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Urteil wegen versuchten Mordes

Rachsüchtige Mieterin zündet Wohnung an

KREFELD Eine Mieterin überwirft sich mit ihrem Vermieter. Sie legt ihm Drohungen und Hundekot vor die Tür. Er kündigt ihr. Aus Rache zündet sie am Tag des Räumungstermins die Wohnung an - und wird nun wegen versuchten Mordes verurteilt.

Rachsüchtige Mieterin zündet Wohnung an

Eine rachsüchtige Mieterin soll in Krefeld ihrem Vermieter nach dem Leben getrachtet haben.

Weißer Kragen, schwarzer Pulli, freundliches Lächeln: „Sie sieht aus wie eine ganz liebe Frau, die man zum Kaffeekränzchen einlädt“, sagt Herbert Luczak, Vorsitzender Richter am Landgericht Krefeld.

Soeben hat seine Schwurgerichtskammer die auf den ersten Blick so liebenswerte Frau wegen versuchten Mordes verurteilt. Für ihren Vermieter war sie zum Alptraum geworden. Am Ende brannte sogar sein Haus.

Bestellbetrug und Hundekot 

Zuerst hatte er sich mit der Frau wegen des Lärms aus ihrer Wohnung in den Haaren. Dann fielen ihm die falschen Namensschilder auf, die die 39-Jährige angebracht haben soll, wenn sie Waren geliefert bekam: „Bestellbetrug“, sagt Richter Luczak knapp.

Der Streit eskaliert und der Vermieter, der im selben Haus wohnt, findet Todesdrohungen und Hundekot an seiner Wohnungstür. Er kündigt der arbeitslosen 39-Jährigen. Sein Anwalt setzt ihr eine Räumungsfrist.

Tatsächlich verlässt die Frau wie verlangt am geforderten Tag die Wohnung - in der aber unmittelbar danach Flammen lodern. Der Brand wird zum großen Glück der Hausbewohner rasch entdeckt. Die Feuerwehr hat wenig Mühe, ihn zu löschen. Verletzt wird niemand, der Schaden hält sich in Grenzen.

Bekennerschreiben

Nun sucht die Polizei nach der flüchtigen Mieterin. In der Nähe des Hauptbahnhofs im niederrheinischen Krefeld wird sie gefasst; die Ermittler finden bei ihr zwei Bekennerschreiben.

Aus denen geht hervor, dass die Frau, die der Richter als „ambivalent, hartnäckig und unbelehrbar“ beschreibt, sogar davon ausging, mit ihrer Brandstiftung Menschen umgebracht zu haben: „Ich habe Feuer gelegt und Leute sterben lassen.“

Ihr Verteidiger hat im Prozess einen schweren Stand: Seine Mandantin habe es sich noch anders überlegt und dem verhassten Vermieter nur einen Denkzettel verpassen wollen, argumentiert er - vergeblich.

Geringe Intelligenz attestiert 

Die Angeklagte gesteht, das Feuer aus Wut und Rache gelegt zu haben. Dass sie mit der Brandstiftung Menschen in Gefahr bringe, sei ihr nicht bewusst gewesen, beteuert sie aber im Prozess. Ihre Bekennerschreiben sprechen eine andere Sprache.

Ein Sachverständiger hatte der Angeklagten geringe Intelligenz attestiert. Dies sei bei der Strafhöhe berücksichtigt worden, sagt Richter Luczak. Das Urteil - es ist noch nicht rechtskräftig - quittiert die 39-Jährige, wie es scheint, mit einem Lächeln. 

Tödliche Mietstreitigkeiten 

Der Fall in Krefeld ist nicht der erste, der für die Mietparteien mit schweren Folgen endet. 

  • März 2015: Lebenslange Haft lautet das Urteil des Landgerichts Duisburg gegen einen 44-jährigen Bäcker. Er hatte seinen Vermieter nach erbittertem Streit um offene Wasserrechnungen in dessen Auto erschossen.
  • Dezember 2014: Wegen Totschlags verurteilt das Hamburger Landgericht einen 65-jährigen Hausbesitzer zu acht Jahren Haft. Der unter einer Psychose leidende Mann hatte seinen Mieter mit Hammerschlägen getötet. Vor der Tat hatte es jahrelang Streit gegeben.
  • April 2013: Nach einer Messerattacke auf die Vermieterin seiner Wohnung und deren Mann muss in Berlin ein 52-Jähriger wegen Mordversuchs acht Jahre hinter Gitter. Ihm drohte die Zwangsräumung.
  • April 2012: Das Landgericht Ravensburg verurteilt einen 40-jährigen Mann wegen Mordes an seiner Vermieterin zu lebenslanger Haft. Er hatte die Miete nicht regelmäßig gezahlt. Im Streit verletzte er sein Opfer so schwer, dass es an den Folgen starb.
  • Mai 2010: Weil er mit einer Axt auf seinen künftigen Vermieter einschlug, verurteilt das Landgericht Stuttgart einen 44-Jährigen zu zehn Jahren Haft. Wegen Umbauarbeiten war der Einzugstermin verschoben worden, der Mann hätte auf der Straße gestanden. 

von dpa

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