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Reisen auf den Spuren der Familie im heutigen Polen

Freiburg (dpa/tmn) Zu dem Haus in Pila hatte Helga Schoenfuss keinen Bezug mehr. Acht Jahre war sie alt, als ihre Familie aus dem früheren Schneidemühl im heutigen Polen vertrieben wurde. Die Erinnerungen waren spärlich, die Mutter redete nicht gern darüber.

Reisen auf den Spuren der Familie im heutigen Polen

So sah das Haus einmal aus: Über alte Bilder ergeben sich oft viele interessante Gespräche zwischen Besuchern und Bewohnern. (Bild: Heimatreise/dpa/tmn)

Pila war für Helga Schoenfuss weit weg. Bis die Töchter ihr zum 70. Geburtstag eine gemeinsame Reise in die polnische Stadt schenkten. Was dabei herauskam, ist ein reger Kontakt zu den heutigen Bewohnern - eine Erfahrung, die viele machen, die auf den Spuren der Familie reisen.

Krieg und Vertreibung sind schwierige Themen: Es waren die Deutschen, die mit dem Zweiten Weltkrieg unendlich viel Leid über die polnische Bevölkerung brachten. Und doch litten auch die Vertriebenen aus dem ehemaligen Ostpreußen, aus Schlesien und Pommern, die meist ihr komplettes Hab und Gut zurücklassen mussten. Seit der Maueröffnung zieht es immer wieder Menschen in die ehemaligen deutschen Gebiete. «Viele sind mit ihren Kindern und Enkeln hingefahren, um das frühere Elternhaus noch einmal zu sehen», sagt Hans-Werner Retterath vom Johannes-Künzig-Institut für ostdeutsche Volkskunde in Freiburg. «Viele sagen: 'Jetzt habe ich es noch einmal gesehen, jetzt ist es gut!'» Andere reisten immer wieder hin.

Solche Touren werden üblicherweise von Vertriebenenorganisationen angeboten. «Da ist das Folkloristische und Landsmannschaftliche oft stark verbreitet», sagt Bernd Mütter, emeritierter Professor am Institut für Geschichte der Universität Oldenburg. Daneben bieten Reiseveranstalter solche Fahrten an. Auf sie spezialisiert hat sich der Veranstalter Heimatreise aus Frankfurt/Oder.

«Die meisten machen solche Reisen, weil sie sich für die familiären Wurzeln interessieren», sagt Matthias Diefenbach von Heimatreise. Sie wollten nicht typische touristische Ziele anlaufen, sondern seien «entzückt, wenn sie den verfallenen Schuppen sehen, den der Vater gebaut hat». Ist der frühere Heimatort identifiziert, das Haus gefunden, stellt sich die vielleicht schwierigste Frage: Wie begegnen sich Menschen, die eine so leidvolle Geschichte teilen? Kann man einfach am früheren Elternhaus klingeln und um Einlass bitten? Helga Schoenfuss' Tochter hatte sich das nicht getraut, als sie Jahre zuvor Pila besuchte.

Helga Schoenfuss hatte auf ihrer Reise dann angefragt, ob sie das Haus von innen sehen dürfe. Eingeladen wurde sie zum Mittagessen - und sie blieb bis zum Abend. Das passiert nicht selten. «Viele haben Schwellenangst, wenn sie zum ersten Mal zum Heimatort der Familie fahren», sagt Prof. Mütter. Die deutsche Vergangenheit lässt sie zögern. Von polnischer Seite gebe es aber eine große Offenheit. Seit die Diskussion um die Grenze keine Rolle mehr spielt, sehe man sogar deutsche Ortsbezeichnungen auf polnischen Karten.

Nichtsdestotrotz sind Heimatreisende gut beraten, zurückhaltend aufzutreten. «Ich würde zum Beispiel versuchen, mit den heutigen Bewohnern zunächst ins Gespräch zu kommen», sagt Retterath und rät, erst im Verlauf zu fragen, ob es möglich ist, zu einem späteren Zeitpunkt das Haus von innen zu sehen. Eine nette Geste sei ein kleines Gastgeschenk, sagt Diefenbach. «Das kann eine alte Fotografie des Ortes sein. Daraus ergeben sich oft interessante Gespräche.»

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