Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Opel-Betriebsrat weist Sanierungskonzept zurück

Rüsselsheim/Berlin. Der Konflikt um die Zukunft des verlustreichen Autobauers Opel wird schärfer. Die Auseinandersetzung sorgt nun auch für Unruhe in Berlin.

Opel-Betriebsrat weist Sanierungskonzept zurück

Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug gibt vor dem Werkstor in Rüsselsheim Interviews zur Lage beim Autobauer. Foto: Boris Roessler

Der Ton im Streit um den richtigen Weg der Opel-Sanierung verschärft sich. Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug warf der Geschäftsleitung „Desinformation“ vor.

Die Vorschläge der Geschäftsleitung zur Erfüllung der Tarifverträge wies er im Anschluss an eine Betriebsversammlung im Stammwerk Rüsselsheim zurück. Die IG Metall und der Betriebsrat werfen der eigenen Geschäftsführung und PSA offenen Tarifbruch vor.

Würde in Eisenach künftig nur ein Fahrzeug gebaut, laufe dies in etwa auf eine Halbierung der Belegschaft von derzeit 1800 Mitarbeitern an dem Standort hinaus, sagte Schäfer-Klug. Unter der Leitung des neuen Eigners PSA will Opel in dem thüringischen Werk nur noch einen Geländewagen anstatt der bislang zwei Kleinwagen-Modelle Adam und Corsa montieren. „Die Halbierung der Belegschaft in Eisenach wäre der Einstieg in den Komplettausstieg“, sagte der Regionalbevollmächtigte der IG Metall, Uwe Laubach.

Im Motorenwerk Kaiserslautern sollten die Beschäftigten einem Szenario zufolge keine Motorenteile mehr herstellen, sondern nur noch die Endmontage machen. „Wenn das so käme, würde das eine Verringerung der Mitarbeiterzahl bedeuten“, sagte der dortige Betriebsratschef Lothar Sorger nach einer Betriebsversammlung. Im vergangenen Jahr arbeiteten gut 2000 Menschen in Kaiserslautern. Die Ingenieure in Rüsselsheim sollen künftig zusätzlich für die Entwicklungsleitung bei den leichten Nutzfahrzeugen der PSA-Gruppe zuständig sein.

Zum Vorschlag des Managements würde auch ein Verzicht der Mitarbeiter gehören. „Dafür hätten alle Beschäftigten 4,3 Prozent dauerhaft abgeben sollen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld“, kritisierte Schäfer-Klug. „Ein solches Angebot werden wir auch weiterhin nicht annehmen.“

Der Streit sorgt auch für Unruhe in Berlin. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) habe ein großes Interesse an einer nachhaltigen Perspektive für Opel und seine Beschäftigten, sagte eine Sprecherin. Der SPD-Politiker Bernd Westphal verlangte, der neue Opel-Mutterkonzern PSA müsse sich an die Zusagen halten, die bei der Übernahme des Rüsselsheimer Autobauers gemachten worden seien: „Die SPD-Bundestagsfraktion steht an der Seite der Belegschaft.“

Kanzlerin Angela Merkel hatte gefordert, dass sich PSA an die Zusagen halten solle. „Wir erwarten jetzt erst mal von dem Unternehmen, dass es all das, was es versprochen hat im Zusammenhang mit der Übernahme, auch einhält“, hatte sie am Mittwoch gesagt. Altmaier und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) führten dazu Gespräche an Opel-Standorten.

PSA hatte bislang versichert, die Opel-Sanierung ohne Entlassungen oder Werkschließungen zu schaffen. Umfangreiche Abfindungsprogramme sollen die Belegschaft reduzieren. Investitionszusagen gab es bislang nur für Opel-Werke außerhalb Deutschlands.

Firmenchef Michael Lohscheller stellte im ersten Quartal 2018 erste, kleine Verbesserungen fest. Die „Erträge werden deutlich besser“, sagte er nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ auf einer Mitarbeiterversammlung im Rüsselsheimer Adam-Opel-Haus.

Allerdings habe Opel im ersten Quartal 25.000 Autos weniger als vor einem Jahr verkauft, berichtete das Magazin unter Berufung auf Aussagen Lohschellers. Die Gründe dafür sehe der Manager im vom Brexit geplagten Großbritannien und dem schwächer wachsenden türkischen Markt. Opel wolle in Deutschland investieren, doch man müsse die Kosten drücken. „Teilweise waren unsere Werke doppelt so teuer wie PSA-Werke“, wurde Lohscheller zitiert.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Wirtschaft

Tempomat-Problem: Fiat Chrysler ruft Millionen Autos zurück

Auburn Hills. Der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat Chrysler ruft in den USA 4,8 Millionen Fahrzeuge zurück. Grund sind mögliche Probleme mit dem Tempomat, wie das Unternehmen in Auburn Hills mitteilte. Es ist eine der größten Rückruf-Aktionen, die in den USA bislang veranlasst wurden.mehr...

Wirtschaft

Siemens wird Partner bei Batteriezellen-Fabrik für E-Autos

München. Die Produktion von Batteriezellen für Elektroautos könnte für Siemens ein Geschäft werden. Dem schwedischen Pionier Northvolt liefert der Münchner Konzern die Technik für die erste europäische „Gigafactory“. Und das ist noch nicht alles.mehr...

Wirtschaft

EU-Länder kürzen Liste der Steueroasen

Brüssel. Bankenreformen, Steueroasen, Mehrwertsteuern für Online-Medien: Die EU-Finanzminister haben bei ihrem Treffen in Brüssel eine ganze Reihe an Themen in den Blick genommen. Nicht in allen Punkten konnten sie sich einigen.mehr...