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Palästinensischer Dichter Darwisch gestorben

Ramallah/Tel Aviv (dpa) Der palästinensische Dichter Mahmud Darwisch war nicht nur die poetische Stimme seiner Landsleute, sondern auch deren moralische Instanz.

Palästinensischer Dichter Darwisch gestorben

Der palästinensische Dichter Mahmud Darwisch ist nach einer Herz-Operation gestorben.

Denn seine in Versen verpackte oder öffentlich geäußerte Kritik traf nicht nur Israel, sondern auch die Palästinenserführung oder verfeindete Palästinensergruppen. Wie kein anderer Dichter hatte Darwisch die Hand am Puls der Palästinenser. Er thematisierte deren Leidensgeschichte. Die Themen Vertreibung, Verlust der Heimat, Besatzung und der Kampf für Unabhängigkeit ziehen sich wie ein roter Faden durch das künstlerische Werk. «Poesie kann die Welt nicht verändern, aber sie kann Kerzen in der Dunkelheit anzünden», beschrieb Darwisch seine Mission. Der 67-Jährige starb am Samstagabend an den Folgen einer Herzoperation in Houston (Texas).

In der Vergangenheit hatte sich Darwisch bereits zweimal einer Herz-Operation unterzogen. Mit dem Thema Tod ging er deshalb offen um. «Er (der Tod) soll nicht kommen wie ein Dieb. Er soll mich auf einen Streich mitnehmen», sagte Darwisch der israelischen Tageszeitung «Haaretz» einmal.

Nach dem Tod von Darwisch rief Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eine dreitägige Trauer aus. Nach palästinensischen Medienberichten soll Darwisch in der Stadt Ramallah beigesetzt werden, wo er in den vergangenen Jahren lebte. Der Sarg solle nach Jordanien geflogen und von dort ins Westjordanland gebracht werden, hieß es. Darwisch wurde in dem Dorf al-Birwa nahe der nordisraelischen Stadt Akko geboren. Im Zuge des Krieges nach der israelischen Unabhängigkeit von 1948 wurde das Dorf zerstört. Die Familie des Siebenjährigen floh in den Libanon, kehrte aber später nach Israel zurück. Den Verlust der Heimat verglich Darwisch in seinen Werken unter anderem mit der Vertreibung aus dem Paradies.

Darwisch wurde nach Schulabschluss Mitglied der Kommunistischen Partei Israels und schrieb Gedichte, die in linken Tageszeitungen veröffentlicht wurden. In Haifa arbeitete er später als Chefredakteur der arabisch-kommunistischen Zeitung «Al-Ittihad». Im Jahr 1970 verließ er Israel. Sein Weg führte ihn in mehrere arabische Länder und nach Paris. Seit 1996 lebte er zwischen Ramallah und Amman.

Darwischs Lebenswerk ist vom politischen Engagement für einen unabhängigen palästinensischen Staat geprägt. Dennoch blieb der Künstler für die Palästinenserführung eine unbequeme Stimme. Zwar wurde der Dichter 1987 in den Zentralrat der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO gewählt, aber aus Protest gegen die Unterzeichnung der Osloer Friedensabkommen schied der Vorsitzende des Hohen Rates für Kultur, Religion und Information 1993 freiwillig aus.

Darwisch ist nicht nur der palästinensische Nationaldichter schlechthin gewesen, sondern er wurde auch als einer der herausragenden zeitgenössischen Dichter in der arabischen Welt verehrt. Seine mehr als 30 Gedichtbände sind in 30 Sprachen übersetzt worden. Gemeinsam mit dem israelischen Psychologie-Professor Dan Bar- On wurde Darwisch 2003 mit dem Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück ausgezeichnet. Auf Deutsch sind von ihm mehrere Lyrik-Bände erschienen, darunter «Weniger Rosen» (2002), «Wo du warst und wo du bist» (2004) und «Belagerungszustand» (2006).

Vor acht Jahren löste der Künstler in Israel fast eine Regierungskrise aus. Der damalige Bildungsminister Jossi Sarid wollte einige Gedichte in den israelischen Lehrplan aufnehmen. Rechtsorientierte Parteien drohten daraufhin mit ihrem Rückzug aus der Regierungskoalition. Darwisch bedauerte das. Dennoch glaubte er bis zu seinem Tod an den Sieg der Vernunft und Frieden zwischen Israel und den Palästinensern. «Ich bin geduldig und warte auf eine tiefgreifende Revolution im Bewusstsein der Israelis», sagte er.

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