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Rafik Schami : Der neue Wurf eines Begnadeten

München (dpa) Ein bisschen erinnern Rafik Schamis Bücher an Tausendundeine Nacht: Es gibt eine Rahmenerzählung, in die unzählige Schachtelgeschichten eingewebt sind wie bunte Figuren in einen orientalischen Bilderteppich.

Rafik Schami : Der neue Wurf eines Begnadeten

Schriftsteller Rafik Schami stellt in seinem neuen Roman die verbotene Liebe zwischen Christen und Muslimen dar.

Auch der neue Roman «Das Geheimnis des Kaligraphen» des deutsch-syrischen Autors ist solch ein vielschichtiges Schmuckstück.

Am Anfang des Buches wabert ein Gerücht durch die engen Gassen der syrischen Hauptstadt Damaskus: Nura, die Frau des berühmten Kalligraphen Hamid Farsi, sei geflüchtet, so wird geflüstert. Und recht habe sie getan, so tuscheln Händler und Kundinnen. Schließlich habe ihr Mann selbst, von Geldgier getrieben, die Liebesbriefe für ihren Verehrer ersonnen.

Was wirklich geschah an jenem Morgen, erfährt der Leser nach einem Reigen detailverliebter Beschreibungen, die alle Sinne ansprechen. Noch einmal hundert Seiten mehr nutzt Schami, um zu erklären, wie aus einem unglücklichen kleinen Jungen der gestrenge Farsi wurde, der verbissen an Plänen für eine radikale Reform der arabischen Sprache festhält.

Schami schreibt, wie Geschichten sonst in trauter Runde erzählt werden: Immer wieder schweift er ab von der zentralen Handlung, streut Rückblenden ein, widmet sich kleinen Nebenschauplätzen oder springt gar zu ganz neuen Begebenheiten, wie sie einem Erzähler eben plötzlich in den Sinn kommen mögen. Um zwei große Themen dreht sich sein Roman: die Erstarrung der arabischen Schrift und um verbotene Liebe zwischen Christen und Muslimen etwa oder Männern, die sich zu ihresgleichen hingezogen fühlen.

Rafik Schami ist ein begnadeter Erzähler. Ihm gelingt, was nur wenige vermögen: aus Worten lebensechte Bilder zu schaffen, Gerüche und Geräusche heraufzubeschwören und Atmosphäre fühlbar zu machen. Das rasche Hin und Her der Geschichten mit ihren vielen Dutzend Protagonisten mag es anfangs schwierig machen, der Handlung zu folgen. Umso größer aber ist der Genuss, wenn sich die Begebenheiten schließlich zu einem Gesamtmosaik orientalischen Lebens zusammenfügen. Zurück bleibt ein Gefühl dafür, wie es so sein würde, ein Dasein in Damaskus, bestimmt von den Sitten und Regeln der syrischen Gesellschaft.

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. Seit 1971 lebt er in Deutschland. Der promovierte Chemiker begann 1982 zu schreiben. Verzückt waren Kritiker und Leser gleichermaßen vor allem von seinem Roman «Die dunkle Seite der Liebe» (2004) einem ebenfalls einer verbotenen Liebe gewidmeten Werk.

Rafik Schami

Das Geheimnis des Kalligraphen

Hanser Verlag, München

464 S., 24,90 Euro

ISBN: 978-3-4462-3051-4

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