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Im Interview

Otto Waalkes: "Ich möchte gar nicht erst gehen"

NRW Er hat Kunstpädagogik studiert, mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen in einer WG gelebt und ist seit den frühen 70er-Jahren nicht mehr von den Bühnen des Landes wegzudenken: Otto Waalkes (66) ist der wohl populärste deutsche Komiker. Wir haben mit ihm gesprochen.

Otto Waalkes: "Ich möchte gar nicht erst gehen"

Otto Waalkes schickt seine Zwerge im Trickfilm-Abenteuer über die Leinwand.

Nach zwei Spielfilmen der „7 Zwerge“ kehrt Ottos Figur Bubi nun als animierter Charakter in einem groß angelegten Trickfilm auf die Leinwand zurück. Wir sprachen mit Otto Waalkes über Zwerge, seinen neuen Film „Der 7bte Zwerg“, depressive Komiker und seine Lebensplanung.Herr Waalkes, mit 66 fängt das Leben angeblich erst an. Merken Sie schon was?Otto Waalkes: Das habe ich auch gehört. Udo Jürgens hat das gesungen. Ich muss mir den Titel unbedingt noch mal anhören, vielleicht kann man noch eine Menge lernen. Loriot hat erst in diesem Alter seinen ersten Film gemacht, das muss man sich mal überlegen! Da ist anscheinend noch viel Platz nach oben. Leute wie Mick Jagger sind noch unterwegs und Udo Jürgens könnte ja der Vater meiner Mutter sein.War das dritte Kinoabenteuer der Zwerge von Anfang an als Trickfilm geplant?Otto Waalkes: Ursprünglich war eine Fernsehserie vorgesehen. Das Interesse war sehr groß, auch im Ausland. Also haben wir gedacht, wir machen einen Kinofilm daraus. Er wird in über 80 Ländern zu sehen sein. Sogar in Russland und der Ukraine.Ist es Ihnen schwergefallen, Ihr Baby – oder Ihren Bubi – in andere Hände zu legen?Otto Waalkes: Das sind ja trotzdem meine Hände. Der Bubi ist nach meiner Vorlage gezeichnet worden. Nun ist er eine Trickfilmfigur. Ich habe ja schon viele Zeichentrickcharaktere gesprochen, zum Beispiel den Sid in „Ice Age“. Und jetzt spreche ich mich selbst, das ist ja mein Charakter. Das fällt einem nicht so schwer.Wie groß war Ihr kreativer Einfluss auf den Film?Otto Waalkes: Ich habe am gesamten Drehbuch mitgearbeitet. So etwas geht über Jahre und wird immer wieder verändert und aktualisiert. Dann wollen die Zeichner wieder etwas verändern und entwickeln neue Ideen. Es ist eine Gemeinschaftsarbeit. Man hat eine Idee und die wird dann von vielen, vielen Leuten realisiert.Auch in der englischen Version ist Bubi typisch Otto. Sind Sie neugierig, wie der Film in Übersee funktionieren wird?Otto Waalkes: Ja, es macht mich ganz besonders neugierig, wie der Film im Ausland aufgenommen wird.„Der 7bte Zwerg“ ist computeranimiert und dreidimensional. Sind Sie dem technischen Fortschritt gegenüber immer aufgeschlossen oder sehen Sie ihn durchaus auch skeptisch?Otto Waalkes: Ich bin da schon recht skeptisch. Aber wenn es der Komik und dem Erfolg dient, dann finde ich es ganz gut. Wenn Technik hilfreich ist, bin ich positiv eingestellt. Da stehe ich drauf, und Otto in 3D habe ich mir immer gewünscht.Glauben Sie, dass in unserer schnelllebigen YouTube-, Facebook- und Twitter-Zeit eine dauerhafte Karriere wie Ihre noch möglich wäre?Otto Waalkes: Warum nicht? Man sieht das ja immer wieder. Da kommt plötzlich ein Kinofilm, der heißt „Fack Ju, Göhte!“ und zieht genauso die Massen an. Es kommt immer auf die Idee an und auf den Zeitgeist, den man gerade trifft. Bei den Leuten kommen Sachen an, mit denen sie sich identifizieren können, die Spaß machen und lustig sind. Da gehen sie alle hin. No problem!Leider wurde die Filmproduktion vom Tode des Regisseurs Harald Siepermann überschattet. Kam er überraschend?Otto Waalkes: Überschattet kann man nicht sagen. Harald Siepermann war sehr lange krank und er hat immer gesagt: "Wenn ich mal nicht mehr bin, macht weiter!" Er war immer sehr positiv eingestellt und hat den Film auch während seiner Krankheit überwacht.Der tragische Tod von Robin Williams hat viele Leute verstört. Liegen Komik und Melancholie nicht von jeher eng beieinander?Otto Waalkes: Nicht bei jedem, das kann man nicht verallgemeinern. Bei ihm war es wohl ganz besonders ausgeprägt. Er war ja auch ein guter Schauspieler und konnte auch ernste Rollen hervorragend transportieren. Da mischen sich diese Stimmungen eher und der Gegensatz tritt stärker zutage. Ein reiner Komiker muss im Privatleben nicht immer anfangen zu heulen oder Depressionen haben. Das ist ein Klischee, das bei mir nicht zutrifft. Ich bin zwar zuweilen schlecht aufgelegt, aber das geht schnell vorüber.Also ist es für Sie nicht aufreibend, der Spaßmacher zu sein?Otto Waalkes: Ganz im Gegenteil. Ich bin sehr gern gut gelaunt.Otto ist nie zynisch. Was hat Sie davor bewahrt, in Zynismus zu verfallen?Otto Waalkes: Ich kann nicht zynisch sein. Ich versuche es immer wieder, aber es gelingt mir nicht. Man nimmt es mir einfach nicht ab. Zynismus ist auch kein gutes Transportmittel für meine Gags. Mir gefällt es besser, die Leute über einen gepflegten Reim oder tolle Bewegungsakrobatik herzlich lachen zu lassen. Zynismus muss clever verpackt werden, um als Transportmittel für Komik zu dienen.Die Auslandspresse titelte beim ersten Zwergenfilm: „Monty Python is back!“.Otto Waalkes: Das stand sogar im "Wall Street Journal", das war völlig verrückt. Sicherlich sind wir davon beeinflusst, das ist unschwer zu erkennen. Wir haben ja ein Leben lang die "Monty Python"-Sachen verfolgt, das bleibt nicht ohne Wirkung. Wenn man sich ins Märchenhafte begibt, sind sie die großen Vorreiter für solche Geschichten.John Cleese ist jetzt mit 74 noch einmal auf die Bühne zurückgekehrt. Möchten Sie in zehn Jahren auch noch im Rampenlicht stehen?Otto Waalkes: Ich will auf keinen Fall mit 74 zurückkehren, ich möchte gar nicht erst gehen! Wo ich doch gerade erst anfange. Wenn ich darf, wenn man mich fragt und, wenn ich es gesundheitlich noch schaffe, dann jederzeit. Wenn die Leute das noch wollen, warum nicht? Ist doch mein Job, aber auch mein Hobby, mein Spaß und meine Freude. Geboren, um zu blödeln!Man hat Sie einmal zum beliebtesten deutschen Komiker aller Zeiten nach Loriot und Heinz Erhardt gewählt. Geht diese Platzierung für Sie in Ordnung?Otto Waalkes: Oben zu sein, ist ganz toll, unten zu sein wäre auch nicht so schlimm. Es gibt doch noch so viele Namen, die dort auch Platz hätten. Dass ich dort landen würde, hätte ich nie gedacht. Ich bin sehr, sehr glücklich mit dieser Auszeichnung. Ich kann damit sehr gut schlafen.Sind Sie ein glücklicher Mensch?Otto Waalkes: Ja, im Moment noch! Ich habe zwei Ehen erfolgreich abgeschlossen und würde gern mal wieder so eine eingehen. Aber dazu gehören immer zwei. Oder sogar drei? Ohhhhh! Jetzt wird’s interessant.

Das ist Otto Waalkes


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