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Peymann, der preußische Träumer

BOCHUM 70 Jahre ist Claus Peymann alt. Von Altersmüdigkeit keine Spur. Zu viel treibt den Theatermacher um, als dass er sich beim Theatergespräch in Erinnerung verlieren möchte. Im Schauspielhaus führte er ein öffentiches Gespräch mit Intendant Elmar Goerden.

von Von Ronny von Wangenheim

, 03.10.2007
Peymann, der preußische Träumer

Elmar Goerden begrüßte Claus Peymann auf der Bühne der Kammerspiele.

Bochum, das wird schnell klar, war eine wichtige Etappe im Leben Peymanns. Aber danach folgten eben mit Wien und Berlin „die beiden Supertheater“: „Man kann weit kommen von hier aus“, sagt er mit einem Blick auf Intendant Elmar Goerden. Der hatte anfangs berichtet, wie Peymanns „Hermannsschlacht“ für ihn den Blick auf die Welt verändert habe. Peymann erzählt mit Genuss an der geschliffenen Formulierung, nicht ohne ab zu etwas zu lästern über Kollegen. Matthias Hartmann zum Beispiel: „Sehr geschickt und etwas zu clever“. Und so sei auch der Vergleich zu Peter Zadek erlaubt, dem die RuhrTriennale im letzten Jahr eine Werkschau widmete. Bei einem vergleichbaren Gespräch wurde damals so viel an Erinnerungen, an Gefühlen wach, gab es eine viel größere emotionale Bindung zwischen Theatermacher und seinem Publikum.

Gegenposition

Dazu ist Peymann zu sehr in der Gegenwart verhaftet, in der er eine „Gegenposition zum Theater des Fragmentierens“ einnehmen will. Aber natürlich geht es immer wieder zurück in die „glücklichen Bochumer Jahren“. Peymann erzählt, wie sie aus Stuttgart vertrieben wurden (Goerden: „Sie galten als schwer vermittelbar“), wie er damals in Bochum gar nichts vorgefunden habe. „Er (Goerden) hat es schwerer als ich – ob er es hinkriegt, wird sich zeigen“. Der revanchiert sich liebenswürdig, bezeichnet Peymann als „preußischen Träumer“. Das gefällt dem Theatermacher: „Das übernehme ich“.

Theater für Eliten

In Bochum hat Claus Peymann gelernt, dass man auch Ansprüche durchsetzen kann. Alle Einwände hat Peymann damals knallhart ignoriert, hat deutschsprachige Autoren wie Thomas Bernhard oder Heiner Müller ans Haus gebunden, außerdem die deutschen Klassiker gespielt. Theater für jedermann, das ist Peymanns Sache nicht. Das Bochumer Schauspielhaus sollte eine Aura des Geheimnisses haben“, erinnert er sich, „ich habe nie auf die Leute spekuliert, immer die eigenen Sehnsüchte, die eigene Unterhaltungslust als Maßstab genommen“. Theater, so der Regisseur „ist ein Laboratorium für Menschen, die gelernt haben, mit Kunst umzugehen“.