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Schmelzende Gletscher

Peruanischer Bauer klagt wegen Klimawandel gegen RWE

Hamm/Bogotá Während die Weltklimakonferenz in Bonn nach Wegen zur Verhinderung einer weiteren Erderwärmung sucht, schmelzen die Gletscher in den Anden weiter. In Deutschland klagt deswegen ein peruanischer Bauer vor Gericht gegen einen Kohlekonzern. Er sieht den Konzern für den Klimawandel mitverantwortlich und fürchtet um seine Existenz.

Peruanischer Bauer klagt wegen Klimawandel gegen RWE

Der peruanische Bauer Saúl Luciano Lliuya legt am 24.11.2016 in Essen (Nordrhein-Westfalen) im Landgericht vor Beginn seines Prozessesseinen Rucksack ab. Am Montag wird in Hamm die „Klima-Klage“ des peruanischen Kleinbauern gegen RWE zweiter Instanz verhandelt. Foto: dpa

In Südamerika schmelzen die Gletscher in Rekordgeschwindigkeit. Eine Folge: In den peruanischen Anden steigt der Wasserstand eines Bergsees bei Huaraz etwa 450 Kilometer nördlich von Lima seit Jahren an. Der Bauer und Bergführer Saúl Luciano Lliuya fürchtet, dass eine Flut sein Haus wegreißen könnte und hat den Energieriesen RWE verklagt. Der Bergbauer fordert Geld für Schutzmaßnahmen, denn RWE sei durch seinen hohen CO2-Ausstoß für den globalen Klimawandel mitverantwortlich.

Am Montag (13.11.) beginnt der Prozess in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Hamm. Ein RWE-Anwalt hatte beim ersten Prozess argumentiert, dass nicht einzelne Unternehmen die Verantwortung für globale Phänomene übernehmen könnten. Denn sonst drohe eine Klagewelle aller gegen alle.

Hamm. Muss der Stromkonzern RWE die Kosten für Schutzmaßnahmen eines Dorfs in Peru übernehmen? Darüber verhandelt ab Montag das OLG Hamm. Ein peruanischer Bauer sieht sein Eigentum durch den Klimawandel bedroht, für den er RWE mitverantwortlich macht.mehr...

Geschädigt vom Klimawandel sind viele Menschen: Allein in den Anden stellen zahlreiche Berglagunen, die aus der Gletscherschmelze entstehen, eine Gefahr für Orte in den Bergen dar. Ein plötzlicher Anstieg des Wasserspiegels kann zu hohen Flutwellen führen und hat bereits Erdrutsche verursacht.

Kolumbuianische Gletscher drohen zu verschwinden

Gletscher haben gerade in den tropischen Gebirgen zudem eine bedeutende Funktion als Wasserspeicher. Besonders wichtig sind sie etwa für die Wasserversorgung in Peru, Bolivien und Ecuador. In Kolumbien soll es nach Angaben von Geschichtsbüchern vor 150 Jahren noch 15 Gletscher gegeben haben. Nun sind nur noch sechs Berge weiß bedeckt. Auch das könnte bald passé sein: Die Gletscher hier gelten mit als die am schnellsten schmelzenden weltweit.

Das kolumbianische Institut für Hydrologie, Meteorologie und Umwelt (Ideam) hat alarmierende Zahlen veröffentlicht. Demnach dürften bei gleichbleibender Geschwindigkeit der Schmelze in drei Jahrzehnten alle Gletscher Kolumbiens verschwunden sein. Allein in den vergangenen 50 Jahren sollen nach Ideam-Berechnungen 63 Prozent der Schneekuppenpracht verschwunden sein.

Gravierende Folgen für Inselstaaten und Strände

Erklärtes Ziel der Weltgemeinschaft ist es, die Erwärmung weltweit deutlich unter zwei Grad, besser noch 1,5 Grad zu begrenzen. Die Klimakonferenz in Bonn sucht nach Lösungen, wie das zu schaffen ist.

Bei einer Welt mit drei Grad Erwärmung zum Beispiel müsste sich die brasilianische Metropole Rio de Janeiro von seinen Stränden an der Copacabana verabschieden - ganz zu schweigen von all den bedrohten Inselstaaten in den Ozeanen, todbringenden Hurrikans und unkalkulierbaren Risiken auch in Europa. Und das knappe Gut Wasser würde auch in Kolumbien wohl noch knapper.

Am deutlichsten wird die Gefahr für Kolumbiens Gletscher am Fall der Bergkette Sierra Nevada de Santa Marta im Norden des Landes. Hier liegen die einzigen schneebedeckten Gipfel der Karibik. Noch. Die Gletscherschmelze beeinflusst das Landschaftsbild, den Tourismus und die indigenen Völker der Kogi, Arhuacos, Wiwas und Kankuamos, die die dortigen Täler seit Urzeiten bewohnen.

Kolumbiens Präsident kritisiert USA

Kolumbiens radikale landschaftliche Veränderung war für Präsident Juan Manuel Santos Anlass, als einer der ersten Staatschefs weltweit im Sommer den Austritt der Vereinigten Staaten aus dem Klimaabkommen von Paris zu kritisieren. „Hier steht nichts weniger als das Überleben der Menschheit, des Planeten, auf dem Spiel. Wenn wir den Temperaturanstieg des Planeten nicht aufhalten, wird das uns alle negativ beeinflussen“, so Santos. „Kolumbien ist ein Land mit zwei Ozeanen. Wenn der Meeresspiegel stark ansteigt, wird das auch unsere Küsten komplett verändern.“

Bonn. Als einziges UN-Land stellen sich die USA gegen das Klimaabkommen. Prominente Aktivisten wie Al Gore kritisieren Präsident Trump dafür bei der Weltklimakonferenz. Deutsche Demonstranten protestieren zur selben Zeit gegen Kanzlerin Merkel.mehr...

Das Institut Ideam ist mit anderen Organisationen in Ecuador und Venezuela in Kontakt, die die Folgen der Erwärmung auf die dortigen Gletscher erforschen. Auch bei ihnen ist die Lage kritisch. Jüngst berichtete die britische Wochenzeitung „The Economist“ von der raschen Veränderung in Venezuela: Während es 1991 fünf schneebedeckte Berge entlang der Bergkette der Sierra Nevada de Mérida im Nordosten des Landes gab, ist demnach heute nur noch der Pico Humboldt auf einer Fläche von zehn Fußballfeldern weiß.

Bei gleichbleibender Schmelze rechnen die Forscher damit, dass Venezuela in 10 bis 20 Jahren das erste Land sein könnte, dass in der kurzen Zeit seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen alle Gletscher verloren hat.

dpa

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