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Packende Nibelungengeschichte in Worms

Worms (dpa) Die Erzählung über die Nibelungen hat nichts von ihrer Faszination verloren, obwohl oder vielleicht auch gerade weil sie schon Jahrhunderte alt ist. Der fesselnde und offenbar zeitlose Stoff hat Anziehungskraft gleichermaßen für Theatermacher wie für das Publikum.

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Kriemhild (Annett Renneberg) und Rüdiger von Bechelaren (Ilja Richter).

Annett Renneberg (l) in der Rolle der Kriemhild und Meret Becker in der Rolle der Brünhild.

Die Schauspielerin Annett Renneberg überzeugte in der Rolle der Kriemhild.

Moderne Inszenierung von «Die letzten Tage von Burgund».

Anouschka Renzi lässt sich in der Rolle der Sylva von Dieter Laser als Etzel verführen.

Anouschka Renzi (l) in der Rolle der Sylva, Dieter Laser (M) als Etzel und Annett Renneberg als Kriemhild.

Und wo könnte eine Aufführung besser zur Geltung kommen als an historischer Stätte in Worms? Film- und Theaterregisseur Dieter Wedel inszeniert dort schon zum siebten Mal die Nibelungengeschichte, auch wenn er in diesem Jahr mit gleich zwei Stücken im täglichen Wechsel eine kleine Premiere wagt. Der Versuch ist gelungen: Sowohl «Siegfrieds Frauen» am Freitag als auch «Die letzten Tage von Burgund» am Samstag boten packendes Theater gepaart mit großem schauspielerischen Können. Das Publikum zeigte sich begeistert.

Besonders Uwe Bohm in der Rolle des Bösewichts Hagen begeisterte die Zuschauer an beiden Tagen. Mit viel Applaus bedacht für ihr schauspielerisches Können wurden auch Meret Becker als Brünhild und Annett Renneberg in der Rolle der Kriemhild. In ihrem Sog bot das gesamte Ensemble eine sehr überzeugende Darstellung.

Die beiden Aufführungen erzählen die gesamte Nibelungengeschichte. Dazu hat Wedel die Fassung nach dem Text von Moritz Rinke noch einmal neu bearbeitet. In «Siegfrieds Frauen» ist die Liebe das zentrale Motiv. Wedel betont vor allem die unerfüllte Liebe von Hagen zu Kriemhild und von Brünhild zu Siegfried (Robert Dölle), was die spätere Katastrophe einleitet. Im rasant inszenierten zweiten Teil «Die letzten Tage von Burgund» geht die Burgunder-Sippe dann zugrunde. Aus Liebe wird Hass. Am Ende nimmt Kriemhild doch Rache für die Ermordung ihres Mannes Siegfried, auch wenn sie in Wedels Inszenierung den Burgundern einige Auswege offen hält und von ihren Rachegedanken zwischenzeitlich abgerückt ist.

Beide Stücke, vor allem der zweite Teil, sind aber nicht nur ein düsteres Untergangsspektakel. An vielen Stellen blitzt Ironie und Komik auf, etwa durch den tollpatschig und überfordert dargestellten König Gunther (Roland Renner). Das könnte ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr sein, in dem Wedel in Worms nicht mehr die Nibelungengeschichte nach eher klassischem Vorbild zeigen will, sondern eine Komödie über Siegfrieds Leben angedacht hat.

Die Nibelungen-Festspiele leben auch von den prominenten Darsteller-Namen. Es ist Teil des Konzeptes von Intendant Dieter Wedel, immer wieder bekannte Fernsehgesichter auf die Wormser Bühne zu holen. So spielen etwa Ilja Richter und Anouscka Renzi mit. Neu dabei ist in diesem Jahr Walter Plathe («Der Landarzt») als Sänger Volker von Alzey.

Diese Erzählerfigur ist eines der neuen Elemente, mit denen Wedel die Rinke-Fassung umgearbeitet hat. Außerdem sind an einigen Stellen Texte von Friedrich Hebbel eingebaut, am Bühnenrand spielen Musiker live und sorgen so für eine zusätzliche Untermalung dramatischer Szenen. Wedel, ganz Fernsehregisseur, setzt auch Videotechnik ein. Mit Hilfe eines großen Bildschirms, der auf die Bühne gerollt wird, werden die Theaterbesucher zeitweise zu Fernsehzuschauern, was die Inszenierung auflockern soll.

Einen grandiosen Hintergrund für das Schauspiel bietet der Wormser Dom, der zum Teil in blutrotes Licht getaucht ist. Auf seiner Nordseite wird das riesige Gotteshaus mit seinem dortigen Portal Teil der Theaterkulisse und vermittelt so ein Stück echtes Nibelungen-Flair. Die Festspiele gehen noch bis zum 17. August.

www.nibelungenfestspiele.de

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