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Immer ein offenes Ohr

OLFEN Seit anderthalb Jahren führt die Diplomsozialarbeiterin und Sozialpädagogin Silvia Saunus die Sozialberatung im evangelischen Gemeindehaus durch. Matthias Münch sprach mit ihr darüber.

19.12.2007
Immer ein offenes Ohr

Seit anderthalb Jahren bietet Silvia Saunus ihre Sprechstunde an.

Frau Saunus, wer kommt zu Ihnen in die Sprechstunde?

Saunus: Menschen mit den unterschiedlichsten Sorgen, in unterschiedlichsten Lebenslagen und Altersgruppen. Während in der ersten Zeit die meisten kamen, weil sie arbeitslos waren und Hilfe bei der Beantragung von Leistungen oder der Formulierung von Bewerbungen benötigten, haben sich die Inhalte im Laufe des letzten Jahres verändert.

Die hauptsächlichen Themen sind immer noch Arbeitslosigkeit mit ihren materiellen und seelischen Folgen, zunehmend Trennung oder Scheidung vom Partner, der Umgang mit den Entwicklungsphasen und Problemen von Kindern und Heranwachsenden, Möglichkeiten der Unterstützung bei der Ausbildung oder Lehrstellensuche und immer mehr Schwerbehinderung oder chronische Erkrankung.

Welche sind die häufigsten Probleme, mit denen Sie konfrontiert werden?

Saunus: Ich sehe eine zunehmende Vereinsamung von Menschen, nicht nur von denen, die allein leben. Je kleiner der Ort ist, in dem sie leben, umso größer ist die Scheu, über Probleme zu reden. Die Arbeitslosigkeit und der Zerfall familiärer Strukturen führen zu veränderten Lebenssituationen. Kirche und Diakonie bieten hier die Chance, Gemeinschaft zu finden, auch über Probleme zu reden und vielleicht sogar Lösungen zu finden.

Wie können Sie den Menschen helfen?

Saunus: Oft kann ich ganz konkret helfen, indem ich die Menschen beim Ausfüllen eines amtlichen Formulars oder eines Briefes an eine Behörde unterstütze. Manchmal hilft es, zu zu hören und zu schauen, welche weiteren Schritte in einer bestimmten Situation notwendig sind. In vielen Fällen reicht meine Zeit natürlich nicht für ein ganzheitliches Beratungsverhältnis, aber ich kann empfehlen, welche Beratungsdienste konkret weiter helfen.

Dazu ein Beispiel, kein Fall aus Olfen: Eine Frau kommt zu mir in die Sprechstunde und ist erschüttert, weil sie von ihrem Mann verlassen wurde.

Die Eheleute hatten in der Vergangenheit einen Kredit aufgenommen, um ein Auto zu finanzieren. Die ehemalige Wohnung der Eheleute ist für die Frau mit den Kindern zu teuer, da sie nur einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht.

Ich rate der Frau zu anwaltlicher Hilfe, um vorrangig die Unterhaltsansprüche der Kinder und der Frau durchzusetzen. Für die erste Zeit der Trennung kann sie Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt und auch Leistungen der Hilfe zum Lebensunterhalt für Arbeitssuchende beantragen.

Falls beide Eheleute nicht mehr in der Lage sind, den gemeinsamen Kredit abzuzahlen, sollte die Frau auch die Schuldnerberatung aufsuchen.

Oft leiden die Kinder in dieser Situation unter der Trennung vom Vater und erleben eine mit der Situation stark geforderte Mutter. Kinder neigen dazu, sich die Schuld an der Trennung der Eltern zu geben. Oft ist hier die Unterstützung durch eine kurzzeitige Erziehungsberatung hilfreich.

Reichen die zwei Stunden, in denen Sie donnerstags in Olfen sind, überhaupt aus?

Saunus: Ich muss mich hier sehr oft begrenzen und viele Menschen an weitere Beratungsstellen in Lüdinghausen oder Dülmen verweisen. Oft bleibe ich auch etwas länger. Aber in den meisten Fällen kann ich erst einmal die Menschen in der Notlage auffangen. Gerade beim Eintritt einer unerwarteten Situation, wie einem Autounfall, der den Ernährer der Familie plötzlich zum Erwerbsunfähigkeitsrentner macht, sind Menschen mit der Lage überfordert. Ich weise auch auf die Unterstützung des Offenen Ohrs in Olfen hin, z.B. wenn ganz konkrete Alltagshilfen nötig sind.

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