Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Nach Sensationsfund fehlt das Geld für Grabungen

Zwangspause am Olfener Römerlager

Ein Römerlager in Olfen – als sich dieser Verdacht 2011 endgültig bestätigte, war die Fachwelt wie elektrisiert. Archäologen sprachen von einem Sensationsfund, der die Forschung noch Jahrzehnte beschäftigen würde. Die Realität sieht allerdings anders aus: Die Arbeiten in Olfen ruhen, historische Funde drohen verloren zu gehen.

OLFEN

, 06.12.2014

Nach dem rund 2000 Jahre alten Lager hatten Archäologen mehr als 100 Jahre gesucht. Schon Ende des 19. Jahrhunderts war in der Lippe in Olfen ein römischer Bronzehelm gefunden worden. Seitdem forschten die Archäologen zunächst vergebens nach weiteren Hinweisen für ein Römerlager auf Olfener Stadtgebiet.

Erst vor rund fünf Jahren kommt Bewegung in die Sache: Ehrenamtliche Mitarbeiter des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), der in der Region für alle Belange der archäologischen Denkmalpflege verantwortlich ist, finden Kupfermünzen auf einem Acker in der Olfener Bauerschaft Sülsen. Was als vager Verdacht beginnt, wird schließlich zur Gewissheit: Es handelt sich tatsächlich um ein römisches Militärlager. Die Archäologen können den Spitzgraben, der die Anlage umgab, ebenso nachweisen wie die Fundamentspuren einer Holz-Erde-Mauer.Jungfräuliches Denkmal Als der LWL 2011 mit dem Fund an die Öffentlichkeit geht, spricht der damalige Direktor Wolfgang Kirsch von einem „Sensationsfund für die Römerforschung in Westfalen“. Die Erforschung des Lagers werde wahrscheinlich einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen, hieß es damals. „Wir wollen dieses jungfräuliche Denkmal mit aller Sanftmut betrachten“, sagt auch LWL-Chefarchäologe Michael Rind.

Von diesem Elan ist heute nicht mehr viel geblieben: Seit den ersten Grabungen in 2011 ruhen die Arbeiten am Römerlager. Die einstmals ausgehobene Grube – der „Probeschnitt“ – ist zugeschüttet und der Acker längst wieder für die Landwirtschaft freigegeben: Es wird gesät und geerntet, mit Traktoren, Häckslern und Düngemitteln.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Römer in Olfen

Erste Ausgrabungen im August haben es angedeutet, jetzt steht es fest: Die Römer waren in Olfen. RN-Fotograph Oskar Neubauer hat schon im August Luftaufnahmen von den Grabungsarbeiten gemacht.
21.10.2011
/
Auf diesem Gelände in Olfen an der Lippe haben die Wissenschaftler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zwingende Hinweise auf ein römisches Militärlager gefunden. Das Foto hat der Luftbildarchäologe Bao Song von der Ruhr-Universität Bochum aufgenommen. LWL-Pressesprecher Frank Tafertshofer hat es unserer Zeitung zur Verfügung gestellt.© Foto: privat
In Sülsen hat es die spektakulären Funde gegeben. © Oskar Neubauer
RN-Fotograph Oskar Neubauer hat schon im August die Probegrabungen aus der Luft beobachtet. © Oskar Neubauer
Hier sind die Römer gewesen. © Oskar Neubauer
Luftaufnahme von den Probegrabungen im August.© Oskar Neubauer
RN-Fotograph Oskar Neubauer hat schon im August die Probegrabungen aus der Luft beobachtet. © Oskar Neubauer
Luftaufnahme von den Probegrabungen im August.© Oskar Neubauer
Fotograf Oskar Neubauer hat schon im August die Probegrabungen aus der Luft beobachtet. © Foto: Oskar Neubauer
Schlagworte Olfen

Dr. Bettina Tremmel ist wissenschaftliche Referentin beim LWL und für die Römerlager in der Region zuständig. Sie bestätigt die schwierige Situation in Olfen. „Keramik kann durch die landwirtschaftlichen Maschinen zerstört, Metallgegenstände durch die Düngemittel angegriffen werden“, sagt die Wissenschaftlerin.

Die Überreste des römischen Lagers leiden in der Erde – und trotzdem herrscht Stillstand in Olfen. „Für das Projekt sind momentan einfach keine Kapazitäten da“, begründet Tremmel die Forschungspause. Wolle man die fünf Hektar große Fläche untersuchen, würde das mindestens einen sechsstelligen Betrag kosten. „Das ist finanziell nicht machbar – und personell auch nicht.“

Tremmels Referat ist klein: Nur ein Grabungsleiter arbeitet noch mit ihr zusammen, seit zwei Jahren sind die beiden komplett in Haltern am See beim neuen Römerpark Aliso eingespannt. Früher hätte es vielleicht einmal mehr Spielraum gegeben, sagt Tremmel – vor 15 Jahren sei man im Referat noch zu sechst gewesen.

Doch die Zeiten sind vorbei: Archäologische Projekte zu finanzieren, wird für den LWL immer schwieriger. Die Zuschüsse des Landes sinken seit Jahren. Anfang der 90er-Jahre zahlte die Landesregierung noch etwa fünf Millionen Euro für die Archäologie in NRW. 2012 waren es nur noch knapp drei Millionen Euro, 2014 noch einmal ein Drittel weniger. Im Oktober dieses Jahres fielen versprochene Gelder durch die NRW-Haushaltssperre dann sogar ganz weg. „Das ist dramatisch für Projekte wie das Römerlager“, sagt Dr. Frank Siegmund, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, die sich für die Archäologie in Deutschland einsetzt.

Zwar würden der LWL beziehungsweise die in der Region liegenden Kreise und Städte etwa 90 Prozent des Gesamtbudgets für Archäologie selbst stellen, besondere Vorhaben wie die Erforschung des Römerlagers in Olfen jedoch lebten genau von den zehn Prozent, die bisher vom Land kamen.

„Die Archäologie in NRW ist weit unterfinanziert“, lautet Siegmunds Fazit. Das würde sich auch bei der Zahl der hier beschäftigten Archäologen bemerkbar machen: Siegmund errechnete für NRW knapp 4,9 Archäologen pro 100  000 Erwerbstätige – ein Wert, der deutlich unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt von etwa 6,7 Archäologen liegt und um den Faktor drei unter dem europäischen Durchschnitt.

Nullrunde abgewendet Für 2015 hatte die Landesregierung sogar eine Nullrunde für das Denkmalförderprogramm des LWL angekündigt. Öffentlicher Protest regte sich. Dem sei es laut Siegmund zu verdanken, dass es nun doch danach aussieht, als würden nächstes Jahr wieder etwas mehr Landesmittel für Archäologie an den LWL fließen. „Aber schwarz auf weiß haben wir die Zusage noch nicht.“ Und selbst dann sei mehr als fraglich, ob das Olfener Römerlager davon profitiere.

Auch LWL-Archäologin Dr. Bettina Tremmel hält sich mit allzu großen Hoffnungen zurück. Sie wünscht sich zwar, dass die Arbeiten in Olfen vielleicht doch irgendwann noch möglich werden. Konkrete Planungen gebe es dazu derzeit jedoch nicht.Auf dieser Karte haben wir die bisher bekannten Standorte von Römerlagern eingetragen. Mit einem Klick auf das jeweilige Fähnchen erhalten Sie weitere Informationen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt