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Piraten stellen Ex-Mitarbeiter von CDU und Linken ein

Berater im Landtag

Ein ehemaliger Büroleiter der Konservativen und den Ex-Vorstandsreferenten der Linksfraktion – die Piraten haben sich für ihren Auftritt im Landtag Know-how von beiden Ufern an Land gezogen. Die Bochumerin Monika Pieper wird als parlamentarische Geschäftsführerin die Geschicke der Fraktion leiten.

BOCHUM/DÜSSELDORF

von Von Benedikt Reichel

, 01.06.2012

Der Piraten-Fraktionssaal im ersten Stock des NRW-Landtags bietet einen traumhaften Blick auf den Rhein. Sogar bei Regenwetter. Monika Pieper kommt ins Schwärmen. Vor ihr auf einem der Tische liegen noch Blumen. Die Fraktion hat sie zur parlamentarischen Geschäftsführerin gemacht. „Jetzt muss ich den Laden hier irgendwie schmeißen“, sagt sie. Schmunzelt. Es liegen bereits zwei anstrengende Wochen hinter ihr. Sitzungen bis in die späte Nacht.

Den Fraktionssaal mit Aussicht haben die Piraten von den Linken übernommen. Deren Plakate liegen noch zusammengerollt in einer Ecke. „Könnte man auch aufhängen“, sagt einer der Piraten. „Mit anderem Logo. Aber inhaltlich…“. Eine gewisse Nähe gibt es. Da verwundert es nicht, dass sich die Piraten beim Personal der Linken bedienen. Felix Oekentorp, ehemaliger Vorstandsreferent bei den Linken ist Interims-Berater der Piraten geworden.Überraschend: Die Piraten haben zudem Björn Luxat ins Boot geholt, Ex-Büroleiter des Düsseldorfer CDU-Abgeordneten Stefan Wiedon. Dieser hatte sein Direktmandat verloren. „Die beiden sind charakterlich sehr unterschiedlich“, sagt Simone Brand. „Als sich beide vorgestellt hatten, haben wir uns angeschaut und gesagt: Die beiden zusammen, das wärs.“ Drei Monate haben sie Zeit sich zu bewähren. „Was sollen wir Piratenmitglieder einstellen, die sich hier genauso wenig auskennen wie wir“, begründet Monika Pieper. Das Parteibuch sei nebensächlich. Gleiches gilt für den Justiziar der Fraktion –  ebenfalls ein Linker auf Probe, aber mit guten Chancen, den Job zu behalten. „Ich hätte nie gedacht, wie viele Leute wir einstellen müssen“, sagt Simone Brand.

Christian Haardt hat nur eine eingestellt. Der CDU-Ratsherr, dem wie allen Abgeordneten monatlich 3776 Euro für Personalkosten zur Verfügung stehen, ließ dabei alle Bewerber an Ex-Landtagsmitarbeitern abblitzen. „Ich wollte keinen Versorgungsposten schaffen“, sagt er. „Ich wollte jemanden, der brennt.“ Eine Uni-Absolventin, die halbtags für Haardt arbeiten wird und nebenbei ihren Master macht. Zudem will Haardt zwei bis drei 400-Euro-Kräfte in seinem Bochumer Wahlkreis beschäftigen. Haardt will zudem in einer der hinteren Reihen im Parlament sitzen bleiben. Monika Pieper muss als parlamentarische Geschäftsführerin in die erste Reihe. Carina Gödecke ganz oben aufs Podium. Ihre erste Amtshandlung war am Donnerstag die Entlassung von Hannelore Kraft. Den Rausschmiss als Ministerpräsidentin dürfte diese aber gut verkraftet haben. Ein formaler Akt. Ende Juni wählt das Landesparlament mit Gödecke an der Spitze eine neue Regierung.