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Ruhr-Universität bringt Beamten Deutsch bei

Behördensprache

Seit zehn Jahren kämpfen Sprachwissenschaftler der Bochumer Ruhr- Universität zusammen mit der Stadtverwaltung Bochum gegen unverständliches Amtsdeutsch. Ihr Ziel: Die Behördensprache in Briefen und Formularen zu modernisieren. Was einfach klingt, braucht viel Zeit. Der Kampf scheint niemals zu enden.

BOCHUM

von dpa

, 16.01.2011
Ruhr-Universität bringt Beamten Deutsch bei

Gemeinsam mit der Ruhr-Universität versucht die Bochumer Stadtverwaltung nun schon seit zehn Jahren aus unverständlichen Formulierungen wie "Der Unterzeichner" ein einfaches "Ich" in offiziellen Schreiben zu machen.

Foto“ statt „Lichtbild“, „Kopie“ statt „Ablichtung“, „zahlen“ statt „entrichten“. Im Kampf gegen eine unverständliche Amtssprache arbeitet die Bochumer Stadtverwaltung seit zehn Jahren mit Sprachwissenschaftlern von der Ruhr-Universität zusammen. Ihr Ziel: Bußgeldbescheide, Mahnungen und Informationen so zu formulieren, dass jeder Bürger und auch Amtskollegen sie verstehen. Claudia Grahner von der Stadtverwaltung sieht erste Erfolge: „Es gibt weniger Rückfragen, weniger Missverständnisse und die Bürger kommen den Forderungen der Briefe schneller nach.“

„Als die Stadtverwaltung Bochum 1999 auf uns zukam, gab es einen Rückstau von alten Formularen. Da konnte man auf den ersten Blick sehen: Das ist nicht mehr aus unserer Zeit“, erklärt Professor Hans Fluck der RUB. Zu lange Sätze, zu viele Substantive, viele passive Formulierungen und Paragrafen haben die Texte unübersichtlich gemacht. Damals schrieb die Verwaltung zum Beispiel: „Vorsorglich weise ich darauf hin, dass keinen Anspruch auf Hilfe zum Lebensunterhalt hat, wer sich weigert, zumutbare Arbeit zu leisten (§ 25 Abs. 1 BSHG).“ Heute heißt der Satz: „Sie haben keinen Anspruch auf Hilfe zum Lebensunterhalt, wenn Sie sich weigern, zumutbare Arbeit zu leisten (§ 25 Absatz 1 BSHG).“

Doch die Zusammenarbeit verlangt einen langen Atem. Erstens gibt es zu wenig Geld, zweitens benötigt die Überarbeitung von Texten viel Zeit. Der Internet-Dienst für eine moderne Amtssprache (IDEMA) bietet einerseits Seminare an, bei denen Verwaltungsmitarbeiter lernen, einfach und verständlich zu schreiben. Andererseits überarbeitet IDEMA Texte. „Das ist ein zäher Prozess, weil wir natürlich sprachlich verständlich, gleichzeitig aber auch fachlich richtig und juristisch unantastbar formulieren wollen“, sagt IDEMA-Geschäftsführerin Michaela Blaha. Seit 2000 hat IDEMA etwa 6000 Texte überarbeitet.