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Roboter-Geldanlage im Internet breitet sich langsam aus

Frankfurt/München. Vermögen ganzheitlich, einfach und automatisch übers Netz investieren - damit werben viele Banken und kleine Finanzfirmen. Noch ist der Markt in Deutschland eine Nische. Doch einzelne Anbieter gewinnen langsam das Vertrauen der Sparer.

Roboter-Geldanlage im Internet breitet sich langsam aus

Die Anzeigetafel zeigt in der Börse die Entwicklung des DAX. Automatisierte Online-Geldanlage breitet sich allmählich aus. Foto: Frank Rumpenhorst

Automatisierte Online-Geldanlage breitet sich allmählich auch in Deutschland aus. Einzelnen Anbietern wie dem Marktführer Scalable Capital verhilft dies zu einem starken Wachstum. So betreut der Münchner Online-Vermögensverwalter inzwischen mehr als eine Milliarde Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Damit gelingt dem Finanz-Start-up der Sprung in eine international relevante Größenordnung. Insgesamt ist der Markt für Roboter-Anlagen hierzulande aber mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro klein, wie neue Zahlen der Analysefirma Barkow Consulting zeigen.

Die erreichte Marke zeige, „dass es echte Nachfrage nach digitaler Vermögensverwaltung gibt“, meinte Scalable-Mitgründer Erik Podzuweit. Das Unternehmen war vor zweieinhalb Jahren an den Start gegangen und profitierte von Kooperationen, etwa mit der Direktbank Ing-Diba.

Bei Anlage-Robotern geben Sparer zunächst an, welche Anlagezeiträume und welche Risikoneigung sie haben. Danach wird das Geld über Fonds und mehrere Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert. Manche Anbieter passen das Portfolio automatisch an, wenn Börsenrisiken wachsen oder Sparziele verletzt werden könnten. Die Firmen versprechen langfristig meist vier bis sechs Prozent Rendite pro Jahr bei Gebühren von unter einem Prozent.

Digitale Vermögensverwalter könnten sinnvoll sein für Anleger, die ihr Geld in ein Wertpapier-Portfolio investieren wollten, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ihnen könnten sie bei der Auswahl helfen und das Geld im Idealfall breit und günstig anlegen. Ein Wertpapier-Portfolio sei aber nicht für jeden Bedarf die richtige Lösung: „Wer etwa hohe Schulden hat, ist besser beraten, diese stattdessen rascher abzuzahlen.“ Als Alternative eigneten sich zudem einfache Fonds-Sparpläne.

Online-Vermögensverwaltung gilt in Deutschland als zukunftsträchtig, kommt aber nur schleppend in Fahrt. Die meisten der gut 30 Firmen - gerade Start-ups - tun sich noch schwer, Sparer anzulocken. Auch die Angebote etablierter Banken blieben bisher eine Nische. In den USA hingegen verwalten manche Anbieter je mehr als 10 Milliarden Euro. Das deutsche Gesamtvolumen von über zwei Milliarden Euro entspreche nur 0,2 Prozent des Vermögens von Privatanlegern in Aktien, Anleihen und Fonds, sagt Barkow. „Es ist reichlich Platz für Wachstum.“

Zudem konzentriere sich das betreute Roboter-Vermögen in Deutschland auf wenige Firmen. Dazu zählen neben Scalable die Commerzbank-Tochter Comdirect, cominvest, Quirion von der Privatbank Quirin und Liqid aus der Vermögensverwaltung der Milliardärsfamilie Quandt.

Die Allianz engagiert sich nun stärker in der digitalen Vermögensverwaltung. Der Versicherer stockt seine Investments in das Start-up Moneyfarm auf, wie er am Dienstag mitteilte. Die Briten bieten bereits in Großbritannien und Italien eine automatisierte Geldanlage an. Künftig solle das Angebot auch deutschen Anlegern offen stehen, erklärte ein Allianz-Sprecher. „Wir sehen eine steigende Kundennachfrage nach intelligenten und einfachen digitalen Lösungen“, erklärte Allianz-Vorstand Jackie Hunt.

Auch die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman erwartet, dass sich automatisierte Online-Geldanlage in Deutschland mittelfristig stark ausbreitet. Sie rechnet mit einem Volumen von 35 Milliarden Euro bis 2021. Das wäre rund das 17-fache von heute - aber nur ein Bruchteil der Beträge, die für die USA in Geldanlage-Robotern erwartet werden.

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