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Ringelnatz - Kuttel Daddeldu und vieles mehr

Wurzen (dpa) «Überall ist Wunderland. Überall ist Leben. Bei meiner Tante im Strumpfenband - Wie irgendwo daneben.»

Ringelnatz - Kuttel Daddeldu und vieles mehr

Vor 125 Jahren wurde der deutsche Schriftsteller, Lyriker und Kabarettist Joachim Ringelnatz geboren.

Der Verfasser dieser Zeilen war nicht nur emsiger Dichter - den Überlieferungen nach schon seit seinem sechsten Lebensjahr - sondern mehr oder weniger lange auch Matrose, Buchhalter, Maler, Privatbibliothekar und Kabarettist. Joachim Ringelnatz - mit bürgerlichem Namen Hans Bötticher - wurde am 7. August 1883 in Wurzen bei Leipzig geborenen. Noch heute, im Jahr seines 125. Geburtstages, wird er nach Angaben des Verlages Diogenes von einem großen Publikum gelesen. Das Banalste werde durch ihn zum Wunder, würdigte einst Erich Kästner (1899-1974) den Allround-Künstler.

Bötticher alias Ringelnatz zeigte schon früh Spürsinn fürs Skurrile und Abenteuerliche - und führte auch ein ebensolches Leben. Direkt nach der Schulzeit fuhr er zur See. Wieder an Land, tauchte der Sohn des sächsischen Dichters Georg Bötticher in die Münchner Bohème ein - und debütierte 26-jährig als Rezitator im Schwabinger Künstlerlokal «Simplizissiumus». 1912 erschienen erste Sammlungen von grotesk-komischen und drastisch-humorigen Gedichten, darunter «Es war einmal ein Kannibale, der war aus Halle an der Saale. Man sah ihn oft am Bodensee - Für zwanzig Pfennige Entree».

Zwischen 1910 und 1934 brachte es der fleißige Autor auf fast 20 Bücher: mehrere Gedichtbände, Romane, Bühnenstücke und Erzählungen sowie Märchen für Kinder. Seine größten Erfolge waren die «Turngedichte» und die Lieder vom Seemann «Kuttel Daddeldu». Dem von ihm so geliebten Meer widmete Ringelnatz auch die Anthologie «Matrosen» und das Buch «Als Mariner im Kriege», in dem er seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg schildert, als er Kommandant eines Minensuchbootes war. «Die grösste Aufmerksamkeit genießen seine Gedichte», sagt Diogenes-Sprecherin Ruth Geiger zur aktuellen Beliebtheit des Ringelnatz-Werkes.

Als reisender Artist trug er jahrelang überall seine Verse vor. Die Paraderolle des kleinen, etwas kurzsichtigen Mannes mit dem kantigen Gesicht war die des Matrosen Kuttel Daddeldu. Nach seinen Vagabundenjahren als Seemann und Bühnendarsteller zog Ringelnatz mit seiner Frau Leonarda, die er «Muschelkalk» nannte, nach Berlin. Dort fand er Anerkennung als Mitglied der Kleinkunstbühne «Schall und Rauch» und als Maler. Er schuf Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen, die seit dem Zweiten Weltkrieg fast alle verschollen sind.

1933 erhielt der Humorist Auftrittsverbot, seine Bücher wurden beschlagnahmt, seine Malerei wurde als entartet verleumdet. Künstlerfreunde und Fans riefen zu Spenden für den völlig verarmten Künstler und seine Frau auf. «Die Nachtigall ward eingefangen, Sang nimmer zwischen Käfigstangen (...)», heißt es in einem seiner letzten Gedichte. Im Alter von 51 Jahren starb Ringelnatz 1934 an einer zu spät behandelten Lungentuberkulose. Begraben wurde er in Berlin.

Im Jahr seines 125. Geburtstages würdigt ihn seine Geburtsstadt Wurzen mit allerlei Feierlichkeiten. Zudem wird ein Gässchen nach ihm benannt, so wie er es sich einst in einem kleinen Gedicht gewünscht hatte: «Mein Ideal wäre, Daß man nach meinem Tod (grano salis) Ein Gäßchen nach mir benennt, ein ganz schmales Und krummes Gäßchen mit niedrigen Türchen, Mit steilen Treppchen und feilen Hürchen, Mit Schatten und schiefen Fensterluken. Dort würde ich spuken.»

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