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Dixis sind zu eng

Polizeiliche Klo-Probleme im Großeinsatz

Düsseldorf Der Polizei fehlen bei Einsätzen mobile Toiletten, die die Beamten benutzen können. In Dixiklos kommen die Polizisten mit ihrer Ausrüstung kaum hinein. Viele Frauen trinken deshalb bei Großeinsätzen nichts.

Polizeiliche Klo-Probleme im Großeinsatz

Solche WCs sind meist zu eng für die Polizisten und ihre Ausrüstung. Foto: picture alliance / dpa

Miriam Meyer (Name und Alter geändert) achtet darauf, vor und während eines Großeinsatzes möglichst nichts zu trinken. Selbst, wenn die 28-Jährige Durst hat, schwitzt oder es warm ist, verzichtet sie möglichst auf Getränke. „Denn dann besteht das Risiko, dass ich auf Toilette muss – und das will ich nicht eingehen“, sagt die junge NRW-Polizistin.

Denn der Polizei fehlen mobile Einsatztoiletten bei Großeinsätzen wie etwa bei Demonstrationen, wo die Beamten zum Teil stundenlang im Einsatz sind. In der Regel gibt es dann – wenn überhaupt – nur wenige Dixiklos für Hunderte Polizisten. In einigen Fällen müssen die Beamten die wenigen Anlagen auch noch mit den Demonstranten teilen – auch mit gewaltbereiten, die sie bewachen.

Eine Qual für die Polizisten

Viele Beamte müssten sich in die vereinzelt aufgestellten, viel zu engen und zumeist verdreckten Dixiklos zwängen. Für viele eine Qual, heißt es. „Manchmal steht dann da sogar nur ein Dixiklo für alle. Da kommen die mit ihrer Schutzausrüstung gar nicht rein. Das geht gar nicht“, so Ernst Walter, Vorsitzender der Deutschen Bundespolizeigewerkschaft (DPolG). „Das ist zum Teil gruselig, was da passiert. Man muss sich das nur vorstellen, wie es ist, wenn Hunderte Polizisten auf einem Außeneinsatz keine Toilette haben.“

Polizeiliche Klo-Probleme im Großeinsatz

Polizisten im Einsatz - in voller Montur. Der Toilettengang auf einem Dixi-Klo ist damit fast unmöglich. Foto: picture alliance / Ingo Hahne/dp

Bei Demos in Innenstädten wie am vergangenen Wochenende bei der Kurden-Demo in Düsseldorf suchen die Polizisten deswegen häufig Toiletten in Restaurants, Bars, Hotels und Cafés auf. „Vor Kurzem sind wir gleich mit mehreren Kollegen zusammen in ein McDonalds gegangen, weil wir alle mussten. Die Leute gucken uns dann immer total komisch an und machen ihre Scherze über uns.“

Besonders Frauen leiden

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) setzt sich vor allem die Frauengruppe mit dem Thema auseinander. Denn besonders die Beamtinnen leiden unter dieser Situation, weil sie anders als ihre männlichen Kollegen nicht ohne Weiteres einfach an den nächsten Baum gehen könnten. „Weil die Frauen nichts trinken, kommt es vor, dass sie unter ihren schweren Uniformen dehydrieren“, bestätigt ein Sprecher der GdP. „Das ist ein wirklich großes Problem und kein schöner Zustand“, betont er.

Es soll auf Demonstrationen, so heißt es aus Polizeikreisen, sogar Leute geben, die gezielt Polizistinnen mit Teleobjektiven bei der Verrichtung ihrer Notdurft fotografieren. Die Polizei in NRW plädiert wegen der widrigen Umstände für die Anschaffung von sogenannten Toilettenlastwagen mit geräumigen sanitären Anlagen und Kabinen mit Helmhalterung, in die die Beamten auch mit ihrer schweren Schutzuniform problemlos hineinkommen. Bislang gibt es bundesweit bei der Bundespolizei ein einziges solches Fahrzeug. „Und dafür haben wir jahrelang gekämpft“, sagt Walter.

Polizeiliche Klo-Probleme im Großeinsatz

Einen solchen Toilettenwagen wünscht sich die Polizei in NRW.

Auch die NRW-Polizei würde sich sehr über die Anschaffung solcher Fahrzeuge freuen. „Das macht auf jeden Fall Sinn und würde Abhilfe schaffen. Denn so wie bisher geht es eigentlich nicht weiter“, sagt Erich Rettinghaus, NRW-Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG).

Möglicher Knackpunkt könnten die Kosten sein: Ein solcher Toilettenwagen soll rund 200.000 Euro teuer sein. Für Miriam Meyer wäre das aber gut angelegtes Geld. „Zu einer vernünftigen Ausrüstung gehören neben Helmen und Westen auch gute Sanitäranlagen.“ Das NRW-Innenministerium nimmt die Klo-Debatte nach Bild-Informationen durchaus ernst. Die Diskussion sei „nicht abwegig“, sagt Ministeriumssprecher Wolfgang Beus dem Blatt. „Deswegen gibt es Vorgaben an die Einsatzleitung, dass sanitäre Einrichtungen zur Verfügung stehen müssen.“ Dies sei aber manchmal schwer umsetzbar – besonders im Gelände.

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