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Mit 79 Jahren

Rauchender Mieter Friedhelm Adolfs ist tot

Düsseldorf Raucher Friedhelm Adolfs, der mit seinem Mietrechtsstreit jahrelang für Schlagzeilen sorgte, ist tot. Das sagte sein enger Freund Ferry Weber am Dienstag. Er habe Adolfs angerufen und dann von Adolfs‘ Lebensgefährtin erfahren, dass der 79-Jährige einen Herzstillstand erlitten habe und in einer Klinik am Montag gestorben sei.

Rauchender Mieter Friedhelm Adolfs ist tot

Raucher Friedhelm Adolfs zieht am 11.01.2016 vor dem Landgericht in Düsseldorf an seiner Zigarette. Im Streit um seine Düsseldorfer Mietwohnung gewann der Kettenraucher einen spektakulären Rechtsstreit. Jetzt ist der 79-jährige gestorben. Foto: dpa

Adolfs‘ Anwalt Martin Lauppe-Assmann bestätigte den Tod seines Mandanten. Im Jahr 2013 wurde Adolfs durch einen Prozess gegen seine Vermieterin bundesweit bekannt. Adolfs‘ Vermieterin hatte jahrelang versucht, den Raucher aus der Wohnung in Düsseldorf zu werfen, weil er die Nachbarn in dem Mehrparteienhaus unzumutbar belästigt und ihre Gesundheit gefährdet habe. Gegen die Kündigung des Mietvertrages zog Adolfs schließlich vor Gericht.

Der Streit zwischen den beiden Parteien war in Deutschland heiß diskutiert worden. Im Falle eines Scheiterns der Klage hatten Raucher befürchtet, in ihren Freiheiten im Zuge des Nichtraucherschutzes noch weiter eingeschränkt zu werden.

Keine Verletzung des Mieterpflicht

Im Jahr 2016 gab das Landgericht Düsseldorf Adolfs aber Recht. Das Gericht sah keine ausreichenden Beweise dafür, dass Adolfs mit seinem Zigarettenqualm den Hausfrieden gravierend gestört hat. „Die Beweisaufnahme hat kein so einheitliches Bild abgegeben, dass wir von einer nachhaltigen Verletzung der Mieterpflichten ausgehen könnten“, sagte Richter Rolf Maurer damals. Damit habe kein Grund für die Kündigung vorgelegen.

Der Rechtsstreit beschäftigte mehr als drei Jahren die Justiz. Zunächst hatte Adolfs mehrmals verloren: Er habe trotz seines starken Rauchens kaum gelüftet, der Qualm sei in den Hausflur gezogen und habe die Nachbarn erheblich belästigt, hieß es damals.

Chronologie des Falls

Der Rechtsstreit um den Düsseldorfer Raucher Friedhelm Adolfs beschäftigt seit mehr als drei Jahren die Justiz - vom Amtsgericht bis zum Bundesgerichtshof. Die wichtigsten Stationen:

  • 7. Mai 2013: Adolfs will sich vor Gericht gegen die fristlose Kündigung seiner Wohnung wehren und beantragt dafür Prozesskostenhilfe. Doch das Amtsgericht lehnt ab.
  • 8. Juli 2013: Das Düsseldorfer Landgericht stärkt Adolfs den Rücken. Er bekommt doch Prozesskostenhilfe.
  • 31. Juli 2013: Das Amtsgericht bestätigt die fristlose Kündigung. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit der Nachbarn habe in diesem Fall Vorrang vor dem Recht auf freie persönliche Entfaltung des Rauchers.
  • 30. Januar 2014: Hoffnung für Adolfs in der zweiten Instanz. Die Kündigung sei wohl aus formalen Gründen unwirksam, deutet das Landgericht in der mündlichen Verhandlung an.
  • 26. Juni 2014: Das 2:0 für die Vermieterin. Das Landgericht weist die Berufung von Adolfs doch zurück, lässt aber die Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) zu.
  • 18. Februar 2015: Der BGH gibt den Fall mit geharnischter Kritik nach Düsseldorf zurück und rügt Rechtsfehler: Kein Ortstermin, zu wenige Zeugen, keine Schadstoffmessung.
  • 18. März 2015: Die Vermieterin versucht vergeblich, Fakten zu
  • schaffen. Das Landgericht sagt den unmittelbar bevorstehenden Termin der Zwangsräumung von Adolfs‘ Wohnung ab.
  • 11. Juni 2015: Vor dem Landgericht beginnt die vom BGH angeordnete Neuauflage des Prozesses. Das Bemühen des Gerichts um eine gütliche Einigung bleibt fruchtlos.
  • 11. Januar 2016: Die umfangreiche Beweisaufnahme mit zahlreichen Zeugen ergibt ein widersprüchliches Bild der tatsächlichen Geruchsbelästigung. Eine Zeugin fehlt schwer erkrankt. Sie bleibt reiseunfähig und wird irgendwann in den Folgemonaten von einem Richter daheim vernommen.
  • 28. September 2016: Das Gericht hat die Urteilsverkündung angesetzt. Friedhelm Adolfs gewinnt den Rechtsstreit.

dpa

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