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Riesenloch klafft vor dem Tennisheim

ANNEN „Schöne Bescherung“, sagt Gerhard Böttcher, 2. Vorsitzender von Schwarz-Weiß Annen, und sieht sichtlich geschockt in die Tiefe. Wo er und seine Vereinskameraden den Verbindungsweg von Parkplatz zum Clubhaus nutzten, klafft jetzt ein 13 Meter tiefes Loch.

von Von Lisa Timm

, 18.12.2007

„Das ist die Kehrseite des Ruhrbergbaus“, kommentiert Gerald Klawe vom Ordnungsamt. Eigentlich hatten Gutachter Dr. Ing. Michael Clostermann und Vereinsmitglieder sich gestern morgen zur Routinekontrolle verabredet.

Sie wollten sich den bereits am 19. Januar dieses Jahres entdeckten Tagesbruch neben dem Verbindungsweg ansehen und Maßnahmen zur Sicherung erörtern. Vor Ort trauten sie ihren Augen nicht. An der Stelle, auf der sie bei zurückliegenden Kontrollen gestanden hatten, ist nichts mehr.„Das muss innerhalb der letzten 20 Tage passiert sein“ Das Erdreich ist einfach so in die Tiefe gerauscht. „Man darf gar nicht darüber nachdenken, was alles hätte passieren können“, ist auch der Mann vom Ordnungsamt beunruhigt.

Denn das, was jetzt 80 Jahre nach Schließung der Zeche Ringeltaube dort sichtbar wird, ist der einstige Förderschacht Meyer, der 270 Meter in die Tiefe geht – und offenbar nachlässig verfüllt wurde. 8,50 Meter mal 2,70 Meter sind die Maße des Schachtes. Das Ordnungsamt sorgte gestern für Abriegelung rund ums tiefe Loch. Niemand weiß, ob das Erdreich nicht noch weiter absackt.

Da beim Tennisclub Schwarz-Weiß Annen zurzeit Winterpause herrscht, hat vom gewaltigen Einsturz niemand was mit bekommen. „Das muss innerhalb der letzten 20 Tage passiert sein“, schätzt Gutachter Clostermann. Er ist damit beauftragt ein dauerhaftes Sicherungskonzept zu entwickeln. „Da muss Kies oder Beton rein“ Dafür wird er sich auch ins Loch abseilen lassen, um den Zustand des Schachtes zu prüfen. Sicher ist schon jetzt, dass auf keinen Fall mit Erdreich verfüllt wird. Die Gefahr, das es wieder ausgewaschen wird und nachrutscht, ist viel zu groß. „Da muss Kies oder Beton rein“, sagt Clostermann. „Ein Betonpfropf, ähnlich wie ein Sektkorken“, ergänzt Gerald Klawe.„Wir hatten Glück, dass niemandem etwas passiert ist“

„Allein in Witten gibt es über 2000 Tagesöffnungen als Hinterlassenschaft der Bergbauzeit“, weiß Gerald Klawe vom Ordnungsamt. Über den frischen Tagesbruch an der Dortmunder Straße ist ziemlich erschrocken. „Wir hatten Glück, dass niemandem etwas passiert ist“, sagt er.

Als die ersten bergbau-bedingten Erdreich-Absenkungen Ende der 90er Jahre Schlagzeilen machten, ging die Stadt Witten daran, sämtliche öffentlichen Stätten wie Sportplätze, Schulen, Kindergärten und Verwaltungsgebäude auf mögliche Bergbau-Altlasten hin zu untersuchen.

Damals mussten die Sportplätze vom TuS Heven und im Hammertal vorübergehend gesperrt werden. Auch das Umkleidegebäude des TuS Stockum musste wegen Tagesbruch-Gefahr gesperrt werden. „Wir werden immer mitleidig belächelt, wenn wir unsere ordnungsrechtlichen Maßnahmen treffen“, sagt Klawe, jetzt sieht man bei Schwarz-Weiß Annen, was passieren kann.