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Papst Franziskus: Eine Art dritter Weltkrieg ist im Gang

Sarajevo (dpa) 20 Jahre sind nach dem Krieg in Bosnien vergangen. Doch das Land ist weiter tief gespalten. Ein Besuch des Papstes in Sarajevo soll Hoffnung machen. Bei der Messe fordert Franziskus: Nie wieder Krieg!

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Papst Franziskus fordert in Sarajevo: Nie wieder Krieg! Foto: Luca Zennaro

Tausende wollen in Sarajevo den Papst sehen. Foto: Luca Zennaro

Motto der achten Auslandsreise von Franziskus ist «Friede sei mit Euch». Foto: Luca Zennaro

Der Papst reit als «Pilger des Friedens» nach Sarajevo. Foto: Luca Zennaro

Papst Franziskus bei seiner Abreise Richtung Sarajevo. Foto: EPA/Telenews

Papst Franziskus am Donnerstag während einer Messe in Rom. Foto: Angelo Carconi

Papst Franziskus sieht angesichts vieler bewaffneter Konflikte eine Art neuen Weltkrieg heraufziehen. Bei einem Besuch in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, rief das Oberhaupt der katholischen Kirche zugleich zur Versöhnung der Religionen auf.

Sarajevo war vor 20 Jahren Schauplatz eines Krieges zwischen hauptsächlich muslimischen Bosniern, orthodoxen Serben und katholischen Kroaten.

Mit Blick auf die aktuellen Konflikte sagte der Papst: «Es ist eine Art dritter Weltkrieg, der stückweise geführt wird, und im Bereich der globalen Kommunikation nimmt man ein Klima des Krieges wahr.» Einige Menschen wollten dieses Klima absichtlich schüren und suchten den Zusammenstoß verschiedener Kulturen, fügte der 78-Jährige bei einer Messe vor etwa 65 000 Menschen im Olympiastadium von Sarajevo hinzu. Andere würden mit Kriegen spekulieren, um Waffen zu verkaufen. Den Begriff «dritter Weltkrieg» hat der Papst schon mehrmals benutzt.

Krieg bedeute zerstörte Häuser, zerbrochene Leben, sagte der Papst bei der Messe im Olympiastadium. «Ihr kennt das zu gut, weil Ihr es gerade hier erlebt habt. ... Heute erhebt sich noch einmal aus dieser Stadt der Schrei des Volkes Gottes und aller Männer und Frauen guten Willens: Nie wieder Krieg!»

Im Bosnienkrieg kamen von 1992 bis 1995 rund 100 000 Menschen um. Weite Teile der Stadt wurden zerstört. Das Balkanland ist immer noch tief gespalten und hat große wirtschaftliche und soziale Probleme.

20 Jahre nach dem Krieg seien zwar Fortschritte erzielt worden, sagte Franziskus bei seinem Empfang beim Staatspräsidium des Landes. «Es ist jedoch wichtig, sich nicht mit dem zufriedenzugeben, was bisher verwirklicht wurde.» Sarajevo sei das «Jerusalem Europas», sagte Franziskus, der nach seinen Worten als «Pilger des Friedens und des Dialogs» angereist war.

Die Politiker müssten die «ersten Diener ihrer Gemeinschaften sein» und die Grundrechte des Menschen wahren, forderte das Oberhaupt der Katholiken.

Zentrales Thema bei Gesprächen mit dem Staatspräsidium - das aus Serben, Kroaten und Bosniern besteht - sei das Streben des Landes in die EU, sagte Papst-Sprecher Federico Lombardi. «Der Papst hat keine spezifische politische Befugnis, aber er hat gesagt, dass Bosnien-Herzegowina ein integraler Teil Europas ist.»

Die Muslime sind mit rund 50 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe des Landes, gefolgt von Orthodoxen und Katholiken. Deren Zahl hat seit dem Krieg nach Angaben des Vatikans von 800 000 auf 400 000 ungefähr halbiert. Die beiden letzten Volkszählungen ergaben dagegen, dass sich der Anteil der Kroaten, der in Bosnien-Herzegowina dem der Katholiken entspricht, seit 1991 von 17 auf 15 Prozent verringert hat.

Bei der eintägigen Reise stand auch ein ökumenisches und interreligiöses Treffen mit Vertretern von Katholiken, Orthodoxen, Muslimen und der jüdischen Gemeinde an. Zum Abschluss seiner achten Auslandsreise wollte Franziskus ein Jugendzentrum besuchen.

Text der Messe

Webseite des Papstbesuches

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