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Rüstungsrennen in Sachen PS - Die Werkstuner im Wettbewerb

Affalterbach/München (dpa/tmn) Während Großserienautos immer sparsamer werden, setzen vor allem deutsche Hersteller auch auf monströse Leistung: Sie lassen manches Modell vom Werkstuner kräftig aufrüsten. Eine Frage bleibt: Wann kann man solche Autos ausfahren?

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Sportlicher Focus: Als ST leistet das Kompaktmodell von Ford 184 kW/250 PS und ist maximal 248 km/h schnell. Foto: Ford

Wegbereiter Nissan Juke Nismo: Die Studie mit 1,6-Liter-Turbobenziner und mehr als 140 kW/190 PS gilt als Vorbote für ein sportliches Serienauto. Foto: Nissan

Der Opel Astra OPC sorgt für werksinterne Superlative: Sein Zweiliter-Motor mit 206 kW/280 PS ist der bislang stärkste der Baureihe. Foto: Opel

Kleines Kraftpaket von der M GmbH: Ab Herbst gibt es einen BMW M135i. Er leistet 235 kW/320 PS und kostet 39 550 Euro. Foto: BMW

Neues von Audis Quattro GmbH: Im Herbst geht wieder ein RS4 Avant ins Rennen. Der V8 des schnellen Kombis bringt es auf 331 kW/450 PS und einen Sprintwert von 4,7 Sekunden. Foto: Audi

Vorstoß in die Kompaktklasse: Erstmals hat Mercedes-Werkstuner AMG sich die A-Klasse vorgeknöpft. Herausgekommen ist der A45 mit weit über 300 PS (hier noch als Vorserienfahrzeug). Foto: Daimler

Die Autobauer rüsten auf: Vor allem die deutschen Hersteller lassen in ihren Sportabteilungen und beim Werkstuner wieder die Muskeln spielen. In gewissem Widerspruch steht der Trend zu den Großserienmodellen, bei denen die Hersteller um jedes Gramm CO2 ringen - wenngleich das Emissionsthema längst auch die Tuner beim Mercedes-Ableger AMG, der BMW M GmbH oder der Audi-Tochter Quattro erreicht hat, die in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte erzielen konnten.

Für das neue Wettrüsten um jede Pferdestärke gibt es jedoch Gründe: Zum einen ist die Krise der Autoindustrie überwunden, einen anderen nennt der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen: Für die Hersteller seien solche Kleinserien eine Spielwiese, auf der neue Technologien wie Turboaufladung oder Leichtbau mit Karbon ausprobiert werden könnten.

Eine Begleiterscheinung der Entwicklung ist, dass es leistungspotente Autos in immer mehr Fahrzeugklassen gibt. So will AMG mit einer Sportversion der A-Klasse 2013 ins Segment der Kompakten einsteigen. Der A45 wird mit einem aufgeladenen, zwei Liter großen Turbo-Direkteinspritzer bestückt, der mehr als 250 kW/340 PS haben wird. Mit einem Einstiegspreis von voraussichtlich unter 50 000 Euro soll dieses Auto die Kundenbasis verbreitern und den Absatz deutlich vergrößern. Insgesamt plant AMG in den nächsten fünf Jahren acht neue Modelle. Darunter sind ein sportlicher Ableger des neuen CLS Shooting Break und ein kleiner Bruder des Flügeltürers SLS.

Auch die BMW M GmbH weitet ihr Modellprogramm aus. Etwa mit der neu aufgelegten Reihe «M Performance Automobile»: «Diese Fahrzeuge stehen in Leistung, Design und Preis zwischen den Serienautos und unseren Kernmodellen», erläutert M-Chef Friedrich Nitschke. So gibt es unter der neuen Flagge den ersten Diesel der M GmbH, mit dem auch der Allradantrieb bei den Sport-Limousinen Einzug hält. Und ab Herbst wird es einen BMW M135i geben. Er leistet 235 kW/320 PS, kostet 39 550 Euro und zielt direkt auf den A45 AMG. Für 2013 steht auch das M6 Gran Coupé auf dem Plan.

Die Quattro GmbH von Audi fährt im Vergleich zur Konkurrenz ein wenig hinterher. Immerhin startet in diesen Tagen als letzte Evolutionsstufe vor dem Modellwechsel der TT RS plus mit 265 kW/360 PS als Coupé und Roadster. Außerdem geht der RS4 Avant mit 331 kW/450 PS ins Rennen, und hinter den Kulissen legen die Scharfmacher letzte Hand an die Überarbeitung des R8, der nach Informationen aus Unternehmenskreisen im Herbst frisch geliftet in die zweite Halbzeit fährt. Aber auch die Quattro GmbH erschließt neue Segmente und liebäugelt mit einem sportlichen Geländewagen. Bis der im Frühjahr in Peking enthüllte Q3 RS mit 265 kW/360 PS in Serie geht, ist nach Werksangaben «nur noch eine Frage von Monaten, nicht Jahren.»

Das Werkstuning ist keine Spezialität der sogenannten Premiumhersteller. Auch andere Marken sind haben längst gelernt, wie man mit der Leistung auch den Preis und so den Umsatz in die Höhe treiben kann. Von Opel kommt als OPC in ein paar Wochen der bisher «stärkste und schnellste Astra»: Mit seinem Zweiliter-Motor erreicht das Coupé 206 kW/280 PS nach Angaben von Pressesprecher Patrick Munsch maximal 250 km/h. Allerdings wird der Wagen bei einem Preis von 34 250 Euro auch der teuerste Astra in der Modellgeschichte.

Nicht ganz so stark aber dafür mit 27 950 Euro auch günstiger ist der Ford Focus ST. Er kommt auf 184 kW/250 PS, schafft maximal 248 km/h und steht ebenfalls für eine Ausweitung des Angebots: «Zum ersten Mal wird die Sportvariante bei uns auch als Kombi angeboten», sagt Pressesprecher Hartwig Petersen.

Als Hauptabsatzmarkt für die potenten Ableger der Serienfahrzeuge denken die Hersteller vor allem an Kalifornien und China. Längst gehen die allermeisten Powermodelle in den Export. Für Branchenkenner Dudenhöffer hat das eine gewisse Ironie: Gekauft würden diese Autos vor allem von Menschen, die sie wegen der örtlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen fast nie ausfahren werden. Allerdings zum Statussymbol taugten die teuren Sportvarianten.

Das Werkstuning ist keine Spezialität der deutschen Hersteller. Auch die ausländischen Anbieter haben häufig hauseigene Scharfmacher, die teils jedoch nicht nach Europa exportieren. Mazda Speed kann man bei uns ebenso wenig kaufen wie die Toyota-Modelle von Gazoo-Racing. Dagegen bietet Fiat Punto und 500er hierzulande als Abarth an, den Jeep Grand Cherokee gibt es bei uns auch als SRT-Modell, und auch die ebenfalls in Deutschland vertriebene Corvette ZR1 wurde vom Chevrolet-Rennteam entwickelt. Und der nächste Werkstuner steht vor der Tür: Mit der Studie Juke Nismo bereitet Nissan den Boden für seinen sportlichen Ableger, der nach Angaben des Unternehmens bald auch in Europa mit seinen Modellen antreten wird.

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