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Rottstr5Theater entdeckt die Romantik und liest Liebesbriefe vor

Große Gefühle

„Love Letters“ – Liebesbriefe. Im Rottstr5Theater? Die jungen, wilden Theatermacher sind ja eher für provokante, aufwühlende oder mindestens satirische Inszenierungen bekannt. Mit einer szenischen Lesung von A. R. Gurneys Pulitzer-Preis-nominiertem Drama „Love Letters“ betritt das Theater nun am Samstag neues Terrain – Romantik und Liebe.

BOCHUM

von Von Tim Stobbe

, 20.06.2012
Rottstr5Theater entdeckt die Romantik und liest Liebesbriefe vor

Eine Liebe, nur durch Briefe am Leben gehalten: Melissa (Tanja Grix) und Andy (Max Florian Kühlem) überstehen fast 50 Jahre amerikanischer Geschichte. Jeder auf seine Weise, doch durch Briefzeilen stets miteinander verbunden.

Gurney erzählt in Briefform die Liebesgeschichte zwischen Melissa (Tanja Grix) und Andy (Max Florian Kühlem), die sich schon zu Schulzeiten Briefchen unter der Schulbank zuschieben. Rund 40 Jahre hält diese Liebe. Ihre Biographien gehen dabei weit auseinander.

Andy, aus armem Hause, lebt den amerikanischen Traum und bringt es letztendlich zum Senator. Melissa, mit einem wohlhabenden Elternhaus im Rücken, lebt ihren Traum von Freiheit und Kreativität als Künstlerin. Ein unstetes Leben. Doch versäumen es die beiden, sich ernsthaft zueinander zu bekennen. Und das, obwohl sie ein sich so perfekt ergänzendes Paar abgeben würden. Bis die Briefromanze dann doch ein tragisches Ende nimmt. „Der Reiz liegt eben in diesen Briefen. Für Briefe nimmt man sich Zeit, schreibt überlegt, stellt sich gut dar“, so Tanja Grix, die eigentlich das Kindertheater Truffaldinos leitet. „Die Realität kann aber ganz anders aussehen. Dieses Identitätsspiel macht den besonderen Reiz aus.“ Von ihr ging auch die Initiative für die Inszenierung aus: „Als ich den Text damals das erste Mal auf deutsch gelesen habe, musste ich weinen.“ Bei einer Aufführung von „Wow, Toll – Heidi und die Chicas“ lernte sie dann Max Florian Kühlem kennen. Und sah in ihm die perfekte Besetzung für Andy, um endlich dieses Stück auf die Bühne zu bringen.

Mit Honke Rambow als Regisseur fand sich der letzte Part, um das Unterfangen zu stemmen. „Und dabei bin ich nicht einmal sonderlich romantisch veranlagt“, merkt Rambow lächelnd an. Es sei die Realitätsnähe, die das Stück so anrührend macht. „Man wünscht sich, dass dies eine wahre Geschichte ist“, erklärt Grix. Doch es bietet noch viel mehr als bloße Romantik. Gurney legt dem Stück 50 Jahre Geschichte der USA zugrunde, die es so authentisch macht. Nicht zuletzt ist die gesamte Inszenierung eine liebevolle Hommage an das fast verloren gegangene Briefeschreiben. Für das man sich Zeit nimmt, wo es noch Platz für tiefe, ehrliche Gefühle gibt. „Love Letters“ feiert am Samstag, 23. Juni, um 19.30 Uhr Premiere, weiterer Aufführungstermin ist am Donnerstag, 28. Juni, um 19.30 Uhr.