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Philosoph Roger Garaudy gestorben

Paris (dpa) Der französische Philosoph und Holocaust-Leugner Roger Garaudy ist tot. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Freitag berichtete, ist der Kulturwissenschaftler im Alter von 98 Jahren bereits am Mittwoch in Chennevières nahe Paris gestorben.

Philosoph Roger Garaudy gestorben

Der französische Philosoph und Holocaust-Leugner Roger Garaudy ist tot (undatiertes Archivfoto).

Der Bestseller-Autor hat oft mit seinen ideologischen und religiösen Gesinnungswandlungen verblüfft. Zuletzt polemisierte er mit seinem 1998 erschienenen Buch «Die grundlegenden Mythen der israelischen Politik» gegen die Juden, denen er vorwarf, ihre Verfolgung im Dritten Reich zu übertreiben und sie als Dogma nutzbar zu machen.

Garaudy schrieb so viel, dass die Verlage mit dem Drucken kaum nachkamen - Essays, Romane und politisch-wissenschaftliche Werke. Die Vorträge des Erfolgsautors wurden vom Publikum, darunter vielen Jugendlichen, gestürmt: Garaudy war ein Freigeist, der ständig für Aufsehen sorgte. Für seine Holocaust-Leugnung wurde er 1998 zu neun Monaten Gefängnis auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 160 000 Francs (rund 24 500 Euro) verurteilt. Seitdem war es still um den den Publizisten geworden, der lange Zeit eine Schlüsselrolle im europäischen Kommunismus spielte.

Einige Historiker und Intellektuelle verglichen ihn mit einem Chamäleon, einem Reptil, das bei Gefahren die Hautfarbe wechselt. Seine Weltanschauungen, die er zunächst immer radikal vertrat, waren stets von kurzer Dauer. Auf seinem Weg durch die Ideologien und Religionen der Welt war er Kommunist, Christ, Verfechter des Islam und nicht zuletzt Holocaust-Leugner.

Garaudy wurde am 17. Juli 1913 als Sohn eines Buchhalters in Marseille geboren und während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen in ein Konzentrationslager verschleppt. Nach 30 Monaten Haft konnte er fliehen. 1947 trat er in die kommunistische Partei Frankreichs ein. Während er noch 1956 beim Aufstand in Ungarn vor einer «Faschistisierung» gewarnt hatte, begrüßte er den «Prager Frühling» von 1968. In der Folge löste er sich immer mehr vom kommunistischen Apparat, bis er 1970 aus der Französischen Kommunistischen Partei (KPF) ausgeschlossen wurde.

Im Jahr 1981 wollte er als Grüner und Kernkraftgegner französischer Präsident werden. Ein Jahr später trat Garaudy, der noch 1976 bekennender Christ war, zum Islam über. In seiner Sympathie zum islamistischen Extremismus ging er zuletzt sogar soweit, die Gaskammern als Auschwitz-Lüge zu bezeichnen.

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