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Aktive Senioren

Professor aus Münster schlägt Arbeit im Alter vor

Münster Schon die Debatte um die Rente mit 67 ist in den letzten Jahren mit harten Bandagen geführt worden. Jetzt geht ein Wissenschaftler aus Münster noch einen Schritt weiter: Er schlägt vor, sogar bis 75 zu arbeiten – wenn die Gesundheit es zulässt.

Professor aus Münster schlägt Arbeit im Alter vor

Ältere Arbeitnehmer sind fitter als angenommen - meint Prof. Hertel aus Münster.

„Wir sind heute im Schnitt so fit wie Menschen noch nie zuvor. Warum sollten wir dieses Potenzial nicht ausschöpfen?“, fragt Prof. Guido Hertel von der Uni Münster. Heute werde Arbeit im Alter oft noch als problematisch angesehen, meint Hertel. Zu unrecht, so das Ergebnis einer Studie, die der Leiter des Instituts für Organisations- und Wirtschaftspsychologie jetzt vorgestellt hat. Über 10 000 Interviews mit älteren Arbeitnehmern haben Hertel und sein Team in den letzten sechs Jahren ausgewertet, dazu 30 000 Fallbeispiele aus anderen Studien. Das Ergebnis: Arbeitnehmer über 50 sind weniger auf die Karriere fixiert, stressresistenter und teamorientierter als ihre jüngeren Kollegen. Dieses enorme Potenzial werde heute oft verschwendet. „Die Rente mit 65 oder 67 ist ja kein Naturgesetz“ sagt Hertel. Wer noch fit sei und arbeiten wolle, solle auch die Möglichkeit dazu bekommen. Tatsächlich gibt es bereits einen Trend zur Arbeit im Alter: Im Jahr 2010 arbeiteten über 40 Prozent der 60- bis 64-Jährigen, mehr als doppelt so viele wie noch zehn Jahre zuvor. Und auch das Ehrenamt ist bei Senioren beliebt: Nach Angaben des Informationsportals „statista“ gingen 37 Prozent der 65- bis 69-Jährigen im Jahr 2009 einer sozialen Tätigkeit nach. So viele aktive Senioren gab es noch nie in Deutschland. „Wer arbeiten will und kann, soll dies auch tun“, meint auch Dr. Laura Romeu Gordo, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) in Berlin. Und doch müsse man auch fragen, für wen eine Beschäftigung jenseits der 65 überhaupt in Frage komme. Denn für viele sozial schwächer gestellte Menschen, die einen Zuverdienst zur Rente gut brauchen könnten, stelle sich diese Frage gar nicht. Diese seien aus gesundheitlichen Gründen meist nicht mehr in der Lage, ihren Beruf fortzusetzen, so Romeu Gordo. Noch immer gehen besonders Beschäftigte aus körperlich anstrengenden Berufen viel früher in Rente. Wer etwa auf dem Bau arbeitet, hört im Durchschnitt mit 58 Jahren auf. Auch Krankenschwestern halten oft nicht mal bis 60 durch. Insgesamt schafft es heute nur jeder Dritte überhaupt bis zum 65. Lebensjahr. Nur wenige Rentner – laut einer Studie waren es im Jahr 2008 sieben Prozent – nahmen noch länger am Berufsleben teil. Ausschlaggebend hierfür seien aber keine finanziellen Gründe gewesen, gaben die beschäftigten Senioren an. Die Berufstätigkeit wurde meistens freiwillig fortgesetzt.

Dem Wirtschaftspsychologen Hertel geht es nicht darum, das Rentenalter weiter anzuheben. Vielmehr schlägt er vor, die Arbeitszeit im Laufe des Lebens flexibler zu gestalten. Wer in der Elternzeit oder für Reisen als junger Mensch eine längere Auszeit nehmen wolle, könne dafür im Alter eben länger arbeiten. Eine schöne und „romantische“ Idee, findet auch Romeu Gordo, doch etwas unrealistisch: „Auszeiten in jungen Jahren wirken sich oft negativ auf den späteren Erwerbsverlauf und die Alterssicherung aus.“ Hertel sagt, er habe auch keine „Bilderbuchlösung“ für diese unübersichtlichen Lebensläufe. Doch das halte ihn nicht davon ab, sich für ein neues Verhältnis zur Arbeit im Alter einzusetzen.

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