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Peter Broderick: Avantgarde-Pop vom Feinsten

Berlin. Der US-Amerikaner Peter Broderick ist dieses Jahr gerade mal 30 geworden. Doch sein Werkkatalog liest sich wie der eines viel älteren Musikers. Mit „All Together Again“ liefert er jetzt eines seiner schönsten Alben ab.

Peter Broderick: Avantgarde-Pop vom Feinsten

Peter Broderick schreibt auch Songs für Hochzeiten und Modenschauen. Foto: Declan Kelly

Über die Jahre hat der eminent fleißige Peter Broderick nicht nur ein gutes Dutzend Studioplatten zwischen Folk, Avantgarde-Pop, Ambient und Neoklassik veröffentlicht. Sondern auch einige Auftragskompositionen erledigt.

Und die fasst der 30-Jährige jetzt auf einem Album zusammmen, das Songs und Instrumentaltracks der vergangenen zehn Jahre enthält und doch erstaunlicherweise wie aus einem Guss klingt. „All Together Again“ (Erased Tapes/Indigo) ist das Werk eines äußerst originellen Künstlers, der gern in Kooperationen mit ähnlich eigenständigen Musikern (Nils Frahm, Efterklang, Horse Feathers) einsteigt - und doch immer wieder mal für sich bleiben möchte.

Ein solches Eigenbrötler-Album hat der im US-Staat Oregon geborene, mit seiner Frau derzeit in Irland lebende Multiinstrumentalist nun vorgelegt, und es ist wohl eines der faszinierendsten dieses zu Ende gehenden Musikjahres. Neun Tracks, von denen zwei an die 20 Minuten lang sind, enthält „All Together Again“. Aber lassen wir den Amerikaner am besten selbst über die Platte erzählen, denn er tut das sehr eloquent:

„Seit ich im Jahr 2007 damit begonnen habe, meine Musik zu veröffentlichen (ist tatsächlich schon 10 Jahre her!), haben mich zwischendurch immer wieder Leute angefragt, ob ich auch Musik zu ihren jeweiligen Projekten beisteuern könnte. In der Regel handelte es sich dabei um Filme, um Tanzproduktionen oder Theaterstücke ... Doch darunter waren hin und wieder auch noch ganz andere Dinge: Peter, könntest du dir vorstellen, einen Song für unsere Hochzeit zu schreiben? Für unser einjähriges Jubiläum? Für eine Fährüberfahrt?“

Und das tat Peter Broderick dann, mit all der ihm zur Verfügung stehenden Raffinesse - „allein mit ein paar Instrumenten und dazu einigen Loop-Pedalen“, wie er sagt. Der wunderbar zarte, zwölfminütige Opener „If I Were A Runway Model“ etwa war ursprünglich für eine Modenschau im Rahmen der New York Fashion Week bestellt. Das Meisterstück dieser Platte ist „A Ride On The Bosphorus“, eine 17-minütige Istanbul-Impression mit enormer Sogwirkung und einem in Krautrock-Gefilde driftenden Groove.

„Und tatsächlich sind da auch ein paar Songs dabei, die für Hochzeiten geschrieben wurden („Our Future In Wedlock“ und „The Walk“), wie auch ein Stück, das als Geschenk zu einem ersten Hochzeitstag entstanden ist („Emily“)“, so Broderick. Hinzu kommen Film-Kompositionen („Robbie’s Song“, „Atlantic“ und „Seeing Things“) sowie ein weiteres sehr langes Stück, das Broderick „für so eine Art interaktive Installation“, also ein avantgardistisches Kunstprojekt schrieb („Unsung Heroes“).

„Dieses Album bedeutet mir auch deshalb so viel, weil es eine Rückkehr zu meinem ursprünglichen Ansatz markiert“, sagt Broderick. „Ich spiele auch hier sämtliche Instrumente selbst, so limitiert das zum Teil klingen mag, und auch in Sachen Aufnahme und Abmischen sind es meine Limitierungen, die den Ton angeben.“

Bei aller Bescheidenheit: Der Amerikaner ist natürlich ein fantastischer Musiker (vor allem an der Geige) und Arrangeur, bei dem man nach Limitierungen lange suchen muss. Er wollte nach eigenen Worten erreichen, dass das Album „genau diese Neugier zum Ausdruck bringt: Hoffentlich fühlt man, was mir diese Sache, die wir Musik nennen, bedeutet.“ Das ist ihm zweifellos aufs Schönste geglückt.

Konzert: 09.02.2018 Berlin, Silent Green

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