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Protestaktionen begleiten Olympia-Auftakt

Peking (dpa) Demonstrationen gegen die chinesische Herrschaft in Tibet und Menschenrechtsverletzungen in China haben den Beginn der Olympischen Spiele überschattet.

Protestaktionen begleiten Olympia-Auftakt

Eine Demonstrantin wird in Hongkong von Polizisten abgeführt.

Bei einem Protest auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) in Peking wurden fünf ausländische Demonstranten, darunter ein Deutscher aus dem mittelhessischen Gießen, festgenommen. Dies berichtete John Hocevar von der Organisation Students for a Free Tibet der Deutschen Presse-Agentur dpa am Samstag. Während der Eröffnungsfeier am Vortag waren nahe des Nationalstadions bereits drei Tibet-Aktivisten abgeführt worden. Sie wurden am Samstag abgeschoben. Zwischenfälle gab es auch zum Auftakt der Pferde-Wettbewerbe in Hongkong.

Bei der Aktion auf dem streng gesicherten Tian'anmen-Platz im Herzen der chinesischen Hauptstadt legten sich vier Aktivisten eingewickelt in eine tibetische Flagge wie sterbend auf den Boden. Ein anderes Mitglied der Gruppe habe rund 200 Zuschauern den Zweck der Aktion erklärt, berichtete Hocevar, der den Protest auf dem symbolischen Platz verfolgte. Nach etwa zehn Minuten hätten Zivilpolizisten die Demonstranten abgeführt. Das Schicksal der drei US-Bürger, eines Kanadiers und des Gießeners war unklar. Die deutsche Botschaft konnte die Festnahme des 21-Jährigen nicht bestätigen.

«Die Welt schaut heute auf China, während die Olympischen Spiele beginnen», teilte die Gruppe Students for a Free Tibet mit. «Mit dieser Aktion wird der Stimme des tibetischen Volkes Gehör verschafft, trotz der Versuche der chinesischen Behörden, sie zum Schweigen zu bringen.» Die Direktorin der Gruppe Lhadon Tethong sagte: «Der chinesischen Regierung darf nicht erlaubt werden, die Olympischen Spiele dazu zu benutzen, die Wirklichkeit ihrer unerbittlichen Herrschaft über Tibet zu verstecken.»

Nach dem Ausbruch der Proteste der Tibeter gegen die chinesische Fremdherrschaft in dem größten Hochland der Erde im März hatten Demonstrationen gegen Chinas Tibet-Politik schon den internationalen Teil des olympischen Fackellaufes überschattet.

Nach der Aktion auf dem Tian'anmen beschrieb Augenzeuge Hocevar die Reaktion der Sicherheitskräfte als eher zurückhaltend. «Dagegen wurden unsere Leute gestern innerhalb von einer Minute zu Boden gerissen», verwies er auf den Protest von drei Mitgliedern der Gruppe, die während der spektakulären Eröffnungsfeier in der Nähe des weiträumig abgesperrten Nationalstadions eine tibetische Flagge hochgehalten hätten. Bereits am Mittwoch hatten vier ausländische Tibet-Aktivisten nahe des Olympia-Geländes zwei Masten erklommen und Banner mit «Freiheit für Tibet» aufgehängt. Sie wurden auch am nächsten Tag aus China abgeschoben.

Auch bei den Pferdesport-Wettbewerben in Hongkong kam es zu Protesten. Eine Studentin schrie während der Vielseitigkeitsprüfung Parolen und zeigte ein Plakat. Sie wurde umgehend abgeführt. Zuvor waren zwei Menschen des Geländes verwiesen worden, die eine tibetische Fahne eingeschmuggelt hatten. Bereits bei der Eröffnungszeremonie am Vorabend hatten rund 50 Menschen vor dem Gelände des berühmten Hongkong Jockey Clubs gegen die Verletzung der Menschenrechte durch die chinesische Regierung protestiert.

In Peking kam es am Samstag am Eingang des Medienzentrums zu einem weiteren Zwischenfall, als ein ehemaliger Anwohner des Olympia-Parks protestierte. Der Mann beklagte, nach dem Abriss seines Hauses unzureichend entschädigt worden zu sein. Er forderte sein Recht ein, mit ausländischen Medien sprechen zu dürfen. Anwesende Polizisten ließen den wild gestikulierenden Mann gewähren, versuchten ihn aber zu überzeugen, den Protest aufzugeben. Mehrere Journalisten verfolgten die Szene. Nach etwas mehr als einer halben Stunde war der Mann verschwunden. «Am Ende hat die Polizei ihn wohl doch abgeführt», sagte eine Frau, die direkt daneben Anstecker verkauft hatte.

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