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Rabbi verdient zu wenig - Familie zur Ausreise aufgefordert

Duldung

"Ich bin kein Rabbiner ohne Arbeit, ich bin ein Rabbiner mit viel Arbeit und wenig Lohn", sagt Dr. Moshe Navon. Und genau das ist ein Problem. Die Stadt Bochum hat Navons Familie vor Kurzem zur Ausreise aufgefordert, weil der Rabbiner und seine Frau kein Einkommen nachweisen können, das ausreicht, um ihren eigenen Lebensunterhalt und den ihrer vier Kinder zu gewährleisten.

BOCHUM

von Von Lisa Seiler

, 13.08.2010
Rabbi verdient zu wenig - Familie zur Ausreise aufgefordert

Dr. Moshe Navon und seine Frau Miriam.

Dagegen hat Navons Anwältin Annette Kärger-Steinhoff beim Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen Klage eingereicht. Für die Dauer des Eilverfahrens hat die Stadt eine Duldung der Familie verfügt. Entscheidet das Gericht gegen die Navons, müssen sie Deutschland wohl verlassen.

Keine Verlängerung Moshe Navon ist in Sibirien geboren. 1991 zog er mit seiner Frau Miriam nach Jerusalem. Dort wurden ihre Söhne Tuvia (15), Eayl (13), Daniel (11) und Elijahu (9) geboren.

2008 ging Navon nach Deutschland, um bei der jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen eine Stelle als Rabbiner anzutreten. Seine Familie folgte ihm.

Als Navons Vertrag ein Jahr später auslief, entschied sich die Gemeinde gegen eine Verlängerung. Seitdem ist die Familie des liberalen Rabbiners auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Als Seelsorger tätig Dabei kann sich Moshe Navon nicht über zu wenig Arbeit beklagen. So hält er regelmäßig Gottesdienste in den liberalen jüdischen Gemeinden Unna, Oberhausen und Bad Pyrmont ab, wo er auch als Seelsorger tätig ist.

Für das kommende Wintersemester hat er außerdem nach eigenen Angaben Lehraufträge im Umfang von acht Wochenstunden sicher.  Er soll an der Ruhr-Uni, der Evangelischen Fachhochschule Bochum und am Jüdischen Institut der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf unterrichten. All das bringt ihm aber nicht genug Geld ein, um seine Familie alleine zu ernähren. Dazu wären nach Berechnungen des Ausländerbüros der Stadt etwa 2200 Euro nötig.

Navons Anwältin Annette Kärger-Steinhoff ist allerdings der Meinung, dass das auch nicht das einzige Kriterium für die Entscheidung über das Bleiberecht der Familie sein darf. "Moshe Navons Tätigkeiten als Rabbi und Wissenschaftler sind wertvoll für die Gesellschaft", sagt sie. Das solle berücksichtigt werden.

Der Leiter des Ausländerbüros der Stadt Bochum, Hans Weckmüller, sieht hier aber keinen rechtlichen Spielraum: "Im Aufenthaltsgesetz ist davon nicht die Rede. Wir setzen geltendes Recht um." Aus menschlicher Sicht finde er den Fall - genau wie viele andere auch -  tragisch.