Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Papst prangert in Öko-Enzyklika «armselige» Politik an

Rom (dpa) Die Erde eine riesige Müllhalde, das Verhalten der Menschen «selbstmörderisch»: In provokanten Worten kritisiert der Papst die Wegwerfgesellschaft, Umweltzerstörung und globale Gleichgültigkeit. Sein Öko-Manifest ist eine Klatsche für Politik und Wirtschaft.

Papst prangert in Öko-Enzyklika «armselige» Politik an

Es ist das erste Mal, dass ein ganzes päpstliches Weltrundschreiben das Thema Umweltschutz behandelt. Foto: Claudio Peri/Archiv

Papst Franziskus hat in seiner neuen Enzyklika eine «selbstmörderische Umweltzerstörung» angeprangert und Politik und Wirtschaft zu einem radikalen Wandel aufgerufen. Unter dem Konsumrausch und dem rasanten Wachstum der reichen Länder des Nordens litten vor allem Arme im Süden.

Eine «kulturelle Revolution» und eine ökologische Umkehr seien notwendig, erklärt der Papst in seinem Weltrundschreiben «Laudato si» (Gelobt seist du). Darin rief er knapp sechs Monate vor der UN-Klimakonferenz in Paris auch zu einem Ausstieg aus der Energiegewinnung aus Kohle und Öl auf.

«Wenn die Politik nicht imstande ist, eine perverse Logik zu durchbrechen, und wenn auch sie nicht über armselige Reden hinauskommt, werden wir weitermachen, ohne die großen Probleme der Menschheit in Angriff zu nehmen», schreibt das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken. Es ist die erste Enzyklika, die der 78-jährige Argentinier alleine verfasst hat.

Mit Blick auf die Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris erklärt Franziskus, es sei dringend geboten, Programme zu entwickeln und den Ausstoß von Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. Der Klimawandel sei «eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit».

Der Politik attestierte Franziskus eine «Unterwerfung unter die Technologie und das Finanzwesen». Dies sei ein Grund für die «Erfolglosigkeit der Weltgipfel über Umweltfragen».

Applaus für sein Öko-Manifest bekam der Papst von Umweltbewegungen und von Wissenschaftlern. Auch der Chef der Weltbank, Jim Yong Kim, und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lobten das Schreiben.

Die Enzyklika kombiniert nach Ansicht des deutschen Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber in einzigartiger Weise Glaube und Vernunft. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung war vom Vatikan in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen worden und stellte die Enzyklika mit vor.

«Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten», erklärt der Papst. «Wenn jemand die Erdenbewohner von außen beobachten würde, würde er sich über ein solches Verhalten wundern, das bisweilen selbstmörderisch erscheint.»

Die Erde scheine sich in eine «unermessliche Mülldeponie» zu verwandeln. «Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazität des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil nur in Katastrophen enden kann.»

Franziskus forderte ein verlangsamtes Wachstum in wohlhabenden Ländern. «Wir wissen, dass das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, unvertretbar ist.» Es sei die Stunde gekommen, «in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann». 

Kritisch sieht der Papst auch die übermäßige Nutzung sozialer Netzwerke und digitaler Medien. Dies gleiche einer «bloßen Anhäufung von Daten, die sättigend und benebelnd in einer Art geistiger Umweltverschmutzung endet».

Die Enzyklika hatte schon vorab für Wirbel gesorgt. Vor allem in den USA kritisierten konservative Kreise, die den Klimawandel bezweifeln, den Papst für seine politische Stellungnahme. Auch innerhalb des Vatikans ist das Öko-Schreiben von Franziskus durchaus umstritten.

Die Reaktionen in Deutschland fielen vor allem positiv aus. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks würdigte das Schreiben als Ansporn für alle, die sich für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen.

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Text der Enzyklika

Reden zur Vorstellung der Enzyklika

Mitteilung der Weltbank

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Sondierungen in Berlin

Optimismus und Skepsis nach Jamaika-Gesprächen

Berlin Jamaika ausloten, Tag zwei: FDP und Grüne wollten am Donnerstag bei ihrem Treffen bei Blumenkohlsuppe und Streuselkuchen nicht zu sehr in Verletzungen der Vergangenheit rumwühlen. Nebenbei rumort es aber ordentlich - vor allem im konservativen Lager.mehr...

Fußball: Champions League

FC Bayern schlägt Celtic Glasgow ohne Probleme

MÜNCHEN Der deutsche Fußball-Meister FC Bayern München hat den Einzug in das Achtelfinale der Champions League wieder fest im Visier. Die Münchner gewannen am Mittwoch am dritten Spieltag der Gruppe B daheim 3:0 (2:0) gegen Celtic Glasgow.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Nach ersten Gesprächen

Jamaika: "Gutes Gefühl", aber steiniger Weg

Berlin Ein Anfang ist gemacht: Von einem "guten Gefühl" ist die Rede nach der ersten Jamaika-Runde von Union, FDP und Grünen. In den kommenden Tagen folgen weitere Gespräche nun Schlag auf Schlag. Allerdings ist der Weg bis zu einem Koalitionsvertrag noch lang und steinig.mehr...

Urteil naht

13 Jahre Haft gefordert: Camperin vergewaltigt?

BONN 156 Monate Freiheitsentzug – das fordert die Staatsanwaltschaft im Fall gegen einen 31-Jährigen. Dieser soll im April in der Nähe von Bonn eine junge Frau bedroht und vergewaltigt haben. Am Donnerstag soll das Urteil fallen. Der Angeklagte hat zum Vorfall eine völlig andere Sichtweise.mehr...

Politik

Sachsens Regierungschef Tillich wirft nach Wahlschlappe hin

Dresden (dpa) Bei der Bundestagswahl jubelte die AfD in Sachsen - und löste die CDU als stärkste Kraft im Freistaat ab. Nun zieht Regierungschef Tillich persönliche Konsequenzen. Seine CDU wird kalt erwischt.mehr...