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Phantasien im Fahrstuhl

BOCHUM Martin Molitor war lange Stammschauspieler am prinz regent theater. Für den Dauerbrenner „Offene Zweierbeziehung“ kehrt er regelmäßig nach Bochum zurück. Diesmal kam er sogar mit einem eigenen Stück: „Dackelknacken“, verfasst gemeinsam mit Christian Seltmann.

von von Christine Baro

, 03.10.2007

Die Produktion der Berliner tribuene (Regie: Benjamin Knight) gastierte am Dienstag und Mittwoch im Prinz-Regent-Theater und gewährte tiefe Einblicke in die gebeutelten Psychen zweier Fahrstuhlführer am Berliner Fernsehturm, deren Sexualleben sich, täglich beflügelt von spärlich bekleideten Touristinnen, nur im Kopf abspielt. Pörl und Haber (Assoziation eines Kriegsschauplatzes beabsichtigt) hausen gemeinsam in einer Wohnung, die aussieht wie komplett mit Holzimitatfolie beklebt. Ein Modell ihres Arbeitsplatzes, liebevoll „Telespargel“ genannt, fügt sich bruchlos in die phallische Grundstimmung.

Gurkenfest

Denn nach einer weiteren lautstarken koitalen Eskapade von Nachbarin Dörte fällt der Entschluss: „Wir sexualisieren zurück!“ Ein Gurkenfest im Spreewald soll beiden die deutsch-polnische Erntehelferin ihrer feuchten Träume bescheren. Pörl (Martin Ontrop), ein dürres, zappeliges Männlein mit Schnauzbart, ist der Macher und Stratege, Haber (Martin Molitor) der eher Behäbig-Verzagte von beiden.

Tanzversuche

Während ihre Dialoge trotz vieler witziger Detaileinfälle etwas zäh stets um denselben Punkt kreisen, sind die beiden Typen, die Molitor und Ontrop erstehen lassen, einfach großartig, zumal, wenn sie bewehrt mit Brustbeutel und Handgelenktäschchen die Tanzfläche aus puffigem Rotlicht stürmen und man angesichts ihrer hochgrotesken Tanzversuche nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Im Phantasieren sind Pörl und Haber Spezialisten, und so inspiriert ihr Schneckencheck am Tanzflächenrand beide zu fingiertem Damenbesuch. Die Situation eskaliert angesichts eines rosa Damenschlüpfers, mit dem Pörl zwecks Duftnote nochmal eben über die Klobrille wischt. Doch unter Discokugelsternenhimmel gibt es nach 90 Minuten Slapstick und Zoten den ganz großen emotionalen Moment auf dem Fernsehturm: Die Wahrheit über Vanessa und Schackeline, das längst überfällige Du und die Erkenntnis über den unermesslichen Wert echter Männerfreundschaft.