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Roberto Paternostro gibt nicht auf

Tel Aviv (dpa) Ein Jahr nach dem ersten Konzert eines israelischen Orchesters in der Wagner-Stadt Bayreuth ist der Dirigent verdrossen über den fortwährenden Boykott in Israel.

Roberto Paternostro gibt nicht auf

Roberto Paternostro (Archivbild) ist hinsichtlich der jüngsten Absage des ersten großen Wagner-Konzerts in Tel Aviv enttäuscht. Foto: Uwe Zucchi

«Eine gewisse Enttäuschung ist da», sagte Roberto Paternostro am Donnerstag in Hinblick auf die jüngste Absage des ersten großen Wagner-Konzerts in Tel Aviv. Es sei offenbar noch nicht gelungen, in der Frage ein neues Bewusstsein in Israel zu schaffen, sagte Paternostro der Nachrichtenagentur dpa. «Man muss es weiter versuchen», fügte er hinzu.

Paternostro kündigte unterdessen an, im Oktober solle erstmals ein Dirigenten-Workshop des Deutschen Musikrats in Israel stattfinden. Junge deutsche Dirigenten sollten so die Gelegenheit bekommen, mit einem israelischen Orchester zu arbeiten und aufzutreten. Er werde persönlich drei deutsche Nachwuchsdirigenten in ihrer Arbeit fördern. Das Abschlusskonzert mit Werken von Haydn, Schubert und Beethoven ist am 18. Oktober im Tel Aviver Kunstmuseum geplant.

In Israel wird die Musik des deutschen Komponisten Richard Wagner (1813-1883) wegen seiner antisemitischen Positionen und seiner großen Beliebtheit während des NS-Regimes seit 1938 boykottiert. Das Israel Chamber Orchestra (ICO) reiste im vergangenen Juli ungeachtet heftiger Proteste in Israel zu einem Konzert in Bayreuth. Dort wurden neben Wagners «Siegfried-Idyll» auch Werke dreier jüdischer Komponisten aufgeführt. Zur Eröffnung spielte das Orchester die israelische Nationalhymne. «Es war unglaublich emotional berührend», sagte Paternostro rückblickend. «Es war jenseitig.»

Man habe den Boykott damit zwar nicht brechen können, dennoch sei die Reise nach Bayreuth sehr wichtig gewesen, sagte Paternostro. «Es war nicht umsonst.» Die Reise habe eine neue Diskussionsbereitschaft gerade bei jungen Musikern in Israel ausgelöst. «Ich bin bereit, den nächsten Schritt zu tun», sagte er hinsichtlich neuer Versuche, Wagner-Musik in Israel zu spielen. «Aber im Moment geht das nicht», erklärte er angesichts der Proteste von Holocaust-Überlebenden, die zu Monatsbeginn zur Absage des großen Wagner-Konzerts in Israel führten. Veranstalter war die israelische Wagner-Gesellschaft.

Wagner sei eindeutig ein Antisemit gewesen, meinte Paternostro. Gleichzeitig sei er aber auch einer der größten Opernkomponisten, und seine Werke fehlten im israelischen Konzertrepertoire. «Der Weg zu Mahler und Schönberg führt über Wagner», sagte Paternostro, der selbst Angehörige während des Holocaust verloren hat. Er glaube jedoch nicht, dass der Boykott auf Dauer Bestand haben werde, sagte der 1957 in Wien geborene Dirigent. «In zehn Jahren ist es vorbei.»

Israelisches Kammerorchester

Bayreuther Festspiele

Paternostros Webseite

Deutscher Musikrat

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