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Regisseur Wolfgang Engel wird 65

Leipzig (dpa) Als Intendant hat er sich verabschiedet, doch in Rente geht er noch nicht: Wolfgang Engel, der am Mittwoch 65 Jahre alt wird, hat nach 13 Jahren die Leitung des Leipziger Schauspiels an den 25 Jahre jüngeren Sebastian Hartmann abgegeben.

Regisseur Wolfgang Engel wird 65

Wolfgang Engel im Leipziger Schauspielhaus

Er ist nun freier Regisseur. Im Mai 2009 hat «Wilhelm Tell» als seine Inszenierung in Dresden Premiere. Wie schon in den vergangenen Jahren beschränkt sich der gebürtige Schweriner aber nicht auf das Schauspiel. «Ich habe große Lust, Musiktheater zu machen, vor allem Opern aus Mitteleuropa reizen mich», sagt der Theatermacher. Seine erste Oper hatte er 1994 inszeniert: «Aus einem Totenhaus» in Stuttgart.

Seit rund einem halben Jahrhundert ist die Bühne Engels zweites Zuhause. Angefangen hat der Schweriner, der genau am Tag des Mauerbaus seinen 18. Geburtstag beging, in seiner Geburtsstadt. Direkt nach dem Abitur absolvierte er am Mecklenburgischen Staatstheater eine Schauspielausbildung. Bis 1974 war er dort Bühnenarbeiter, Schauspieler, Regieassistent und schließlich Regisseur. Dann wechselte der Sohn einer Verkäuferin und eines Beamten nach Sachsen; zunächst an die Landesbühnen in Radebeul, dann ans Staatsschauspiel in Dresden. Dort reihte sich Engel mit aktualisierten Klassiker-Fassungen und Heiner Müller-Werken in die erste Reihe der DDR-Regisseure.

Ob mit Schillers «Maria Stuart», Goldonis «Diener zweier Herren» oder der legendären DDR-Erstaufführung von Becketts «Warten auf Godot» - der «mecklenburgische Sachse» avancierte zum Meister der politischen Metapher. Zum SED-Staat blieb er auf Distanz, den DDR- Nationalpreis lehnte der Theatermann ab. In den 80er Jahren hatte er den Sprung in den Westen geschafft: In Saarbrücken stand 1983, 1984 und 1986 je eine Inszenierung des Hausregisseurs vom Dresdner Staatsschauspiel auf dem Programm. 1988 begeisterten Engels «Nibelungen» dann in Düsseldorf, wo sie «als eine andere Form der Aufarbeitung deutscher Geschichte» gefeiert wurden.

Nach dem Fall der Mauer ging Engel ganz in den Westen; als Spielleiter an das Schauspiel in Frankfurt/Main, wo er auch in den 80er Jahren schon inszeniert hatte. 1995 kehrte der Regisseur wieder nach Sachsen zurück, aber nicht nach Dresden, sondern Leipzig - als sechster Intendant des mittlerweile 51 Jahre alten Schauspiels Leipzig. Zum Einstand gab es Peter Handkes «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten», zum Ausstand Michail Bulgakows «Molière oder Die Verschwörung der Heuchler».

In den 13 Jahren dazwischen widmete sich der Regisseur stark dem künstlerischen Nachwuchs, wie Konstanze Lauterbach, Michel Thalheimer und Armin Petras. Mit zwei Event-Inszenierungen - dem siebenstündigen «Faust» und dem achtstündigen «Wallenstein» - sorgte er für ausverkaufte Säle, doch in vielen anderen Vorstellungen blieben Zuschauer aus. «Letztendlich haben wir nicht genügend Zuschauer erreicht. Ich bin ein wenig ratlos», sagte Engel kurz vor seinem Abschied. In der Spielzeit 2006/07 lag die Auslastung der Bühne bei 66 Prozent.

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