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«Romeo et Juliette» in Salzburg tosend gefeiert

Salzburg (dpa) Die Erwartungen waren riesengroß. Schon lange vor der Premiere am Samstagabend galt die Neuinszenierung von Charles Gounods «Romeo et Juliette» als «das Ereignis» bei den Salzburger Festspielen 2008.

«Romeo et Juliette» in Salzburg tosend gefeiert

Rolando Villazon als Romeo and Nino Machaidze als Juliette bei den Salzburger Festspielen.

Am Ende hielt die dritte Opernproduktion des Musikfestes an der Salzach alles, was Festspielintendant Jürgen Flimm versprochen hatte. Der US-amerikanische Musical-Regisseur Bartlett Sher lieferte eine zu jedem Zeitpunkt mitreißende Inszenierung, und das Salzburger Mozarteum-Orchester unter dem kanadischen Dirigenten Yannick Nezet-Seguin schuf mit leidenschaftlichem, aber nie unkontrollierten Spiel die Grundlage für eine bemerkenswerte Opernaufführung, an deren Erfolg natürlich auch die Sängerstars in den Titelrollen entscheidenden Anteil hatten.

Der wiedergenesene Rolando Villazon sang und spielte durchgehend auf hohem und höchstem Niveau. Und mit der jungen Georgierin Nino Machaidze bot die Festspielleitung eine «Julia», die weit mehr war, als nur ein Ersatz für die schwangere Anna Netrebko. Machaidze, die in Mailand studiert hat, begeisterte mit ihrer Stimme und ihrem schauspielerischen Talent das Premierenpublikum und überzeugte die Kritik.

Nach den umstrittenen Inszenierungen der ersten beiden Festspielproduktionen «Don Giovanni» und «Otello» (der am Freitag weder Publikum noch Kritik überzeugte) war man besonders gespannt darauf gewesen, wie der eigentlich als Musical-Regisseur Bartlett Sher die berühmteste Liebesgeschichte der Welt vor der großen Kulisse der Salzburger Felsenreitschule in Szene setzen würde. Doch Sher löste die schwierige Aufgabe mit Bravour. Zwar blieb seine Interpretation eher konventionell, doch gelang es ihm, die weiten Räume vor der historischen Fassade auszufüllen.

Hier sind die Sänger ständig in Bewegung. Gelegentlich erscheint Sher nicht einmal die überbreite Bühne vor der historischen Kulisse mit ihren mehrstöckigen Arkadengängen groß genug. Immer wieder weichen die Akteure bei Verfolgungsszenen auf Gänge vor dem Orchestergraben aus. Auch bei den mitreißenden Fechtszenen im dritten Akt nutzt er den Raum. Shers viele Einfälle sind weit mehr als Hollywood-Gags. Im vierten Akt etwa, wo ein riesiges weißes Tuch zunächst das Podium als «Bett» für Romeo und Julias Brautnacht überdeckt, dann als grotesker Brautschleier für Julia dient, die das Tuch - völlig schockiert von der Nachricht ihrer bevorstehenden Heirat mit dem Grafen Paris - in einem Anfall von Verzweiflung auf dem Boden zusammenrafft, als wolle sie darunter verschwinden.

Überhaupt lebt die Inszenierung von dem großen schauspielerischen Talent Villazons und Machaidze, die unbändige Freude und Leidenschaft ebenso glaubwürdig darstellen, wie Verzweiflung oder Trauer. Beide Sänger zeigten zu Beginn der Aufführung noch leichte Unsicherheiten - Villazon litt noch kurz vor der Premiere unter einem neuen Anflug von Stimmbandreizung. Doch vor allem in den großen Duetten konnten sie das Publikum immer wieder mit Gesang auf allerhöchstem Niveau begeistern. Auch die übrigen Rollen waren durchweg sehr gut besetzt.

«Das ist eine Oper für Jedermann», hatte der Kulturchef des Österreichischen Rundfunks ORF, Martin Traxl, vor der Premiere angekündigt, die der ORF und 3sat Live übertrugen. Er behielt ebenso Recht wie Festspielintendant Flimm, der versprochen hatte, dass die Karriere der erst 25-jährigen Sopranistin Machaidze in Salzburg «abgehen wird wie eine Rakete». Der 15-minütige tosende Applaus des Premierenpublikums am Ende des Liebesdramas brachte die Bestätigung.

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