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Familiendrama in Niedersachsen

Psychiater: Eltern brauchen Kinder für ihr Selbstwertgefühl

HANNOVER Wie Eltern ihre eigenen Kinder töten können, scheint unbegreiflich. Wer selbst nicht mehr Leben will, bezieht aber andere manchmal in seine Selbstmordgedanken ein, erklärt der hannoversche Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Möller.

Der Fall eines Familienvaters aus Ilsede, der seine vier Kinder getötet haben soll, schockiert. Erst im Januar brachte ein Mann aus Düsseldorf seine Kinder um. Auch ein Däne, der im August 2011 seine beiden Töchter im Auto verbrannt hat, schockte die Republik. Wieso Kinder von ihren Eltern in Krisen manchmal als Waffen missbraucht werden und wieso manche dabei so extreme Wege gehen, erklärt Prof. Dr. Christoph Möller, Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Kinder- und Jugendkrankenhaus auf der Bult in Hannover, in einem Interview.

Prof. Möller: „Es gibt Situationen im Leben - zum Beispiel aufgrund einer schweren Depression - in denen das Leben nicht mehr lebenswert erscheint und man mit dem Gedanken spielt, das Leben zu beenden. In diese Selbstmordgedanken werden manchmal andere miteinbezogen, etwa die eigenen Kinder, so dass es zu einem erweitertem Suizid kommt. Dahinter steckt die Haltung 'Für mich ist das Leben so nutzlos, dann müssen die anderen auch mitsterben'. Sie werden also miteinbezogen in diese aussichtslose Beurteilung des eigenen Lebens.“

Prof. Möller: „Generell kann es Anzeichen geben, etwa wenn eine schwere depressive Grundhaltung oder Erkrankung da ist, die ohnehin mit einem höheren Suizidrisiko verbunden ist. Wenn es dann zu Lebenskrisen kommt, kann es zu Gedanken kommen, dass das Leben nicht mehr lebenswert ist. Das andere ist das Verhältnis zum Kind. Da kann es Anzeichen geben, etwa dass es eine sehr enge Bindung an das Kind gibt, dass der Erwachsene das Kind braucht. Aber das sollte auch nicht überbewertet werden, weil es meist ja nicht zu solchen Taten kommt.“

Prof. Möller: „Der Mensch ist ein Bindungswesen. Von der Kinderseite aus braucht es die Halt und Schutz gebende Bindung an die Eltern. Das Kind ist darauf angewiesen und beiden Eltern gegenüber loyal. Bei einer Trennung kommt das Kind in einen furchtbaren Konflikt, weil es beiden Eltern gerecht werden will. Manchmal wiegt diese Loyalität so schwer, dass sich das Kind auf die Seite eines Elternteils schlägt, häufig des schwächeren, das das Kind stärker braucht. Umgekehrt ist es häufig der Fall, dass Eltern ihre Kinder für ihr Selbstwertgefühl benötigen. Bei Trennungen kommt es oft zu subjektiv schweren Kränkungen. Damit müssen die Erwachsenen umgehen. Menschen stabilisieren sich zum Beispiel über Beziehungen, und Kinder sind ja erstmal so, dass sie Eltern mögen. Manche Väter oder Mütter versuchen dem anderen Elternteil die Kinder wegzunehmen. Das passiert aber nicht immer bewusst.“

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