige Tropfen am Lack herunterrinnen. Normalerweise würde nun auch der vorbeugende Schutz für Unfall und Gewässer beginnen. Markus Pöter ist zufrieden mit dem Einsatz. "Das Ziel war die Zusammenarbeit. Wir legen Wert darauf, dass die Zahnräder ineinander greifen", sagt Pöter. An diesem Abend, zur Übung, hat das gut geklappt. 

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