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Für die Post ein super Geschäft - für die Stadt ein Problem

Mehr Personal für Post in Olfen?

Das hat Seltenheitswert: In Olfen ist kein Einzelhändler Partner der Post, sondern die Stadt. Gegen die Kundenflut kommen die Mitarbeiterinnen kaum noch an. Eine Grundsatzentscheidung muss her.

Olfen

, 14.05.2018
Für die Post ein super Geschäft -  für die Stadt ein Problem

•Postkunden stehen Schlange: ein gewohntes Bild für Christa Kötter von der Poststelle in der Domhofpassage. © Foto: Sylvia vom Hofe

Die Christel von der Post ist in Olfen in städtischen Diensten. Es laufe gut mit Olfen als Partner, sagt Rainer Ernzer von der Deutschen Post AG in Düsseldorf auf Anfrage der Redaktion. „Sehr gut.“ Seitens der Post gebe es keinen Änderungsbedarf. Günter Klaes, den Beigeordneten der Stadt, wundert das nicht. Er und seine Kollegen sehen das allerdings anders. Und viele Kunden ebenfalls.

Montagmorgen, 9.45 Uhr. Fünf Männer und Frauen stehen Schlange vor dem Postschalter in der Dompassage an der Kirchstraße. Christa Kötter, eine der vier Mitarbeiterinnen, die sich fast zwei Stellen teilen, bedient freundlich. Und zügig. Und hat dennoch kaum eine ruhige Minute.

Denn immer wieder öffnet sich die Glastür und lässt neue Kunden in die Poststelle. Einige möchten Briefmarken kaufen, einige Einschreiben auf den Weg bringen, die meisten holen Pakete ab oder schicken sie zurück. Alle anderen Postdienstleistungen sind ebenfalls möglich. „So ist das hier eigentlich fast immer“, sagt Christa Kötter. „Nur dass die Schlange manchmal noch viel länger ist“, ergänzt der Mann, der gerade an der Reihe ist.

Immer mehr Kunden

300 Kunden besuchen laut Klaes täglich die im Jahr 2000 eröffnete und 2015 erweiterte Poststelle in der Stadtmitte. „Rund 90.000 im Jahr“ – Trend steigend. Verglichen mit dem Vorjahr seien bis April 2018 bereits 858 Kunden mehr registriert worden. Gab es im ersten Quartal 2017 noch 2000 Paketannahmen, sei die Zahl im Vergleichszeitraum dieses Jahres auf 4101 nach oben geschnellt. Der Online-Versandhandel beschert der Post einen Paket-Boom – und der Stadt ein Problem.

Die vier Mitarbeiterinnen kommen kaum noch hinterher. Klaes sprach im Haupt- und Finanzausschuss in der vergangenen Woche von „unerfreulicher Schlangenbildungen“ und „unschönen Situationen vor dem Schalter“: Anlass für die Stadt, mit der Post AG über eine Aufstockung des Personals zu sprechen um mindestens eine halbe Stelle. Das Ergebnis dieser Unterhaltung: ebenfalls „unerfreulich“ und „unschön“. Denn mit den Personalkosten lässt die Post die Stadt alleine.

„Dauerdefizitär“

Die Postfiliale Olfen hatte 2017 zwar einen Umsatz von rund 124.000 Euro gemacht. Die Stadt blieb aber auf einem Defizit von 21.000 Euro sitzen. Mit der zusätzlichen Halbtagsstelle, die laut Stadtverwaltung nötig sei, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, würde der Fehlbetrag in diesem Jahr auf 34.000 Euro wachsen.

Während die Post verdient, zahlt die Stadt. Klaes nennt die Poststelle „eine Einrichtung, die dauerdefizitär ist“ – zumindest für die Stadt. Zwar gebe es Vergütungen vom gelben Partner, die sich an der Art der einzelnen Dienstleistungen orientierten. „Die Summe dieser Dienstleistungsvergütungen von der Post AG hat sich seit 2011 von rund 66.000 Euro auf 73.400 Euro im Jahr 2017 entwickelt“, so Klaes. Auskömmlich sei das nicht.

Die Gespräche zwischen Stadtspitze und Post hatten daran nichts geändert. „Nachverhandlungen lässt die Post nicht zu“, so Sendermann. Die Optionen sind laut Klaes übersichtlich: „Entweder wir stocken das Personal um eine Kraft auf oder wir verabschieden uns aus der Partnerschaft mit der Post.

„Wir würden dann nach einem anderen Partner suchen müssen“, so Postsprecher Ernzner. Im Jahr 2000 war diese Suche gescheitert – deshalb war die Stadt eingesprungen, „auch um die Innenstadt durch die Post zu stärken“, so Bürgermeister Sendermann.

Der Rat entscheidet an diesem Dienstag, 18 Uhr, in öffentlicher Sitzung in der Stadthalle, Zur Geest 25.

Olfener Postgeschichte: Ende des 18. Jahrhunderts verkehrte der Postwagen auf den Hauptverbindungswegen wöchentlich: das einzige öffentliche Beförderungsmittel – nicht nur für Nachrichten, sondern auch für Personen. In den 1820er-Jahren brauchte es laut Alexandra Bloch Pfister, die für die 2011 herausgegebene „Geschichte der Stadt Olfen“ das 19. Jahrhundert betrachtet hat, 102 Stunden für die Strecke Köln-Berlin. Die Postkutsche zu nutzen, sei vermögenderen Schichten vorbehalten geblieben. 1803 errichtete Postmeister Müller eine wöchentlich zweimalige Botenpost zwischen Münster, Lüdinghausen, Olfen, Bork und Werne. 1814 wurde das Postwärteramt Olfen Dortmund unterstellt. Selm und Datteln verfügten anders als Olfen nicht über Poststationen.
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