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Othello auf der Suche nach den großen Gefühlen

Prinz-Regent-Theater

Mit „Othello“ brachte die Leiterin des Prinz Regent Theater, Sibylle Broll-Pape, jetzt ihre Trilogie der Liebe zu Ende. Shakespeares Tragödie des „Mohren von Venedig“ stellte sie weitgehend überraschungsfrei auf die Bühne – sie wurde zum schwächsten Teil der Reihe.

BOCHUM

von Von Max Florian Kühlem

, 15.09.2013
Othello auf der Suche nach den großen Gefühlen

Ganz im "Blackface" - Der Othello des Prinz-Regent-Theater ist der schwächste Teil der "Trilogie der Liebe".

Als die Stadttheater verstärkt Uraufführungen und Stücke junger zeitgenössischer Autoren zeigten, fischten sie damit Häusern wie dem Prinz Regent Theater (PRT) das Publikum ab. Sibylle Broll-Papes Konsequenz war, mehr Klassiker im eigenen Haus zu zeigen und damit ihrerseits das bürgerliche Publikum zu angeln. Mittlerweile sind Stücke wie „Iphigenie“ oder „Buddenbrooks“ im PRT Publikumsrenner. „Othello“ soll nicht nur Abschluss der Liebetrilogie sein, zu der „Kabale und Liebe“ und „Anna Karenina“ gehörten. Die Inszenierung ist auch ein Startschuss zu einer neuen Shakespeare-Reihe im Privattheater.

Dass sie mit dem „Othello“ noch einmal „die ganz großen Gefühle“ auf die Bühne stellen wollte, hat die Regisseurin im Vorfeld bekannt. Das tut sie mit der Stückwahl automatisch. Es ist ein Eifersuchtsdrama, weil der dunkelhäutige Feldherr von Venedig sich durch seinen vermeintlich Vertrauten Jago die reine Liebe seiner Ehefrau Desdemona zerreden lässt – bis er keinen anderen Weg weiß, als sie umzubringen. Shakespeares Tragödie ist jedoch nicht nur das Eifersuchtsdrama, das im Prinz Regent Theater absolut im Vordergrund steht, sondern auch ein Stück über Rassismus. Othello steht trotz seiner Verdienste als Feldherr wegen seiner schwarzen Hautfarbe außerhalb der Gesellschaft, bleibt ein fremdes Element, dem die Anderen mit Misstrauen begegnen.

Die Regie verhält sich zu diesem Thema diffus: Trotz der jüngsten öffentlichen Debatte um „Blackfacing“, also das Schwarz-Schminken weißer Schauspieler, steht mit Arno Kempf hier ein klassischer Schuhcreme-Othello auf der Bühne – manchmal inmitten von Videobildern aus Urwald-Raubkatzen, während hinter einer Steele ein Affe vorbei spaziert. Sibylle Broll-Pape bekannte beim anschließenden Premieren-Empfang, dass sie einen ursprünglichen, naiven Menschen auf die Bühne stellen wollte, der aus einer ganz anderen Gesellschaft komme. Sie hat es sich damit einfach gemacht und wichtige Diskurse einfach ignoriert. Trotzdem sehenswert ist die Inszenierung vor allem wegen Dagny Dewaths sehr starkem Spiel der Desdemona