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Plötzliches Ende der Hilfe für ausländische Studierende

Hochschul-Asta

Ende April traf den Verein "Hilfe für ausländische Studierende in Bochum" ein harter Schlag: Der allgemeine Studierendenausschuss der Hochschule Bochum, Gründungsmitglied des Vereins, entzog ihm jegliche finanzielle Unterstützung. Ohne Vorwarnung.

BOCHUM

von Von Tim Stobbe

, 21.06.2012
Plötzliches Ende der Hilfe für ausländische Studierende

Nach dem Zusammenbruch des Regimes in ihrem Heimatland befanden sich so vor allem syrische Studenten plötzlich in einer finanziellen Notlage. Hunderte Studierende aus dem Ausland zieht es jedes Semester an die Bochumer Hochschulen. Viele kommen mit einem Stipendium oder Austauschprogramm. Andere haben es finanziell schwerer oder geraten unverschuldet in Geldnöte. Der Verein „Hilfe für ausländische Studierende in Bochum“ unterstützt diese jungen Menschen. Allerdings hat auch er ein Problem: Geldnot.

Ende April traf den Verein ein harter Schlag. Der allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Hochschule Bochum (Hobo), Gründungsmitglied des Vereins, entzog ihm jegliche finanzielle Unterstützung. Ohne Vorwarnung. „Eine kurze Email, keine Begründung“, erklärt der Vereinsvorsitzende Christian Uhlig. „Wir waren geschockt.“ Denn neben der Ruhr-Uni war der Asta der Hochschule auch finanziell größter Unterstützer. „Ein unverständlicher Schritt“, betont Studentenpfarrer und Mitglied des Vereinsvorstands Markus Sorg. Auch der Asta der RUB reagierte mit Unverständnis, insbesondere wegen der fehlenden Begründung. Für Aufsehen sorgte zudem, dass in den vergangenen Jahren auch Studierende der Hobo gefördert wurden – durchaus zum Vorteil der Hochschule. Denn während sie sich von 2005 bis 2010 mit rund 31 500 Euro am Verein beteiligte, erhielten Studierende der Hobo Leistungen in Höhe von fast 74 000 Euro. Und der Verein sieht sich ohne ihre Unterstützung nicht mehr in der Lage, Studierende dieser Hochschule zu fördern.

„Solidarität ist ein Grundpfeiler des Vereins“, erklärt Uhlig. „Aber unsere Mittel sind sehr begrenzt.“ Ein Blick auf die Lage einiger der Geförderten zeigt, wie dramatisch die Situation für Studierende werden kann: Mietrückstände, fehlende Krankenkassenbeiträge bis zur Exmatrikulation, leerer Kühlschrank – in solchen Fällen gibt es kaum unterstützende Programme, arbeiten dürfen die Studierenden maximal 90 Tage im Jahr. Ein Studienabschnitt in Deutschland ist aber verlockend und aussichtsreich, insbesondere das Ingenieurswesen und die Naturwissenschaften genießen im Ausland einen exzellenten Ruf. Finanzielle Unwägbarkeiten werden angesichts dessen in Kauf genommen. Viele geraten nicht einmal aus eigenem Verschulden in Not. So bereitet der Auslandsaufenthalt derzeit syrischen Studierenden große Probleme.

Zu der bohrenden Sorge um Familie und Freunde in der Heimat kommen finanzielle Nöte. Selbst wenn sie Unterstützung aus der Heimat hatten, ist diese seit Zusammenbruch des Regimes abgebrochen. Familien können ihren Jobs nicht mehr nachgehen und Finanztransaktionen finden nicht statt. Inzwischen gab es jedoch Entwarnung für den Verein: Der Asta der Hobo hat gewechselt und rudert zurück. „Es war eine turbulente Übergangsphase“, erklärt der neue Vorsitzende Dennis Weiz. „Aber wir werden diese Entscheidung nicht weiter tragen.“ Damals wollte der Asta einen eigenen Hilfsfond einrichten. „Offensichtlich hat da jemand den Aufwand unterschätzt“, so Weiz. „Das hätten wir niemals stemmen können.“ Der Wille ist da, erste Gespräche fanden statt. Eine Einigung, wie genau die Beteiligung aussehen wird, erwarten sie erst im Juli. Doch auch hilfsbedürftige ausländische Studierende der Hobo werden bald wieder auf Unterstützung des Vereins bauen können.