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Ruhrpott pur bei Frank Goosens "Radio Heimat"

Zeltfestival Ruhr

Bei "Radio Heimat" funkte es am Samstag zwischen Frank Goosen und den Besuchern des Zeltfestivals Ruhr sofort – und sehr lange. Weil auch der Künstler restlos begeistert war, legte der VfL-Fan zum 90 Minuten-Heimspiel noch einmal eine XXL-Verlängerung oben drauf.

BOCHUM/WITTEN

von Von Dietmar Bock

, 29.08.2010

 „Dieses scheiß Festival is so ne geile Kacke“, lobte er nach rund drei Stunden, „das ist einfach nur Champions-League. Und näher werden wir an die Champions-League nie wieder ´ran kommen.“

Jeder "Ruhri" fühlte sich heimisch Im ausverkauften Hauptzelt spielte das Publikum offensiv mit. Dessen Wort-Pässe nahm der Spielmacher glänzend auf und verwertete sie treffsicher. Ob Ex-Kneipenwirt „Sigi“ vom „Sportfreund“ oder die „Bimbo-Box“ im Kaufhaus Kortum: Es war total lokal und außergewöhnlich gut zugleich. Da fühlte sich jeder „Ruhri“ sofort heimisch.

Der genau beobachtende und detailgetreue Geschichtenerzähler führte in jene Epoche, in der es nur drei Fernsehprogramme gab, ZDF-Hitparade und Disco angesagt waren und die Tapeten irrwitzige Muster in gedeckte Farben zeigten. Wie die auf der Bühne stehende, altdeutsche Wandverkleidung mit dem Blaupunkt-Radio „Riviera“ in Holzkorpus (Baujahr 1952) und dem an die Wand genagelten Aschenbecher.

Deftiges von Pommesbuden und Klares aus Kneipen Vor dieser Kulisse, die er in Witten auftrieb, lässt der ehemalige Geschichts-Student seinen genialen Ruhrpott-Rückblick spielen. Deftiges von Pommesbuden, Klares aus Kneipen und exaktes Passspiel rund um den Fußball brachte der unerschütterliche VfL-Anhänger auf den Punkt. „Unser Torwart griff in Aue wohl nach dem Regenbogen“, kommentierte er das Bochumer 0:1 vom Freitag, ließ die punktlosen Schalker indes in Ruhe: „Ich trete nicht auf einen ein, der am Boden liegt“. 

„Radio Heimat“ sendete in bestem „Ruhr-gefärbten Hochdeutsch“, gepaart mit fein geschliffener Wortakrobatik. Bunt waren die Storys über „jene Menschen, die schon im grauen Kittel auf die Welt gekommen sind“, rasant die Schnellsprech-Einlage beim „Laberfürsten“ und verbindend die „Ode an die A40“.

„Woanders is auch Scheiße“ Und kritisch war's auch. Tadelnd  über den Bochumer „Boulevard“ schreitend, bemühte Frank Goosen mit Blick auf seinen ehemaligen Tresenleser-Kumpel Jochen Malmsheimer, der zu Beginn des Festivals über seine Heimatstadt vom Leder gezogen hatte, ein chinesisches Sprichwort: „Wer die Wahrheit spricht, der braucht ein schnelles Pferd“. 

So galoppierte Frank Goosen  unter dem Motto „Woanders is auch Scheiße“ durch den Ruhrpott und bot mit „Radio Heimat“ eine geniale Sendung, die trotz XXL-Verlängerung immer noch zu kurz war.