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Richter: Mutter hat ihr Baby getötet

11.06.2018
Richter: Mutter hat ihr Baby getötet

Im Landgericht in Dortmund wurde vier Jahre lang verhandelt, ob eine Mutter ihr Baby getötet hat oder nicht. Das Gericht hat jetzt entschieden, dass die Frau schuldig ist.Menne © Dieter Menne

Eine Frau aus Lünen wurde am Montag vom Gericht zu drei Jahren und vier Monaten im Gefängnis verurteilt. Die Richter glauben, dass sie ihren Sohn vor vielen Jahren so heftig misshandelt hat, dass er daran gestorben ist. Ihr Baby Nils war erst sieben Monate alt.

Im Juni 2010 war Nils an schweren Verletzungen am Kopf gestorben. Es wurde vermutet, dass die Mutter ihn so heftig geschüttelt hat, dass er seinen Kopf an einem stumpfen Gegenstand gestoßen und sich schwer verletzt hat. Die Mutter hingegen sagt, dass der kleine Nils von ihrem Bett gefallen ist.

„Im Zweifel für den Angeklagten“

Das Urteil des Gerichts in Dortmund hat viele überrascht. Denn nicht nur die Anwälte, die die Mutter vor Gericht verteidigten, haben gesagt, dass die Frau unschuldig ist. Auch der Staatsanwalt, der im Gericht den Staat und damit auch die Anklage vertritt, hat am Ende den Freispruch für Nils’ gefordert. Er war der Meinung, dass man nicht sicher bestimmen kann, weshalb der kleine Nils gestorben ist – ob die Mutter ihn geschüttelt hat oder ob er vom Bett gefallen ist. Und wenn es Zweifel an einer Straftat gibt, muss das Gericht für die angeklagte Person entscheiden, das ist in Deutschland ein Gesetz.

Der Richter Wolfgang Meyer ist sich aber sicher, dass die Mutter Nils durch Schütteln getötet hat. Die Frau wurde wegen „Körperverletzung mit Todesfolge“, so der offizielle Ausdruck, verurteilt.

Der Prozess hat mit vier Jahren sehr lange gedauert. Das lag vor allem daran, dass vor Gericht so viele Experten angehört wurden. Immer wieder haben Mediziner und andere Wissenschaftler versucht, zu erklären, wodurch Nils‘ schwere Verletzungen entstanden sind. Manche waren überzeugt, dass es am Schütteln lag, andere waren sicher, dass Nils gefallen war. Einige Experten sagten auch, dass beides möglich ist.

Marie Ahlers

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