Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige
Anzeige

Psychisch auffällige Kindern bleiben oft unbehandelt

Berlin (dpa) Sie sind aggressiv oder ziehen sich völlig zurück: Psychische Auffälligkeiten zeigt jedes fünfte Kind, beobachten Kinder- und Jugendärzte. Bei der Beratung und Vorbeugung hapere es, sagen sie.

Psychisch auffällige Kindern bleiben oft unbehandelt

Häufige Niedergeschlagenheit bei Kindern kann ein Zeichen für Depressionen sein. Oft bleiben behandlungsbedürftige Symptome jedoch unerkannt. Foto: Nicolas Armer

Sie sitzen allein vor der Mattscheibe und sind in ihren Familien oft unzureichend gefördert: Psychisch auffällige Kinder werden in Deutschland nach Einschätzung von Kinderärzten nur mangelhaft betreut.

Dabei zeige etwa jedes fünfte Kind in Arztpraxen psychische Auffälligkeiten, sagt der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands (BVKJ), Wolfram Hartmann. «Ein Großteil derjenigen, die im Kindesalter auffällig sind, haben ab dem Jugendalter oder als Erwachsene behandlungsbedürftige Symptome.»

Mit «auffällig» sind zum Beispiel Aggressionen gemeint. Psychisch krank sind die Kinder deshalb nicht unbedingt. Doch bereits bevor sie in die Schule kommen, zeigen Mädchen und Jungen den Kinderärzten zufolge auch immer öfter Anzeichen von Depression. Betroffene zögen sich zurück, scheuten Kontakte und machten einen traurigen Eindruck, sagte Hartmann. Die Ursachen sind kaum erforscht: Vernachlässigung könne ebenso wie Überforderung eine Ursache sein, vermuten Experten. 

Einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts zufolge berichteten gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger von psychischen Problemen als Jugendliche ohne. In Zukunft könnte sich das verschlimmern: Die steigende Zahl von Flüchtlingskindern mit schweren traumatischen Erlebnissen mache sich schon heute in den Praxen bemerkbar, sagte Hartmann: «Wir haben erhebliche Sprachbarrieren und keine Strukturen, um Hilfestellungen zu geben.»

Die meisten Kinder bleiben unbehandelt - Medikamente gegen psychische Auffälligkeiten seien mit Ausnahme der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ADHS beim Kinderarzt kein Thema. Doch zumindest die Vorbeugung, gerade bei Vorschulkindern, müsse sich verbessern, findet Hartmann: Beratungsangebote, bei denen pädagogische Fachkräfte Familien engmaschig betreuen, seien flächendeckend nötig.

Denn der Druck sei groß, den Erzieher und Lehrer auf die Kinder- und Jugendärzte ausübten: Etwa Ergotherapie und Logopädie sollen verordnet und die Kinder mit einer Diagnose versehen werden, die eigentlich nicht auf sie zutrifft, so Hartmann. Seine größte Sorge: Im geplanten Präventionsgesetz der Bundesregierung spiele das Thema bisher keine Rolle.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Leben : Gesund und Fit

Ritalin für Erwachsene: Wenn der Vorhang verschwindet

Frankfurt/Main (dpa) Nicht nur Kinder leiden an ADHS, auch Erwachsene bekommen Medikamente gegen Aufmerksamkeitsstörungen verschrieben. Vielen verhelfe das Medikament zu einem besseren Leben, sagen Mediziner. Manchmal stecken aber andere Motive dahinter, wenn Patienten um ein Rezept bitten.mehr...

Leben : Gesund und Fit

DLRG warnt vor Leichtsinnigkeit beim Schwimmen in Seen

Wiesbaden (dpa) Unter den Badetoten ist fast jeder Zweite 50 Jahre oder älter. Die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft warnt vor Leichtsinnigkeit an Seen - auch wenn das kühle Nass derzeit besonders lockt. Bestimmte Regeln gilt es zu beachten.mehr...

Leben : Gesund und Fit

Bei Kindern mit Schuppenflechte Blutdruck kontrollieren

Köln (dpa/tmn) Eltern aufgepasst: Wenn Kinder oder Jugendliche an Schuppenflechte leiden, liegt bei ihnen gleichzeitig ein erhöhtes Risiko für andere Krankheiten vor. Daher sollten regelmäßig Kontrollen und Tests erfolgen.mehr...

Leben : Gesund und Fit

Alkohol-Konsumenten machen andere oft zu Passivtrinkern

Hamm (dpa) Menschen, die viel Alkohol konsumieren, machen andere oft zu Passivtrinkern. Mit dem Wort bezeichnen Experten Kinder und Erwachsene, die unter dem Alkoholmissbrauch leiden. Kinder trifft es am stärksten.mehr...

Leben : Gesund und Fit

Kleine Kinder können von Fruchtsaft Durchfall bekommen

Berlin (dpa/tmn) Frisch Gepresster Saft ist gesund. Allerdings sollten Kinder nicht zu viel davon trinken, weil ansonsten Durchfall-Gefahr besteht. Experten verraten, was sich für die Vitaminversorgung besser eignet.mehr...

Leben : Gesund und Fit

Auch Kinder sollten eine Sonnenbrille tragen

Berlin (dpa/tmn) Adleraugen haben Menschen nicht ein Leben lang. Die Sehkraft lässt irgendwann nach. Dennoch können sie die Sehrkraft "pflegen". Dabei spielen Sonnenbrillen und eine gesunde Lebensweise eine Rolle.mehr...