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Premiere von «Harper Regan»

Salzburg (dpa) Mit der Teenager-Tochter gibt es Probleme, der Job reibt sie auf, ihr Ehemann fragt vorher, ob er sie umarmen soll und irgendwie ist sie plötzlich alt geworden, ohne je eine Lederjacke besessen zu haben.

Premiere von «Harper Regan»

«Harper Regan» zeigt Alltagsprobleme von Frauen.

Mit der deutschsprachigen Erstaufführung von «Harper Regan» am 22. August in Salzburg hat der britische Erfolgsautor Simon Stephens Alltagsprobleme von Frauen auf die Bühne gebracht. Die letzte Premiere bei den diesjährigen Festspielen mit Martina Gedeck in der Hauptrolle einer Frau «um die 40» wirkt wie ein moderner Kontrapunkt zum alljährlichen Traditionsstück «Jedermann», in dem diesmal eine «Jederfrau» auf Sinn- und Selbstfindungstour geht.

Die Premiere unter der Regie von Ramin Gray wurde mit Spannung erwartet und sollte einer der Schauspiel-Höhepunkte der diesjährigen Festspielsaison werden. Stephens hatte mit seinem Kriegsheimkehrerdrama «Motortown» in Europa Erfolge gefeiert, die beliebte Kino- und Fernsehschauspielern Gedeck («Das Leben der Anderen», «Elementarteilchen») gilt als wandlungsfähig und ausdrucksstark. Doch das Alltagsdrama in Salzburg wirkte bei seiner Premiere stellenweise allzu alltäglich und Gedeck als Durchschnittsfrau schlicht durchschnittlich. Der Applaus der Premierengäste fiel nur zurückhaltend-freundlich aus. Ab Ende September ist das Stück im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg zu sehen.

Leicht traumwandlerisch und sehr zurückgenommen schreitet Gedeck als Harper Regan auf einer kleinen, an einen Schaukasten erinnernden Bühne (Jeremy Herbert) ihre Alltagsstationen ab. Deutlich energiegeladener zieht Marie Leuenberger als Tochter Sarah die Blicke auf sich. Auch Marlen Diekhoff als Harpers Mutter überzeugt in einem schwierigen Mutter-Tochter-Verhältnis.

Ob Einbauküche oder graue Bürolandschaft, die beengenden Alltagsräume werden von Bühnenarbeitern immer neu um die pflichtbewusste Harper herum gebaut. Ihr Vater liegt im Sterben, doch ihr Chef will ihr nicht freigeben. Sie kann sich den Verlust ihres Jobs nicht leisten, da ihr als Sexualstraftäter vorbestrafter Mann arbeitslos ist und die Schule der Tochter bezahlt werden muss. Ehemann Seth (Samuel Weiss) wurde beim Fotografieren von nackten Zehnjährigen im Park erwischt, beteuert aber seine Unschuld, Näheres bleibt im Unklaren.

Die brave Hausfrau und Mutter bricht aus ihrer Welt aus und fährt zu ihrem Vater. Als sie ihn nur noch tot antrifft, schlägt sie in einem Pub einem antisemitischen Journalisten ein Glas ins Gesicht, klaut ihm die Lederjacke, schläft mit einem Fremden und sagt ihrer Mutter die Meinung. Schließlich kehrt sie geläutert nach Hause zurück und will allen nur noch die Wahrheit sagen.

Stephens überlässt bei seinen konzentrierten Dialogen nichts dem Zufall, doch gerade dadurch wirkt das Stück allzu konstruiert. Tochter Sarah erzählt bei ihren Geografie-Hausaufgaben von einem Gletscher, dessen Eisschichten sich anfangen zu bewegen, wenn sie zu schwer werden - das Bild für die Entwicklung ihrer Mutter. Die holt sich ihr Leben mit geklauter Lederjacke zurück und am versöhnlichen Ende nimmt die Tochter die Kopfhörer ab, um ihrer Mutter endlich richtig zuzuhören. Nachdem Harper Blumenzwiebeln in den Garten pflanzt, die hoffentlich bald prachtvoll erblühen, erzählt der Vater am Frühstückstisch von Zukunftsplänen.

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