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Rechte Verlage in Leipzig: „Wir sind gerne die bösen Buben“

Leipzig. Rechte Verlage machen nur einen winzigen Teil der Aussteller auf der Leipziger Buchmesse aus - kokettieren aber medienwirksam mit dem Böser-Bube-Image. Es hat sich Widerstand formiert. Tumulte wie bei der Frankfurter Buchmesse soll es nicht geben.

Rechte Verlage in Leipzig: „Wir sind gerne die bösen Buben“

Ist gern ein „böser Bube“: Jürgen Elsässer, Herausgeber des Magazins Compact. Foto: Sebastian Willnow

Åsne Seierstad bemüht die norwegische Mythenwelt, wenn sie über die Zunahme von Rechtsextremismus spricht.

„In den norwegischen Märchen verwandeln sich Trolle in Steine, wenn sie von den Strahlen der Sonne getroffen werden. Das müssen wir auch mit Extremisten tun - sie herauslocken ans helle Tageslicht, sie unter die Lupe nehmen, sie entlarven“, sagt die mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnete norwegische Autorin.

Als sie ihr Buch über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik schrieb, konnte ihr noch nicht bewusst sein, dass das Thema auf der Leipziger Buchmesse eine eigene Dynamik bekommen würde.

Jenseits von Büchern und bunt verkleideten Mangafans ist eine heftige Diskussion über den Umgang mit rechtsgerichteten Verlagen entbrannt. Buchmesse-Direktor Oliver Zille hat sie zugelassen - allerdings nicht mal eine Handvoll haben Stände in der Ecke einer Halle bezogen. Für sie gilt, wie für alle anderen mehr als 2600 Aussteller: Sie müssen sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen. „Wir stellen uns aber gegen jede Form von Rassismus und Hetze“, betont der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner.

Auf den ersten Blick ist davon auch nichts zu sehen. Der Compact-Verlag hat zwar martialische Poster aufgehängt, etwa zur angeblichen Islamisierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Wehrmachtsuniform abgelichtet. Aber von Rassismus oder Sexismus keine Spur.

Chefredakteur Jürgen Elsässer vom Compact-Magazin kokettiert mit dem gesteigerten Interesse in den Medien. „Manche Besucher könnten durchaus davon abgehalten werden, zu den bösen Buben, den Schmuddelkindern zu gehen. Aber ich bin lieber ein böser Bube als ein Mitläufer und Weichgespülter.“ Zwischendurch reicht er mit einem Lächeln neugierigen Jugendlichen Aufkleber.

„Das selbstbewusste Auftreten rechter Verlage bei der Buchmesse ist ein Novum“, sagt René Arnsburg vom Manifest-Verlag aus Berlin. Er ist Mitinitiator von #verlagegegenrechts, einer Initiative, hinter der mittlerweile mehr als 70 unabhängige Verlage sowie rund 200 Einzelpersonen stehen, die einen Aufruf gegen rechte Stimmungsmache auf der Buchmesse unterzeichnet haben. „Wir werden nicht hinnehmen, dass rechte Ideologien auf der Buchmesse verbreitet werden“, betont Arnsburg.

Gemeinsame Podiumsdiskussionen mit den rechten Verlagen lehnt er ab. Diese könnten dort prominent weiter ihre rechten Ideologien produzieren. Arnsburg sucht lieber den Dialog mit den Messebesuchern, will mit ihnen eine inhaltliche, politische Diskussion. Tumulte wie im vergangenen Herbst auf der Frankfurter Buchmesse, als Dutzende linke Demonstranten während einer Buchpräsentation „Nazis raus“ skandierten und es gar zu Handgreiflichkeiten kam, will er auf keinen Fall. „Die helfen nur den rechten Verlagen, weil sie dann in der Opferrolle sind.“

Am rechtsgerichteten Antaios-Verlag hat man sich gegen eventuelle Tumulte gewappnet - zwei private Sicherheitsleute flankieren den Stand. „Ich rechne schon mit Protesten, vor allem am Samstag und Sonntag bei unseren Veranstaltungen“, sagt Vertriebsleiterin Sigrid Wirzinger. Bei einem Gespräch mit dem Sicherheitsbeauftragten der Messe habe man ihr gesagt, dass auch lautstarke Sprechchöre zur Meinungsfreiheit gehörten und nicht unterbunden würden.

Die Messe selbst schweigt zu ihrem überarbeiteten Sicherheitskonzept. „Es wäre ja keines mehr, wenn wir öffentlich darüber reden würden“, betont Direktor Oliver Zille. Er setzt auf die Mündigkeit der Besucher und deren Fähigkeit zu differenzieren. Zille will nicht zu viel über das Thema rechte Verlage reden. „Ich wünsche mir, dass das gesamte Programm beachtet wird und nicht nur einige laute Beiträge gehört werden.“

So sieht es auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Beim Festakt zur Eröffnung der Buchmesse am Mittwochabend warnte er davor, rechte Verlage in den Mittelpunkt zu rücken: Allenfalls fünf von über 2600 Ausstellern seien dem rechten Spektrum zuzuordnen. Da sei es doch fragwürdig, wie viel Gewicht man diesen beimesse.

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