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RUB-Mitarbeiter dolmetscht für Neuzugang Chong Tese

VfL Bochum

In der Jugend kickte er selbst. Doch Till Knaudt musste erkennen: Für die Fußball-Karriere reicht sein Talent nicht. In dieser Saison steht er dennoch mit den Profis auf dem Platz. Nicht als Spieler. Aber als Dolmetscher. Für Neuzugang Chong Tese.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 21.08.2010
RUB-Mitarbeiter dolmetscht für Neuzugang Chong Tese

Manchmal hilft Zeichensprache: Till Knaudt erklärt Chong Tese die Anweisungen.

Kaum war der Transfer des koreanischen Nationalspielers aus Japan perfekt, rief der VfL bei der Ruhr-Universität an. Eine ganze Fakultät beschäftigt sich dort mit Ostasien. Der Name Knaudt kam schnell ins Spiel. "Ich bin derjenige, der noch Ahnung von Fußball hat", sagt Till Knaudt. Der 30-Jährige spricht zudem Japanisch. Nicht perfekt, aber gut - wie er selbst sagt.Fest im Team Seit dem Chong Tese beim VfL ist, ist auch Till Knaudt fester Bestandteil des Teams, wurde herzlichst aufgenommen. Beim Training steht er an der Seitenlinie, beim Spiel sitzt er auf der Bank, in der Halbzeit in der Kabine. Für den wissenschaftlichen Mitarbeiter der RUB, der seit Jahren seinen VfL regelmäßig in der Ostkurve unterstützt, eine völlig neue Welt.Keine Jubel- und Unmutsäußerungen "Man muss aufhören, den Sport als Fan zu erleben, sondern das professionell angehen", beschreibt er seine neue Aufgabe. Jubel- und Unmutsäußerungen wie in der Fankurve sind auf der Bank nicht angebracht. Hier herrscht wachsame Unaufgeregtheit. Der Fan Till Knaudt musste sich zusammennehmen, um nicht all zu offensichtlich mitzufiebern. "Anfangs bin ich da schon aufgefallen", sagt Knaudt und lacht. "Aber ich falle auch auf, weil ich der Kleinste bin."Umschreibungen in drei Sätzen In der Kabine fällt Till Knaudt ebenfalls auf, wenn er die Ansprache des Cheftrainers für Chong Tese ins Japanische übersetzt. "Manchmal brauche ich dann drei Sätze, um etwas zu umschreiben", sagt Knaudt.   Doch da sein Sprach-Schützling auf dem Platz stets umsetze, was Trainer Funkel verlangt, ist der Übersetzer zuversichtlich: "So falsch kann das ja dann nicht gewesen sein."Vermittler zwischen den Kulturen Seit drei Wochen ist Till Knaudt beim VfL. Inzwischen spricht er mehr Deutsch. Auch mit Chong Tese, der fast jeden Abend nach dem Training noch Sprachunterricht bekommt. "Er lernt schnell", bescheinigt ihm Knaudt. Tese habe immer ein Notizbuch mit Vokabeln dabei. Knaudt ist mehr als nur Übersetzer, er ist ein Vermittler zwischen den Kulturen. Er warnt zum Beispiel vor Blauschimmelkäse. "Ich kenne keinen Japaner, der den mag", sagt er. Oder er gibt Tipps zum Trinkgeld, denn das sei in Japan völlig unüblich.Erstes Ligaspiel Am Montag (23.) wird Till Knaudt, der nebenbei noch seine Dissertation schreibt und ein Seminar an der Uni gibt, sein erstes Bundesligaspiel von der Seitenlinie aus erleben. Der TSV 1860 München ist zu Gast beim VfL. Knaudt ist vorbereitet. Auf taktische Anweisungen des Trainers. Auf medizinische Diagnosen des Arztes. "Die Anatomie des Beins habe ich mir noch mal auf Japanisch angeschaut", sagt Knaudt. Hoffentlich wird er dieses Vokabular nicht brauchen.