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Post-Tarifkonflikt eskaliert: Verdi weitet Streiks aus

Berlin/Bonn (dpa) Unbefristete Streiks bei der Post: Mehr Geld, kürzere Arbeitszeiten und Rücknahme von Entscheidungen im Paketgeschäft. Verdi verlangt viel im Tarifkonflikt beim gelben Riesen. Für die Kunden halten sich die Folgen des Ausstands in Grenzen. Doch das könnte sich ändern.

Post-Tarifkonflikt eskaliert: Verdi weitet Streiks aus

Streikposten vor dem Postverteilerzentrum in Hamburg Altona. Foto: Axel Heimken

Im festgefahrenen Post-Tarifkonflikt weitet die Gewerkschaft Verdi den Arbeitskampf massiv aus: Nachdem vor allem in den Briefverteilzentren rund 8000 Beschäftigte dem Aufruf zu Arbeitsniederlegungen gefolgt waren, sollen jetzt auch Briefträger und Paketboten schrittweise einbezogen werden.

Damit könnten sich die Folgen des Ausstandes, die sich bislang in Grenzen hielten, auch bei den Postkunden immer stärker bemerkbar machen.

Seit Wochenanfang stehen beim weltweit größten Post- und Logistikkonzern die Zeichen auf Konfrontation. Nicht mehr mit Nadelstichen, sondern mit unbefristeten Streiks will Verdi die Post zum Einlenken zwingen.

In der vergangenen Woche war der Streit zwischen dem Postmanagement und Verdi eskaliert. Ein Angebot der Gewerkschaft, das unter anderem die Rückführung der ausgegliederten regionalen Paketgesellschaften in den Haustarifvertrag und den Verzicht auf lineare Gehaltserhöhung vorsah, hatte die Post als Mogelpackung zurückgewiesen.

Bislang hielten sich die Folgen des Streiks für die Briefempfängern in Grenzen. Nach Einschätzung der Post werden durch die Arbeitsniederlegungen rund 7 Millionen Briefe oder 11 Prozent aller Sendungen ihren Empfänger erst einen Tag später erreichen. Die Beteiligung an dem unbefristeten Ausstand liege aktuell auf dem Niveau der vergangenen Warnstreiktage, teilte das Unternehmen mit.

Doch die Lage könnte sich durch eine Ausweitung des Arbeitskampfes ändern. So wollten auch Online-Händler wie Zalando Auswirkungen auf die Kunden nicht mehr ganz ausschließen. «Natürlich ist ein Streik eine unvorhersehbare Situation, weshalb wir einzelne längere Paketlaufzeiten nicht ausschließen können», räumte eine Unternehmenssprecherin ein. Aber die Kunden könnten sich darauf verlassen, dass ihre Lieferungen so schnell wie möglich und in den allermeisten Fällen auch pünktlich bei ihnen seien. Ein Wechsel des Anbieters sei derzeit nicht geplant.

Post-Chef Frank Appel zeigte sich zuversichtlich, dass das Unternehmen die Folgen des unbefristeten Ausstands abfedern kann. «Wir hatten ja in diesem Jahr schon 28 Streiktage und können damit umgehen», sagte Appel der «Bild».

Zugleich kritisierte er den Kurs der Gewerkschaft und kündigte an, hart zu bleiben. Es stelle sich die Frage, ob Verdi «vorrangig Eigeninteressen oder die wirklichen Interessen der Arbeitnehmer» verfolge. «Unsere Löhne liegen doppelt so hoch wie bei unseren Wettbewerbern - wenn wir so weitermachen, entstehen neue Arbeitsplätze in der Paketzustellung nur noch bei der Konkurrenz», sagte Appel dem Blatt.

Das sieht Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis, die zugleich stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Post ist, anders. Das Unternehmen sei konkurrenzfähig und mache Riesengewinne. «Die Post gewinnt Jahr für Jahr Marktanteile von diesem riesigen, wachsenden Paketmarkt dazu und deswegen hat die Post heute kein Problem mit den Mitbewerbern.» Sie forderte den Konzern auf, «möglichst schnell einzulenken und uns ein Ergebnis, was wir auch annehmen können, vorzulegen.»

In dem Tarifkonflikt geht es um die Arbeitsbedingungen von rund 140 000 Beschäftigten. Vor allem aber wird über die Ausgründung von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung gestritten.

Verdi sieht darin einen Bruch bestehender Vereinbarungen mit dem Management. In diesen Unternehmen arbeiten bereits mehr als 6000 Paketboten, die nicht nach dem Haustarif der Post bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche. Verdi will erreichen, dass sie tariflich unter das Dach der Post zurückkehren.

Bei der Post arbeiten auch 40 000 Beamte, die nicht streiken. Daher hatte die Post auch bei wochenlangen Warnstreiks zuletzt einen Teil ihres Angebots aufrechterhalten können. Millionen Briefe und Pakete kamen allerdings deutlich verspätet.

Pressemitteilung Verdi

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